Afghanistan: Nach Evakuierungsflug-Desaster – Heiko Maas wird jetzt deutlich +++ Flüchtlingsrat NRW fordert Akut-Aufnahmeprogramm

 Hunderte Menschen liefen am Montag neben einer Boeing C-17 der United States Air Force, die auf dem Rollfeld des Kabul International Airport fährt. Zahlreiche Afghanen, die sich nach der Machtübernahme der Taliban in Sicherheit bringen wollen, versuchten auf dem Flughafen in Flugzeuge zu gelangen und blockierten die Landebahn.
Hunderte Menschen liefen am Montag neben einer Boeing C-17 der United States Air Force, die auf dem Rollfeld des Kabul International Airport fährt. Zahlreiche Afghanen, die sich nach der Machtübernahme der Taliban in Sicherheit bringen wollen, versuchten auf dem Flughafen in Flugzeuge zu gelangen und blockierten die Landebahn.
Foto: dpa

Die Taliban sind zurück an der Macht in Afghanistan. Jetzt versuchen die Bundesregierung sowie weitere westliche Staaten in einem überstürzten Abzug möglichst viele Menschen aus dem Land zu holen, darunter auch afghanische Ortskräfte. Die Welt blickt nun zum Flughafen Kabul.

Afghanistan: Taliban nun auch am Flughafen Kabul

Wie geht es weiter in Afghanistan? Wir halten dich in unserem Newsblog über die aktuelle Lage in Afghanistan auf dem Laufenden.

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+++ News-Blog aktualisieren+++

17. August 2021

14.05 Uhr: Zweiter Bundeswehr-Flieger in Kabul gelandet

Die zweite Bundeswehrmaschine für die Evakuierungsaktion in Afghanistan ist auf dem Flughafen in Kabul gelandet. Das sagte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) am Dienstag in Berlin.

Und weiter: „Wir nehmen alles mit, was vom Platz her in unsere Flugzeuge passt“. Dies betreffe deutsche Staatsbürger, gefährdete Afghanen und Staatsbürger verbündeter Nationen. Gemeinsames Ziel mit den Verbündeten sei es, „so viele wie möglich auszufliegen“.

13.21 Uhr: Flüchtlingsrat NRW fordert ein Akut-Aufnahmeprogramm - mehrere zehntausend Menschen in Gefahr

Angesichts der Lage in Afghanistan rechnet der Flüchtlingsrat Nordrhein-Westfalen wieder mit mehr Schutzsuchenden aus dem Land. „Die Kapazitäten in Deutschland sind da“, sagte Birgit Naujoks, Geschäftsführerin des Flüchtlingsrats NRW am Dienstag. Weil die Zahl der Ankommenden zuletzt auf niedrigem Niveau gelegen habe und in den Landeseinrichtungen nach den Erfahrungen von 2015 viele Reserveplätze vorgehalten würden, könne man schnell reagieren, sollte es notwendig sein. „Auch die Kommunen haben gelernt, können auf Strukturen zurückgreifen und haben vielfach Puffer geschaffen“, sagte sie. 2015 waren mehrere hunderttausend Migranten weitgehend unkontrolliert nach Deutschland eingereist.

Wie groß das Ausmaß der nicht kontrollierten Flüchtlingsbewegungen sein werde, hänge aber von vielen Faktoren ab, die sowohl die EU als auch Deutschland nun beeinflussen könnten, sagte Birgit Naujoks, Geschäftsführerin des Flüchtlingsrates in NRW. Aufnahmeprogramme zunächst für unmittelbar bedrohte Gruppen sowie die Schaffung sicherer Fluchtwege in die Nachbarländer gehörten zu den wichtigsten Sofortmaßnahmen. „Wir fordern ein Akut-Aufnahmeprogramm das weit über die Ortskräfte hinausgeht. Wir sprechen hier von mehreren zehntausend Menschen, die akut in Gefahr sind.“, sagte Naujoks. Auch Familienangehörige von Geflüchteten, die bereits in Deutschland seien, Mitarbeiter von deutschen oder aus Deutschland finanzierten NGOs sowie beispielsweise Menschenrechtler, kritische Journalistinnen oder queere Menschen müssten nun so schnell wie möglich in Sicherheit gebracht werden. „Das geht zur Zeit nur über eine Luftbrücke“, sagte Naujoks.

11.52 Uhr: Steinmeier findet deutliche Worte - „Beschämend“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich erschüttert über die dramatische Lage der Menschen in Afghanistan geäußert. „Die Bilder der Verzweiflung am Flughafen in Kabul sind beschämend für den politischen Westen“, sagte er am Dienstag in Berlin. An anderer Stelle sagte er: „Wir erleben in diesem Tagen eine menschliche Tragödie, für die wir Mitverantwortung tragen, eine politische Zäsur, die uns erschüttert und die Welt verändern wird.“

Steinmeier betonte, umso mehr müsse man nun zu denen stehen, denen man durch ihre Arbeit und Unterstützung im 20-jährigen Militäreinsatz verpflichtet sei. „Deutschland muss alles daran setzen, unsere Landsleute und alle Afghaninnen und Afghanen, die ihnen jahrelang zu Seite standen, in Sicherheit zu bringen“, sagte er. Inwieweit das gelingen kann, nachdem die radikalislamischen Taliban auch die afghanische Hauptstadt Kabul bis auf den militärischen Teil des Flughafens unter ihrer Kontrolle haben, ist derzeit ungewiss.

11.32 Uhr: Heiko Maas kündigt weitere Evakuierungsflüge an

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat die Erwartung geäußert, dass es an diesem Dienstag weitere Evakuierungsflüge aus Kabul geben werde. „Die Lage am Flughafen in Kabul hat sich weiter stabilisiert“, schrieb Maas am Vormittag auf Twitter. „Die Botschaft hat daher eine erste Gruppe zu Evakuierender kontaktiert, um ihren Abflug zu ermöglichen.“

Ziel bleibe der Aufbau einer stabilen Luftbrücke, „um so deutsche Staatsangehörige, Ortskräfte und andere zu schützende Personen sicher nach Deutschland zu bringen“, schrieb Maas weiter.

08.21 Uhr: Wer ist schuld am Afghanistan-Desaster? Joe Biden verteidigt sich

Zum Abzug des US-Militärs aus Afghanistan und der schnellen Machtübernahme der Taliban schreibt das „Wall Street Journal“:

„Präsident Biden erklärte der Welt am Montag, dass er seine Entscheidung, sich schnell aus Afghanistan zurückzuziehen, nicht bereue. Auch nicht die chaotische und inkompetente Art und Weise, wie der Rückzug ablief. (...) Biden weigerte sich, die Verantwortung für den verpfuschten Rückzug zu übernehmen, und gab anderen die Schuld. Er gab Donald Trumps Friedensabkommen mit den Taliban die Schuld und behauptete erneut fälschlicherweise, er sitze in der Falle. Er gab seinen drei Vorgängern die Schuld dafür, sich nicht aus Afghanistan zurückgezogen zu haben.

Er beschuldigte die Afghanen, nicht hart genug zu kämpfen, ihre Anführer, zu fliehen, und sogar die Afghanen, die uns geholfen hatten, nicht früher das Land verlassen zu haben. Die einzige Gruppe, die er auffälligerweise nicht beschuldigte, waren die Taliban, die einst Osama bin Laden beherbergten und möglicherweise seinen terroristischen Nachfolger schützen.

06.54 Uhr: Bodo Ramelow mit klarer Ansage

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat sich für eine Unterstützung bei der Aufnahme von Schutzsuchenden aus Afghanistan ausgesprochen. „Auch Thüringen sieht die Notwendigkeit einer zügigen Festlegung des Bundes, Menschen aus Afghanistan in Deutschland aufzunehmen, und würde selbstverständlich zur Aufnahmeverpflichtung stehen“, sagte Ramelow der „Welt“.
Am Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul spielten sich dramatische Szenen ab. Hunderte oder vielleicht auch Tausende verzweifelte und verängstigte Menschen versuchten, auf Flüge zu kommen, wie Videos in Online-Medien zeigten.
Seit der Entscheidung über den Abzug der internationalen Truppen aus Afghanistan, darunter auch der Bundeswehr, haben die Taliban große Teile des Landes erobert. Die Aufständischen wollen ein „Islamisches Emirat Afghanistan“ errichten, so wie schon vor dem Einmarsch der US-Truppen im Jahr 2001.

06.46 Uhr: Amerikanisches Transportflugzeug überfüllt

Unfassbares Bild aus dem Innern eines amerikanischen Transportflugzeug: Tausende Menschen versuchten am Flughafen in Kabul aus dem Land zu fliehen. Das Flugzeug habe 640 Menschen mitgenommen, obwohl es nur für 134 ausgelegt sei.

06.25 Uhr: Bundeswehr bringt erste Gruppe in Sicherheit - es waren aber nur sieben Menschen an Bord

Wegen der gefährlichen Lage am Flughafen Kabul konnte die erste Evakuierungs-Maschine der Bundeswehr am Montag nur sieben Menschen aus der afghanischen Hauptstadt ausfliegen. „Aufgrund der chaotischen Umstände am Flughafen und regelmäßiger Schusswechsel am Zugangspunkt war gestern Nacht nicht gewährleistet, dass weitere deutsche Staatsangehörige und andere zu evakuierende Personen ohne Schutz der Bundeswehr überhaupt Zugang zum Flughafen erhalten würden“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts am Dienstag zur Begründung.

Der Airbus A400M ist offiziell für 114 Passagiere ausgelegt. Es heißt aber, dass während der Evakuierungsaktion bis zu 150 Menschen mit ihm transportiert werden könnten. Bei den Ausgeflogenen handelt es sich um fünf Deutsche, eine Person aus einem anderen europäischen Land und eine afghanische Ortskraft, die für die Bundeswehr oder ein Bundesministerium tätig war oder ist.

Mehr Menschen konnten die Maschine auf dem Rollfeld nicht erreichen. Ein Zugang von Personen, die sich am zivilen Teil des Flughafens aufgehalten hätten, sei „von den Partnern, die die Sicherheitsverantwortung am Flughafen ausüben, nicht ermöglicht“ worden, erklärte der Sprecher weiter. Das Flugzeug habe den Flughafen außerdem nach kurzer Zeit wieder verlassen müssen. „Aufgrund der gerade abends und nachts äußerst gefährlichen Lage auf den Zufahrtswegen zum Flughafen wäre es ein untragbares Risiko für Leib und Leben der Menschen vor Ort gewesen, die zu Evakuierenden vor Erteilung der Landeerlaubnis und vor Sicherung des Zugangs durch Bundeswehrkräfte aufzurufen, sich zum Flughafen zu begeben.“

In Brüssel wurden für Dienstag Krisensitzungen der Nato-Botschafter und der EU-Außenminister einberufen. Großbritanniens Premierminister Boris Johnson will in den kommenden Tagen einen virtuellen G7-Gipfel organisieren.

06.01 Uhr: Seehofer spricht von bis zu fünf Millionen Flüchtlinge aus Afghanistan

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sprach am Montag nach Informationen der dpa bei einer Unterrichtung der Fraktionschefs im Bundestag von 300.000 bis fünf Millionen weiteren Afghanen, die die Flucht ergreifen könnten. Einen Zeitraum nannte er nicht. Der Deutsche Städtetag pochte auf Hilfe für Afghanistans Nachbarländer und eine nationale Strategie zur Flüchtlingsaufnahme. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) forderte eine europäische Kraftanstrengung zur Flüchtlingshilfe.

16. August 2021

22.30 Uhr: Erster Luftwaffen-Transporter in Kabul gelandet

Die Luftwaffe ist unter schwierigen Bedingungen auf dem Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul gelandet. Ein Transportflugzeug vom Typ A400M setzte zur Evakuierung deutscher Staatsbürger auf der zeitweise wegen chaotischer Zustände gesperrten Rollbahn auf, wie die Deutsche Presse-Agentur am Montagabend aus Sicherheitskreisen erfuhr.

22.20 Uhr: Bundeswehr-Helfer irren schutzlos in Kabul umher

Mehrere sogenannte „sichere Häuser“ in Kabul, in denen afghanische Ortskräfte der Bundeswehr und weiterer Institutionen zeitweise Zuflucht gefunden hatten, mussten offensichtlich aufgegeben werden. Das berichtete am Montag das ZDF-Magazin „frontal“ unter Berufung auf den Vorsitzenden des Patenschaftsnetzwerks Afghanische Ortskräfte, Marcus Grotian. „Ich habe 400 Menschen mitgeteilt, dass es für sie keine Hoffnung mehr gibt und die Safehouses aufgelöst“, zitierte ihn der Sender.

„Frontal“ sprach mit einem ehemaligen afghanischen Übersetzer der Bundeswehr, der von Grotian kontaktiert wurde. Mit Verweis auf die aktuelle Situation am Flughafen von Kabul habe Grotian den Ortskräften mitgeteilt, dass die Bundesregierung aktuell nicht mehr helfen könne, weshalb er die „sicheren Häuser“ angesichts von Patrouillen der Taliban auflöse. Drei der „sicheren Häuser“ hatte das Patenschaftsnetzwerk mit Hilfe von Spendengeldern eingerichtet.

+++ Afghanistan: Im ZDF-Spezial ist ein Bundeswehr-Veteran den Tränen nahe +++

Laut Aussage des afghanischen Übersetzers, dessen Identität dem ZDF bekannt sei, hielten sich bis zuletzt hunderte afghanische Ortskräfte und ihre Familienmitglieder in insgesamt drei „Safehouses“ in Kabul auf. Diese seien jedoch offensichtlich von den Taliban entdeckt worden. Die Islamisten würden auf den Straßen von Kabul patrouillieren und gezielt nach Ortskräften der internationalen Streitkräfte suchen, von denen viele dort umherirrten, hieß es in dem Bericht weiter. Der afghanische Übersetzer sagte demnach „frontal“, er bedauere zutiefst, für die deutsche Bundeswehr gearbeitet zu haben.

Bundesaußenminister Heiko Maas hatte am Nachmittag noch einmal versichert, die Bundesregierung tue alles, um den Ortskräften und ihren Familien die Ausreise zu ermöglichen. Allerdings räumte der SPD-Politiker ein, dass er auch nicht wisse, wie diese zum Flughafen gelangen könnten.

19.45 Uhr: Bundeswehr-Transporter kreisen über Kabul

Zwei Bundeswehr-Transporter vom Typ A-400M kreisen über Kabul. Weil zu viele Menschen auf dem Rollfeld sind, können die Flugzeuge aber nicht landen. So ziehen die Flieger ihre Runden über der Stadt. Sollte keine Landeerlaubnis erteilt werden, müsste die Maschine wieder Richtung Usbekistan abdrehen, wenn der Sprit knapp wird.

Die Bundeswehr-Soldaten müssen nun darauf warten, dass die US-Kräfte die Landebahn freiräumen und den Deutschen eine Landeerlaubnis geben, berichtet unter anderem bild.de.

19.35 Uhr: Kanzlerin Merkel spricht von „bitterer Entwicklung“

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den internationalen Einsatz in Afghanistan als Enttäuschung bewertet. Jenseits der Bekämpfung des Terrorismus sei alles „nicht so geglückt und nicht so geschafft worden, wie wir uns das vorgenommen haben“, sagte die CDU-Politikern am Montag in Berlin. „Das ist eine Erkenntnis, die ist bitter.“ Es seien „keine erfolgreichen Bemühungen“ gewesen.

Daraus müsse man Lehren ziehen „und seine Ziele auch kleiner fassen“ bei solchen Einsätzen. Die Taliban hätten das ganze Land erneut unter ihre Kontrolle gebracht. „Das ist eine überaus bittere Entwicklung“, sagte Merkel.

Außerdem kündigte die Kanzlerin Gespräche mit den Taliban an, um Menschen zu helfen.

17.40 Uhr: Heiko Maas räumt Fehler ein – „Nichts zu beschönigen“

Außenminister Heiko Maas (SPD) hat nun erstmals Fehler in der Afghanistan-Politik eingeräumt: „Es gibt auch nichts zu beschönigen: Wir alle - die Bundesregierung, die Nachrichtendienste, die internationale Gemeinschaft - wir haben die Lage falsch eingeschätzt.“

„Die Geschwindigkeit, mit der sich die afghanischen Sicherheitskräfte vor den Taliban zurückgezogen haben und kapituliert haben, haben weder wir noch unsere Partner, auch nicht unsere Experten so vorausgesehen“, so Maas.

Nun würde die Bundesregierung versuchen, „so viele Menschen wie möglich aus dieser Situation zu retten“.

16.50 Uhr: Aussage von Armin Laschet sorgt für Empörung

Mit einem Zitat sorgt CDU-Chef und Kanzlerkandidat Armin Laschet für Aufregung. Angesichts der Lage in Afghanistan sagte er: „Ich glaube, dass wir jetzt nicht das Signal aussenden sollten, dass Deutschland alle, die jetzt in Not sind, quasi aufnehmen kann. Die Konzentration muss darauf gerichtet sein, vor Ort, jetzt diesmal rechtzeitig - anders als 2015 - humanitäre Hilfe zu leisten.“

+++ Afghanistan: Brutal ehrliche Worte im ZDF-„heute journal“ – Zuschauer: „Es macht mich so wütend“ +++

Zuvor hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel im CDU-Bundesvorstand davon gesprochen, dass Deutschland rund 10.000 Personen aus Afghanistan rausbringen wolle. Die Regierung habe vor Monaten bereits 2500 Ortskräfte identifiziert, bei 600 wisse man derzeit nicht, ob sie bereits in Drittstaaten seien, habe Merkel gesagt. Zu der Personengruppe würden auch Anwälte und Menschenrechtler gehören.

Im Netz löst das Zitat von Armin Laschet nach den Beratungen von CDU-Bundesvorstand und -Präsidium empörte Reaktionen aus. Viele fragen sich, was er unter „Hilfe vor Ort“ verstehe und halten sein Zitat angesichts der dramatischen Bilder vom Flughafen Kabul für unpassend.

Für Ärger bei der CDU sorgt derweil ein WDR-Tweet, den wir in einer früheren Version auch in diesem Artikel eingebunden haben und der im Netz viral ging. Mittlerweile postete der WDR eine Klarstellung zu dem Tweet.

16.40 Uhr: Lage am Flughafen spitzt sich zu – Taliban sind da

Die Taliban befinden sich anscheinend mittlerweile auf dem Gelände des Flughafens Kabul. Unter anderem berichtet das die ARD-Korrespondentin Natalie Amiri. Ihr Kontakt vor Ort habe ihr berichtet: „Die Menschen fliehen hysterisch, nur wissen sie nicht, in welche Richtung.“

Eine Menschenrechtsaktivistin, die bislang am Airport auf eine Ausreise wartete, habe ihr gesagt, dass sie nicht mehr länger auf die Bundeswehr warten könne. Der Flughafen sei der „gefährlichste Orte Afghanistans“.

14.17 Uhr: Merkel erwartet steigende Zahl von Flüchtlingen aus Afghanistan

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan eine wachsende Zahl von Flüchtlingen. „Viele Menschen werden versuchen, das Land zu verlassen“, sagte Merkel nach AFP-Informationen am Montag in der Sitzung der CDU-Parteigremien in Berlin. Kritisch äußerte sich Merkel zur Entscheidung der USA zum Truppenabzug aus Afghanistan: Dies habe einen „Domino-Effekt“ bewirkt, der nun zur Machtübernahme der radikalislamischen Taliban geführt habe.

Die Bundesregierung werde im Umgang mit der erwarteten Fluchtbewegung eng mit den Nachbarländern Afghanistans zusammenarbeiten, sagte Merkel demnach: „Wir sollten alles tun, um den Ländern dabei zu helfen, die Geflüchteten zu unterstützen“, wurde Merkel zitiert. „Das Thema wird uns noch sehr lange beschäftigen.“

13.58 Uhr: Alice Schwarzer mit heftiger Forderung

Alice Schwarzer fordert, nur Frauen und Kinder als Flüchtlinge aus Afghanistan aufzunehmen. „Afghanische Terroristen werden sehr bald auch bei uns sein“, warnte die Frauenrechtlerin am Montag in einem Beitrag auf der Website des Magazins „Emma“. „Sie werden sich, gezielter denn je zuvor, unter die zu erwartenden Flüchtenden mischen. Ein Grund mehr, jetzt nur Frauen und Kinder aus Afghanistan aufzunehmen! Denn da Deutschland eh nicht alle Menschen aus der nächsten Flüchtlingswelle Schutz geben kann, sollte es sich auf die Afghaninnen beschränken. Denn die sind in der höchsten Not.“

13.08 Uhr: Sonderkonferenz der EU-Außenminister am Dienstagnachmittag

Die Außenminister der EU-Länder kommen angesichts der faktischen Machtübernahme der Taliban in Afghanistan am Dienstagnachmittag zu einer außerordentlichen Videokonferenz zusammen. Das kündigte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell am Montag auf Twitter an. Die Ministerinnen und Ministerinnen sollen demnach eine erste Bewertung der Lage vornehmen. „Afghanistan steht an einem Scheideweg“, schrieb Borrell zudem. Die Sicherheit und das Wohlergehen der Afghaninnen und Afghanen sowie die internationale Sicherheit stünden auf dem Spiel.

12.37 Uhr: AfD-Chef Meuthen spricht sich für Aufnahme afghanischer Ortskräfte und Angehöriger aus

AfD-Co-Chef Jörg Meuthen hat sich für die Aufnahme afghanischer Ortskräfte und deren Angehöriger in Deutschland ausgesprochen. „Ja, wir haben eine moralische Pflicht, nach Maßgabe unserer Möglichkeiten nun auch jene Afghanen zu retten, die unmittelbar für uns gearbeitet haben und nun in äußerster Lebensgefahr sind“, schrieb Meuthen am Montag bei Facebook. Das gelte selbstverständlich auch für deren Angehörige, die ansonsten von den Taliban „per Sippenhaft gefoltert, missbraucht und getötet“ würden. Afghanen, die sich für die deutsche Mission eingesetzt hätten, müssten „aufgrund des Versagens des Westens nun auch nach Deutschland kommen können“.

AfD-Spitzenkandidatin und Fraktionschefin Alice Weidel äußerte sich ebenfalls bei Facebook. Auf das Thema Ortskräfte ging sie dabei nicht ein. Weidel forderte mit Blick auf eine mögliche Flüchtlingsbewegung eine Aussetzung des Asylrechts. Eine Migrationswelle aus Afghanistan stehe bevor. Deutschland sei weit davon entfernt, „die negativen Auswirkungen der Grenzöffnung von 2015“ bewältigen zu können. „Wir müssen zuerst an die Sicherheit der deutschen Bürger denken. Das Asylrecht muss daher ausgesetzt, die Grenzen geschützt und Migranten ohne Einreiseerlaubnis zurückgewiesen werden“, schrieb Weidel.

12.34 Uhr: Verteidigungsausschuss plant Sondersitzung am Mittwoch

Nach der faktischen Machtübernahme der islamistischen Taliban in Afghanistan soll sich sich der Verteidigungsausschuss des Bundestags noch diese Woche zu einer Sondersitzung treffen. Die Obleute des Gremiums seien sich einig, dass dies vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen und des Evakuierungseinsatzes der Bundeswehr zeitnah notwendig sei, heißt es in einem Schreiben des Vorsitzenden Wolfgang Hellmich (SPD) an Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU), das der Deutschen Presse-Agentur vorlag. Als Termin für die Sitzung komme dieser Mittwochmittag (13.00 Uhr) in Betracht, hieß es.

Ebenfalls für Mittwoch ist nach dpa-Informationen bereits am Vormittag (11.30 Uhr) eine Sitzung des Auswärtigen Ausschusses geplant.

Außenminister Heiko Maas (SPD) berief angesichts der noch unübersichtlichen Lage nach dem Einmarsch der extremistischen Aufständischen für diesen Montagnachmittag ein weiteres Mal den Krisenstab der Bundesregierung ein. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sagte für diese Woche alle Termine wegen der Lage in Afghanistan ab.

12.22 Uhr: Wut auf Präsidenten Ghani in den Sozialen Medien

Wie die Tagesschau berichtet, entlädt sich die Wut auf den afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani derzeit in den Sozialen Medien. Nachdem die Taliban die Macht in Kabul übernahmen, flüchtete dieser und verließ das Land. Viele Menschen teilten sein Bild und versahen es mit üblen Schimpfworten. Eine afghanische Sängerin schrieb unter anderem bei Facebook, er habe Afghanistan zerstört, dem Land die Sicherheit genommen und dem Feind übergeben.

12.18 Uhr: Luftwaffe schickt weitere Flugzeuge nach Kabul

Für den Evakuierungs-Einsatz in Kabul hat die Luftwaffe weitere Transportflugzeuge in Richtung Afghanistan entsandt. Seit dem Morgen seien nun insgesamt drei Maschinen in Richtung Kabul unterwegs, sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums am Montag in Berlin. Die A400M-Maschinen sollen deutsche Bürger und einheimische Ortskräfte aus Kabul ausfliegen.

Die Luftwaffen-Flugzeuge sollen eine Luftbrücke zwischen Kabul und der Hauptstadt des Nachbarlands Usbekistan, Taschkent, errichten. In Taschkent sollen dann zivile Chartermaschinen die Ausgeflogenen abholen und nach Deutschland bringen.

10.58 Uhr: Schockierende Videos vom Flughafen Kabul - Menschen hängen verzweifelt am Flugzeug

Erschreckende Videos vom Flughafen der afghanischen Hauptstadt. Hunderte Menschen wollen aus Todesangst vor den Taliban fliehen. Verzweifelt versuchen sie in schon völlig überfüllte Flugezuge zu klettern, wie jetzt beispielsweise ein Video bei Twitter der BBC-Journaiistin Nicola Careem beweist. Teilweise hängen die Menschen nur am Treppengeländer.

Ein weiteres Video zeige, dass Menschen auch noch beim Abflug am Flugzeug hängen. Als das Flugzeug schon am Himmel ist, stürzen sie offenbar in die Tiefe. Es wurde gemutmaßt, dass die Menschen sich im Bereich der Flugzeugräder der Militärmaschine versteckt hatten. Diese Angaben konnten bislang nicht unabhängig verifiziert werden.

Ein Mann, der in der Nähe des Flughafens lebt, schrieb der Deutschen Presse-Agentur auf Facebook, auf einem benachbarten Dach sei eine dieser Personen gelandet. Es habe gekracht, als habe es eine Explosion gegeben, schrieb der Mann. Er teilte Bilder und Videos der Leiche und sagte noch drei weitere Männer seien in der Nachbarschaft gefunden worden.

10.14 Uhr: Deutscher Caritas-Büroleiter in Kabul: „Natürlich große Angst“

Zwanzig Jahre nach dem Ende ihres Schreckensregimes haben die Taliban erneut die Macht in Afghanistan übernommen. „Der Krieg ist vorbei“, sagte Taliban-Führer Mohammed Naim dem TV-Sender Al Dschasira. Taliban-Kämpfer kontrollierten am Montag alle Polizei-Checkpoints in Kabul. Der Leiter des Kabuler Büros von Caritas International, Stefan Recker, sieht für sich selbst keine Gefahr durch die Machtübernahme, äußerte im WDR5-„Morgenecho“ aber Sorge um seine nationalen Teammitglieder.

Viele seiner Mitarbeitenden gehörten ethnischen beziehungsweise religiösen Minderheiten an, sagte Recker, der seit 2014 in Kabul ist. Sie hätten „natürlich große Angst“ und wüssten nicht, wie es weitergehe. Der Machtübergang wird seiner Ansicht nach allerdings „relativ friedlich“ verlaufen. Unklar sei, wie es dann weitergehe. Es komme darauf an, welche Fraktion sich durchsetze. „Wir sehen aus Europa heraus Taliban immer als eine homogene Gruppe - das sind sie nicht“, unterstrich Recker. „Es gibt da ganz verschiedene Strömungen.“

„Momentan sind natürlich alle unsere Projekte hier in Kabul auf Eis“, erklärte Recker. In den Provinzen liefen die Projekte teilweise weiter. „Die Taliban sind da sehr sehr empfänglich für Hilfsmaßnahmen“, sagte er. „Sie haben uns aktiv gebeten, die Hilfsmaßnahmen durch unsere Partner fortzusetzen.“

Am Sonntag hatten die Aufständischen den Präsidentenpalast in Kabul eingenommen, nachdem Staatschef Aschraf Ghani aus Afghanistan geflohen war. Derweil lief die Evakuierung deutscher Staatsbürger und örtlicher Bundeswehr-Helfer an. Im niedersächsischen Wunstorf startete am Montag ein erstes Bundeswehr-Transportflugzeug vom Typ A400M nach Kabul.

10.05 Uhr: Afghanische Medien senden nur noch sehr eingeschränkt

Afghanische Medien und Fernsehsender arbeiten seit der Übernahme der Hauptstadt Kabul durch die militant-islamistischen Taliban nur noch sehr eingeschränkt. Die beliebten Fernsehkanäle ToloNews oder Ariana etwa senden nicht mehr live. Am Sonntag bereits zeigten sie praktisch nur Wiederholungen.

09.05 Uhr: Drei Menschen am Flughafen erschossen

Die Lage in Afghanistan spitzt sich weiter zu. Nachdem das US-Militär am Flughafen Schüsse in die Luft gefeuert hatte, um Menschen davon abzuhalten, das Rollfeld zu stürmen, berichtet das „Wall Street Journal“ nun, dass drei Menschen am Flughafen erschossen wurden. Ob ein Zusammenhang zwischen beidem besteht, ist unklar. Wie es heißt, starben die drei Opfer vor dem Terminal des „Hamid Karzai International Airport“.

Auch die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unter Berufung auf Augenzeugen, dass fünf Menschen gestorben seien, als Hunderte versucht hatten, ein Flugzeug zu stürmen. Ein Zeuge sagte demnach, er habe gesehen, wie die Leichen abtransportiert worden seien. Ein anderer Zeuge habe gesagt, es sei unklar, ob die Menschen erschossen wurden, oder in einer Massenpanik zu Tode getrampelt wurden.

07.51 Uhr: US-Soldaten schießen am Flughafen von Kabul in die Luft

US-Soldaten haben am Flughafen von Kabul Schüsse in die Luft abgegeben, um eine riesige Menschenmenge auf dem Rollfeld unter Kontrolle zu bringen. „Ich habe sehr viel Angst. Sie feuern viele Schüsse in die Luft“, sagte ein Zeuge der Nachrichtenagentur AFP am Montag. Nach der Einnahme von Kabul durch die radikalislamischen Taliban haben sich Tausende Afghanen in der Hoffnung auf eine Möglichkeit zur Flucht am Flughafen versammelt.

Auch die USA, Deutschland und weitere westliche Staaten haben Staatsbürger und Botschaftspersonal an den Flughafen gebracht, um sie von dort auszufliegen. 67 Länder, darunter auch Deutschland, forderten die Taliban in einer Erklärung auf, alle ausreisewilligen Afghanen und Ausländer ausreisen zu lassen.

06.23 Uhr: Erste deutsche Staatsbürger evakuiert

Die Evakuierung deutscher Staatsbürger aus der afghanischen Hauptstadt Kabul hat begonnen. In der Nacht zu Montag landeten nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur 40 Mitarbeiter der deutschen Botschaft mit einem US-Flugzeug in Doha im Golfemirat Katar. An Bord der Maschine waren auch vier Angehörige der Schweizer Vertretung in Afghanistan.

06.02 Uhr: Taliban nehmen Kabul ein und haben Präsidentenpalast unter Kontrolle

Die militant-islamistischen Taliban hatten in den vergangenen Tagen in einem rasanten Tempo eine Stadt nach der anderen teilweise kampflos eingenommen, waren am Sonntag auch in die Hauptstadt Kabul eingedrungen und haben bereits den Präsidentenpalast in ihrer Kontrolle. Die Bundesregierung hatte angesichts der dramatischen Lage am Freitag entschieden, das Botschaftspersonal auf ein Minimum zu reduzieren. Am Sonntag wurden alle Mitarbeiter zum Flughafen gebracht, der von tausenden US-Soldaten abgesichert wird.

15. August 2021

22.50 Uhr: Chaotische Szenen in Kabul

In Kabul spielten sich am Sonntag chaotische Szenen ab. Es kam zu einer Schießerei vor einer Bank, wie ein Bewohner der Stadt sagte. Viele Menschen versuchten, ihr Erspartes abzuheben und Lebensmittel zu kaufen. Ein Soldat aus Kabul sagte, seine gesamte Einheit habe die Uniformen abgelegt.

Ein Bewohner des Viertels Kart-e Tschar sagte am Abend, die Islamisten seien bereits im lokalen Polizeihauptquartier. In der Nacht berichteten mehrere Bewohner Kabuls von vereinzelten Schüssen, die sie hörten. Viele Menschen hatten sich zuhause verbarrikadiert.

Der britische Premierminister Boris Johnson warnte westliche Staaten davor, die Taliban ohne vorherige Absprache als neue Regierung Afghanistans anzuerkennen. Johnson sagte nach einer Sitzung des nationalen Sicherheitskabinetts, es sei „sehr wichtig, dass der Westen zusammenarbeitet, um dieser neuen Regierung – ob es Taliban sind oder jemand anderes – klarzumachen, dass niemand will, dass Afghanistan wieder zur Brutstätte für Terrorismus wird“.

Albanien und Kosovo wollen vorübergehend afghanische Flüchtlinge aufnehmen, die nun in ihrem Land gefährdet sind. Man komme damit einer Bitte der USA nach, erklärten der albanische Ministerpräsident Edi Rama und die kosovarische Staatspräsidentin Vjosa Osmani auf Facebook. Es gehe darum, Flüchtlinge aufzunehmen, die später in die USA gebracht werden sollen.

22.34 Uhr: USA räumen Botschaft – Taliban versuchen Furcht vor Chaos und Gewalt zu zerstreuen

Nur wenige Tage nach dem Abzug der NATO-Truppen haben die Taliban große Teile des Landes besetzt. Hier die wesentlichen Ereignisse des Tages:

Nach dem rasanten Eroberungszug der Taliban in Afghanistan ist Präsident Aschraf Ghani ins Ausland geflohen. Derweil rückten am Sonntagabend Talibankämpfer in die Millionenmetropole Kabul ein und besetzten auch den Präsidentenpalast.

Dutzende bewaffnete Kämpfer der Miliz übernahmen die Kontrolle über den Präsidentenpalast in der afghanischen Hauptstadt, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. „Unser Land wurde befreit und die Mudschaheddin haben in Afghanistan gesiegt“, sagte einer von ihnen dem TV-Sender Al-Dschasira.

Die Bundesregierung beginnt angesichts der brisanten Lage unter Hochdruck mit der Evakuierung des Personals der deutschen Botschaft. Die ersten Angehörigen sollten noch am Sonntag ausgeflogen werden, kündigte Außenminister Heiko Maas (SPD) an. Die Botschaft in Kabul wurde zunächst dichtgemacht, die Mitarbeiter wurden zum militärischen Teil des dortigen Flughafens gebracht.

USA räumen ihre Botschaft. US-Außenminister Antony Blinken verteidigte erneut den Truppenabzug, räumte allerdings ein, dass auch die USA von den Ereignissen überrascht worden seien.

Die Taliban versuchten, die Furcht der Bevölkerung vor Chaos und Gewalt zu zerstreuen. Suhail Schahin, ein Unterhändler bei den Gesprächen mit der afghanischen Regierung in Katar, erklärte dem britischen Fernsehsender BBC: „Wir versichern den Menschen (...) in der Stadt Kabul, dass ihr Hab und Gut und ihre Leben sicher sind.“ Es werde „keine Rache an irgendjemandem“ geben.

Am Abend teilten die Taliban in einer weiteren Erklärung mit, sie hätten Berichte erhalten, dass Polizeistationen und Ministerien verlassen worden seien. Die Sicherheitskräfte seien geflohen. Um Plünderungen zu verhindern oder damit anderen Menschen kein Schaden zugefügt werde, habe die Taliban-Führung ihre Kämpfer angewiesen, jene Gebiete zu betreten, aus denen der Feind geflohen sei.

22.13 Uhr: Grünen-Fraktionschef kritisiert Afghanistan-Politik

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter hat sich entgeistert gezeigt über den Umgang der Bundesregierung mit dem Vormarsch der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan. „Man muss sich fragen, warum die Bundesregierung so überrascht wirkt vom schnellen Vorstoß der Taliban“, sagte Hofreiter am Sonntagabend der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Die Bundesregierung müsse jetzt ganz schnell handeln.

„Es ist unverständlich, warum nicht schon spätestens vor einer Woche Leute aus Afghanistan herausgeholt worden sind mit der Möglichkeit, Visa erst in Deutschland auszustellen“, sagte Hofreiter. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte am Freitag erklärt, er wolle die Einreise afghanischer Ortskräfte erleichtern und ihre Identität notfalls erst auf deutschem Boden überprüfen lassen. „Wenn die Klärung der Identität und die Erteilung der Visa in Afghanistan nicht möglich ist, kann sie in Deutschland durchgeführt werden“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“.

21.36 Uhr: US-Präsident Joe Biden spricht mit Beratern über Lage in Afghanistan

US-Präsident Joe Biden hat sich mit seinem nationalen Sicherheitsteam über die aktuelle Sicherheitslage in Kabul ausgetauscht. Dabei sei es um die Evakuierung des zivilen Personals, afghanischer Helfer und anderen Verbündeten aus Afghanistan gegangen, hieß es am Sonntagnachmittag (Ortszeit) auf dem Twitter-Account des Weißen Hauses.

Auch Vize-Präsidentin Kamala Harris war demnach bei der Videoschalte dabei. Biden hält sich aktuell in Camp David, dem Landsitz des US-Präsidenten im US-Bundesstaat Maryland auf. Weitere Details zu der Videoschalte waren zunächst nicht bekannt. Es war auch unklar, ob sich Biden am Sonntag noch öffentlich zu den aktuellen Ereignissen äußern wird.

Berichten zufolge hat US-Generalstabschef Mark Milley bei einem Telefonat mit Senatoren davor gewarnt, dass sich terroristische Gruppen wie Al Kaida in Afghanistan deutlich schneller wieder formieren könnten als erwartet. Das berichteten der Sender CNN und das Nachrichtenportal Axios am Sonntag übereinstimmend unter Berufung auf Teilnehmer.

Bei dem Telefongespräch zwischen hochrangigen Vertretern der Regierung und Senatoren beider Parteien soll Außenminister Antony Blinken auch erneut die Abzugspläne verteidigt haben. „Wir verfügen über erhebliche Kapazitäten, um einer wieder aufkommenden terroristischen Bedrohung aus Afghanistan zu begegnen, und werden diese auch beibehalten“, hatte er am Sonntagmorgen im Interview mit dem Sender NBC gesagt.

20.47 Uhr: Bundeswehr evakuiert deutsche Staatsbürger

Die Bundeswehr schickt in der Nacht zu Montag die ersten Transportflugzeuge vom Typ A400M nach Afghanistan, um deutsche Staatsbürger aus der Hauptstadt Kabul zu evakuieren. Die Maschinen würden vom Militärflughafen Wunstorf in der Nähe von Hannover aus starten, sagte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) am Sonntag dem Fernsehsender n-tv. Von dort würden die Maschinen unter anderem das Personal der deutschen Botschaft in ein „Drittland“ ausfliegen, das sie nicht nannte. Dort werde eine „Drehscheibe“ eingerichtet, von der aus es dann eine „Luftbrücke“ nach Deutschland geben werde. Der Transport aus dem Drittland nach Deutschland erfolge mit zivilen Maschinen.

Auch afghanische Ortskräfte, die früher für die Bundeswehr oder Bundesministerien gearbeitet haben oder jetzt noch arbeiten, sollen nach Deutschland gebracht werden. Abgesichert werde die Evakuierung von der Division Schnelle Kräfte, einer Spezialeinheit der Bundeswehr, die für Evakuierungen ausgebildet ist. „Wir sind auf alle Szenarien eingerichtet“, betonte Kramp-Karrenbauer (CDU). „Es ist ein gefährlicher Einsatz, in den wir sie jetzt schicken.“

Wie viele Maschinen nach Kabul starten, sagte Kramp-Karrenbauer nicht. Die Militärmaschinen können 114 Personen transportieren. Angesichts des rasanten Vormarsches der Taliban ist das Personal der Botschaft aus Sicherheitsgründen bereits zum Flughafen gebracht worden, der von US-Streitkräften abgesichert wird.

19.44 Uhr: Früher Präsident bildet Koordinierungsrat für friedliche Übergabe

Nach der Flucht des Präsidenten Aschraf Ghani aus Afghanistan ist nach Angaben des früheren Präsidenten Hamid Karsai ein Koordinierungsrat für eine friedliche Übergabe der Macht gebildet worden. Das teilte Karsai am Sonntag auf Facebook mit. Um Chaos angesichts des Vormarschs der islamistischen Taliban zu vermeiden, das Leiden der Menschen zu verringern und sich um Themen rund um Frieden zu kümmern, sei dieser Rat gebildet worden. Ihm gehörten der Vorsitzende des Nationalen Versöhungsrates, Abdullah Abdullah, der ehemalige Kriegsfürst Gulbuddin Hekmatjar und er selbst an.

Der Rat bitte die Sicherheitskräfte der Regierung und die Sicherheitskräfte der Taliban, Zusammenstöße und Chaos zu vermeiden. Nach dem rasanten Eroberungszug der Taliban war Präsident Aschraf Ghani am Sonntagabend (Ortszeit) aus dem Land geflogen. Abdullah Abdullah hatte dies in einer Videobotschaft bestätigt und gleichzeitig kritisiert. Der „Ex-Präsident“ habe in dieser Situation das Land verlassen, und Gott möge ihn zur Rechenschaft ziehen, sagte Abdullah weiter. Auch das Volk werde über ihn richten.

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Ghanis Vizepräsident Amrullah Saleh erklärte, er wolle nicht mit dem militant-islamistischen Taliban zusammenarbeiten. Er werde sich nie den Taliban beugen, schrieb Saleh auf Twitter. Berichten zufolge floh Saleh ins Pandschir-Tal – wie viele weitere Sicherheitskräfte auch. Die Provinz Pandschir stand bis zuletzt unter vollständiger Kontrolle der Regierung. Die Taliban hatten diese auch wegen ihrer besonderen geografischen Lage auch während ihrer Herrschaft 1996 bis 2001 nicht einnehmen können.

16:31 Uhr: Präsident flieht aus Afghanistan

Angesichts des Vormarsches der militant-islamistischen Taliban hat der afghanische Präsident Aschraf Ghani das Land verlassen. Das sagte der Vorsitzende des Nationalen Rats für Versöhnung, Abdullah Abdullah, in einer auf Facebook veröffentlichten Videobotschaft.

10.37 Uhr: Verhandlungen über friedlichen Einmarsch nach Kabul

Die militant-islamistischen Taliban haben ihre Kämpfer angewiesen, nicht in die Hauptstadt Kabul vorzudringen. Sie sollten vielmehr an den Toren der Stadt Stellung beziehen, heißt es in einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung der Islamisten.

+++ Afghanistan: Wegen Vorrücken der Taliban – damit beginnt die Bundeswehr am Montag +++

Da die Hauptstadt Kabul eine große und dicht besiedelte Stadt sei, beabsichtigten die Taliban nicht, die Stadt mit Gewalt oder Krieg zu betreten. Man wolle vielmehr mit der anderen Seite über einen friedlichen Einmarsch in Kabul verhandeln.

Die Erklärung wurde während unbestätigter Berichte in sozialen Medien veröffentlicht, dass Taliban-Kämpfer bereits in die Stadt vorgedrungen seien. In Kabul spielten sich chaotische Szenen ab. Es kam zu einer Schießerei vor einer Bank, wie ein Bewohner der Stadt sagte. Viele Menschen versuchten, ihr Erspartes abzuheben, Lebensmittel zu kaufen und zu ihren Familien heimzukehren. Ein Soldat aus Kabul sagte, seine gesamte Einheit habe die Uniformen abgelegt. (dpa/afp)