Afghanistan: Brutal ehrliche Worte im ZDF-„heute journal“ – Zuschauer: „Es macht so wütend“

ZDF-Chefredakteur Peter Frey rechnet im „heute journal“ mit der Afghanistan-Politik ab.
ZDF-Chefredakteur Peter Frey rechnet im „heute journal“ mit der Afghanistan-Politik ab.
Foto: Screenshot ZDF Mediathek

Schonungslose Abrechnung mit der Afghanistan-Politik der Bundesregierung, der USA und der Nato. In einem aufsehenerregenden Kommentar redete ZDF-Chefredakteur Dr. Peter Frey Klartext.

Am Sonntagabend, kurz nach dem Fall Kabuls in die Hände der Taliban, zog Peter Frey im ZDF-„heute journal“ ohne Nachsicht Bilanz über den Afghanistan-Einsatz und den überstürzten Rückzug aus dem Land.

Afghanistan: Brutal ehrliche Worte im ZDF-„heute journal“ – Zuschauer: „Hat mir aus der Seele gesprochen“

„Das Scheitern kommt schneller als es Politiker und Diplomaten für möglich gehalten haben“, so Frey. Nun sei wieder der „Steinzeit-Islam“ der Taliban in Afghanistan zurück.

Dann fällt Frey sein hartes Urteil: „Der Westen, das muss man heute so hart sagen, hat alle verraten, die an Demokratie und Gleichheit der Geschlechter, an Bildung für Mädchen, an Musik, Tanz und Lachen geglaubt haben.“

Kommentar im „heute-journal" (ZDF): „Schmerzhafte Niederlage des Westens“

Sämtliche Milliarden-Investitionen in das Land und die Opfer des militärischen Einsatzes seien umsonst gewesen. Es sei „eine schmerzhafte Niederlage des Westens“, ein „würdeloses Ende“ sowie eine Einladung an Russland, an China, an Indien und Pakistan, das Vakuum zu füllen“.

Zum politisch-militärischen Versagen komme ein „schmerzhaftes moralisches“ hinzu, wenn man nun die Ortskräfte und deren Familien im Stich lasse.

+++ News-Ticker zur Lage in Afghanistan +++

Sollte es stimmen, dass Deutschlands Sicherheit tatsächlich auch am Hindukusch verteidigt wird, „dann steht es um unsere Sicherheit seit heute schlechter“, so Frey zum Abschluss.

ZDF-Zuschauer: „Das erste ehrliche Statement"

Der Kommentar schlägt Wellen im Netz und viele stimmen dem ZDF-Chefredakteur zu. Einige Reaktionen in der Kommentarspalte auf Facebook:

  • „Danke. Peter Frey hat mir aus der Seele gesprochen: VERRAT. Was für ein dramatisches Versagen der westlichen Regierungen. 20 Jahre in Afghanistan, und dann sowas. Es macht mich so wütend, wie wir die afghanische Bevölkerung nach 20 Jahren im Stich lassen.“
  • „Verrat. Damit ist es richtig benannt. Von wegen Schutz der Menschenrechte.“
  • „Das erste ehrliche Statement, das wie eine Brandrede klingt. Traurig aber wahr.“
  • „Vielen Dank für den hervorragenden Kommentar und die messerscharfe Analyse von Peter Frey im heute-journal. Wir können nur beschämt sein, wie man nach 20 Jahren so ein inkompetentes Desaster fabrizieren kann.“

Einige ZDF-Zuschauer merken allerdings an, dass Veränderung auch von innen kommen und die Afghanen selbst Verantwortung hätten übernehmen müssen, um eine erneute Machtergreifung der Taliban auch ohne Rückendeckung internationaler Truppen zu verhindern. „Verraten haben sich die Afghanen selbst“, heißt es in einer kritischen Antwort auf Freys Kommentar.

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