Treffen der Schwermetaller in Duisburg
29.06.2009 | 15:05 Uhr 2009-06-29T15:05:00+0200
Duisburg. Harte Schale, harter Kern? Tausende Schwermetaller trafen sich beim Devilside-Festival in Duisburg um Bands wie The Bones, Sepultura, Motörhead und Anthrax spielen zu hören.
Wenn sich tausende „Schwermetaller” zu einem „teuflischen” Festival in einem Stahlwerk versammeln, mutet das Szenario düster, zornig manchmal sogar bösartig an – auf den ersten Blick.
Die zwei einander gegenüberliegenden Bühnen heißen Höllen- und Teufelsbühne. In der Masse der Heavy-Metal-, Hardcore- und Punkfans, die sich gestern beim „Devilside-Festival” im Duisburger Landschaftspark einfindet, sind Band-T-Shirts mit Aufschriften, die übersetzt soviel bedeuten wie „Fleischfresser”, „Kanibalen-Corps” oder „Milzbrand”, keine Seltenheit.
Es wird hart
Doch was steckt unter diesen T-Shirts? Unter den schweren, leicht muffigen Lederjacken. Hinter den Totenköpfen auf den löchrigen in Springerstiefeln endenden Strumpfhosen der Damen mit pink gefärbten Haaren?
Harte Schale, harter Kern? Jens Peters schüttelt den Kopf – mal wieder, denn zum Headbangen ist er her gekommen: „Diejenigen, die am schlimmsten aussehen, sind meistens die liebsten Kerle”, sagt einer der sich auskennt. Selbst ist der Programmierer Gitarrist in der Möllener Hardcore-Gruppe „The Honk” und „zwei bis dreimal im Monat” geht er auf Konzerte. Manchmal meutert die Freundin, aber was will man machen – gegen einen Kerl, der für jeden Tag im Jahr ein anderes Band-T-Shirt im Schrank liegen hat? Diesmal sind „The Quees” angesagt – die Schwulen. „Passt eigentlich nicht so ganz zu einem Devilside-Festival”, gibt Peters zu. Eines der Vorurteile gegenüber der Metal-Szene kann er aber mit Blick auf seinen Liter-Becher Bier um elf Uhr vormittags nicht von der Hand weisen: „Es wird hart heute.”
Mehr als kotzen und pinkeln
Alf und Tina schließen sich da an. Das Ehepaar aus Krefeld gehört der zur älteren Rockerszene. Schwarzes Motörhead-T-Shirt, ranzige Lederweste, langes, leicht ergrautes Haar. „Saufen und Party” sind Alfs erste Gedanken, wenn es um Metal-Festivals geht. Der Bierbauch des vollbärtigen Mittfünfzigers erzählt davon. Seit vielen Jahren sind die beiden dabei. „Sogar unsere vier Kinder kommen schon mit”, so Mutter Tina. „Es sei denn, sie fangen an Hip-Hop zu hören”, ergänzt Alf, „dann dürfen sie nicht mit”. Rapper sind für den Industriemechaniker „Partytouristen.” Seine Frau, Sozialpädagogin von Beruf, hebt das Gemeinschaftsgefühl in der Szene hervor: „Über Jahre haben sich Freundschaften entwickelt. Wo immer wir waren, ging es friedlich zu. Beim Metal herrscht ein größerer Respekt voreinander, als beispielsweise beim Techno.” Alf sieht den oft negativen Touch auch in der medialen Berichterstattung begründet: „Metal ist mehr als kotzen und in die Ecke pinkeln.”
Ein kleines Grüppchen von Teenagern kommt vorbei – darunter ein Mädchen im Blümchenhemd. Blümchenhemd? Meike ist eher wegen der nicht ganz so brachialen Bloodhound Gang da. Aber auch die härtere Gangart will sie sich anhören: „Sonst wären wir ja nicht hier.” Im Gegensatz zu Freundin Felicitas, die nur „Mitläufer” ist und bei den ersten Riffs von „Anthrax”– dem Milzbrand – ein wenig ängstlich dreinblickt, hat sie sich keine der verpönten Ohrenstöpsel für die vielen selbsternannten lautesten Bands der Welt besorgt. „Wir sind hart”, lacht Meike.
Mittlerweile sind alle Familienväter
Hart scheint auch Frank zu sein. Muskulös, komplett tätowiert, coole Sonnenbrille, geschorenes Haar, Ohrringe zu beiden Seiten. Hardcore ist sein Ding. „Früher habe ich in einer Band gespielt. War schon mit Anthrax auf Festivals.” Er nimmt einen Schluck Bier: „Inzwischen hat sich die Band aufgelöst. Wir haben alle Tontechnik studiert und sind Familienväter. Mehr als zwei Festivals im Jahr erlauben meine einjährige Tochter und mein siebenjähriger Sohn nicht mehr.”
So ist das mit fleischfressenden Schwermetallern, die sich auf einem teuflischen Festival im Stahlwerk treffen.
12:58
schade, ich war nicht da schmüff.. aber frage an die redaktion:
warum zeigt ihr nen punk, auch wenn der schön wild aussieht, es ging doch um metal?