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Essen: Schnelltest-Missbrauch vor Ikea? Recherche deckt auffällige Vorgänge auf

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Essen. 

Corona-Schnelltests sind ein gutes Geschäft für Betreiber. Denn wer eine Teststelle hat, der bekommt pro erfolgten Bürgertest Geld von den Kassenärztlichen Vereinigungen – auch wenn der Test für Getestete selbst kostenlos ist.

Dabei hat eine Recherche jetzt auffällige Vorgänge unter anderem in Essen aufgedeckt. Kommt es etwa zu einem Schnelltest-Missbrauch vor Ikea in Essen?

Essen: Kommt es zu einem Schnelltest-Missbrauch vor Ikea?

Pro Bürgertest können die Teststellen rund 18 Euro abrechnen. Dafür müssen sie keine Namen und Anschrift der Getesteten übermitteln, dürfen das auch gar nicht. Zudem müssen sie nicht mal nachweisen, dass sie überhaupt solche Schnelltests gekauft haben. Vielmehr reicht es aus, wenn sie den Kassenärztlichen Vereinigungen lediglich die blanke Zahl der Getesteten nennen – ohne jeglichen Beleg.

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Dass dabei nicht alles mit rechten Dingen zugeht, lässt sich erahnen. WDR, NDR und die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) haben sich mehrere Standorte eines der größten deutschen Teststellenbetreibers, der MediCan GmbH, genauer angeschaut, wie die „Tagesschau“ berichtet.

Der Besitzer von MediCan ist kein Unbekannter: Oguzhan Can. Er ist Immobilienunternehmer und war bis 2019 auch Aufsichtsratschef des Fussball-Regionalligisten Wattenscheid 09. Jetzt führt er Testzentren in ganz Deutschland – 54 in der Anzahl. Eines davon befindet sich in Münster Gievenbeck. Vor Ort zählten die Reporter am 14. Mai gut 100 Personen. MediCan meldete dem NRW-Gesundheitsministerium für diesen Tag aber 422 Bürgertests.

In der Folgewoche zählten die Reporter an einer Teststelle, einem MediCan-Bus, im Kölner Stadtteil Marsdorf rund 80 Personen, während das Unternehmen für diesen Tag 977 erfolgte Tests meldete. Am 22. Mai zählten die Reporter die getesteten Personen vor einem Ikea in Essen. Obwohl die Teststelle erst um 10 Uhr öffnet, begann MediCan schon 20 Minuten vorher mit den Test-Abstrichen.

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Das ist die Stadt Essen:

  • geht auf das vor 850 gegründete Frauenstift Essen zurück
  • 582.760 Einwohner, neun Stadtbezirke und 50 Stadtteile, viertgrößte Stadt in NRW
  • seit 1958 Sitz des neugegründeten Bistums Essen
  • Wahrzeichen unter anderen: Zeche Zollverein, Villa Hügel, Grugapark Essen
  • war 2010 Kulturhauptstadt Europas und 2017 Grüne Hauptstadt Europas
  • Oberbürgermeister ist Thomas Kufen (CDU)

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Dort zählten die Reporter an diesem Tag etwa 550 Menschen. Gemeldet wurden für diesen Tag aber 1743 Bürgertests. Bei den hohen Zahlen handelte es sich nicht um eine Ausnahme. Denn auch an den Tagen zuvor und danach gab MediCan ähnlich hohe Testzahlen an das Ministerium weiter.

Essen: MediCan rechnet Tests angeblich zusammen – Städten dementieren Absprache

MediCan-Inhaber Can erklärt dazu: „Die Testzahlen stimmen im Ganzen, aber nicht auf die einzelnen Standorte bezogen.“ Das liege daran, dass „die Testungen in einigen Städten mit mehreren Standorten auch zusammengefasst übermittelt werden“. Dies erfolge „in Absprache mit den Behörden“.

Doch die Stadt Münster bestätigt diese Aussagen nicht. Dort hat MediCan zwei Teststellen – und für beide meldet das Unternehmen hohe Zahlen. Eine erfolgte Absprache, Zahlen aus dem einen Standort bei dem anderen draufzuschlagen, weist die Stadt Münster zurück. „Diese Absprache gibt es nicht“, sagt der Sprecher des Oberbürgermeisters. Und weiter: „Der Teststellenbetreiber hat über dieses Vorgehen informiert, welches dann vom Gesundheitsamt umgehend abgelehnt worden ist.“

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Auch die Stadt Essen sowie die Stadt Köln dementieren eine solche Absprache. In Köln ist eine Übertragung der Zahlen auf andere Standorte sogar ausdrücklich verboten. Die Frage, welche angeblich weiteren Teststandorte in Köln, Münster oder Essen hinzugezogen wurden, die dann die hohen Meldezahlen erklären könnten, ließ Can unbeantwortet. Jedoch hätten die dem Ministerium „gemeldeten Testzahlen nichts mit der KV Abrechnung zu tun“.

Unklarheiten auch bei Testergebnissen

Unklar sind auch die Testergebnisse bei den MediCan-Teststellen. Vom Standort Münster-Gievenbeck meldete das Unternehmen innerhalb einer Woche 3600 Bürgertests, die allesamt negativ ausfielen. Genauso sah es bei Ikea in Essen (12.199) und Köln Marsdorf (9200) aus: MediCan meldete nicht einen positiven Test.

Can erklärt dazu, dass es „seit ca. Anfang Mai sehr sehr wenige positive Tests“ gebe. „Wir sollten alle froh sein, dass die Inzidenzwerte in Deutschland zurückgehen“, so der MediCan-Chef. Dem internen Dashboard des NRW-Ministeriums zufolge war landesweit allerdings etwa jeder 350. Bürgertest positiv. Vergangenen Mittwoch fiel einer von 700 Tests positiv aus.

Gesundheitsministerium sind Missbrauchsfälle „nicht bekannt“

Vom Bundesministerium für Gesundheit heißt es hingegen, dass Fälle, bei denen Testzentren mehr Tests melden als tatsächlich durchgeführt werden, „nicht bekannt geworden“ seien. Wenn sich allerdings Anhaltspunkte für Abrechnungsbetrug ergeben, „können“ die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) die Fälle „prüfen“.

Anonyme Enthüllung bekräftigt Missbrauchsverdacht

Die Kassenärztlichen Vereinigungen selbst fühlen sich aber nicht zuständig. Von Abrechnungsbetrug hätten sie laut „Tagesschau“ auch noch nichts gehört. Unter der Hand und anonym räumt ein hochrangiger Funktionär jedoch ein: „Ich schätze, dass allein im Mai 50 bis 60 Millionen Bürgertests abgerechnet werden, also Kosten von rund einer Milliarde Euro entstehen. Aber im Sommer wird dieser Markt zusammenbrechen, weil dann niemand mehr so einen Test braucht. Am Ende wird man auf die Tests schauen wie auf die Masken: Die Politik brauchte ganz dringend große Mengen, es war Wildwest, viele Glücksritter und Betrüger drängten in den Markt und es gab keine vernünftige Kontrolle.“

Die Stadt Münster hat nach der Recherche von WDR, NDR und der „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) jedenfalls angekündigt, MediCan die Beauftragung für die dortigen Testcenter zu entziehen. (nk)

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