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Duisburg: Tafel kurz vor dem Aus – da kommen SIE: „Haben uns wirklich rausgerissen“

Warum heißt Duisburgs Stadtteil Marxloh eigentlich Marxloh?

Warum heißt Duisburgs Stadtteil Marxloh eigentlich Marxloh?

Die Tafel in Duisburg hat seit der Corona- und Ukraine-Krise schwer zu kämpfen. Neben Lebensmitteln und Geldern fehlt es auch an Ehrenamtlichen, die bei der Essensausgabe helfen.

Allerdings bemerkt der Leiter der Tafel Duisburg, Günter Spikofski, auch eine positive Entwicklung. Im Gespräch mit DER WESTEN will er seine Dankbarkeit für diejenigen ausdrücken, die den Karren noch einmal aus dem Dreck gezogen haben.

Duisburg: Tafel-Chef wird deutlich – ohne SIE wäre Schluss gewesen

Eine Einrichtung auf Spendenbasis ist vor allem von zwei Dingen abhängig: Spenden und Ehrenamtler. Und an beidem mangelt es zurzeit bei der Duisburger Tafel. Vor Corona haben hier noch 150 Menschen gearbeitet. „Am Tag des Lockdowns haben wir einen Großteil nach Hause geschickt“, erzählt Günter Spikofski. Und zwei Tage später waren es nur noch 30.

„Jetzt wird es langsam wieder besser“, entspannt sich der 62-jährige Leiter der Einrichtung. Aktuell hätte er auf knapp 130 Mitarbeiter aufstocken können. „Das ist ganz gut.“ Nach den Ferien und mit Blick auf die Vorweihnachtszeit würden sich zudem erfahrungsgemäß immer mehr Menschen melden. „Da ist die Hilfsbereitschaft und Spendenfreundlichkeit immer etwas größer.“ Er geht allerdings davon aus, dass diese in diesem Jahr „sehr viel kleiner ausfallen“ wird.

Duisburg: Tafel-Chef hat IHNEN alles zu verdanken – „Hätten den Laden dichtmachen können“

Besonders dankbar zeigt sich Herr Spikofski gegenüber einer Gruppe. „Fridays for Future haben uns wirklich rausgerissen“, seufzt er im Gespräch mit DER WESTEN. Die Aktionsgruppe hatte von der Mitarbeiterkrise gehört und daraufhin hatten sich einige als Ehrenamtler gemeldet. „Und dann standen die hier wirklich jeden Tag mit drei, vier, fünf, sechs Leuten auf der Matte und haben hier alles gemacht.“

Duisburg Tafel Chef Günter Spikofski
Günter Spikofski von der Tafel Duisburg ist für jeden neuen Ehrenamtler dankbar. Foto: Stefan Arend / FUNKE Foto Services

Und damit haben sie das Ruder noch einmal rumgerissen, ist sich der Tafel-Chef sicher. „Wenn die nicht dabei gewesen wären, dann hätten wir den Laden dichtmachen können.“ Darum wolle er auch ein „Loblied auf die jungen Leute“ singen. Denn tatsächlich wären längst nicht alle Ehrenamtlichen in seiner Einrichtung im Seniorenalter.

Duisburg: Tafel-Chef von DIESER Entwicklung überrascht – „Ziemlich klasse“

Überraschend stellt Herr Spikofski den Trend fest, dass sich immer mehr jüngere Menschen für die ehrenamtliche Arbeit bei der Tafel interessieren. Eine junge Frau überbrückt dort zurzeit die Phase zwischen Abi und ihrem Job im neuen Jahr, eine andere arbeitet in ihren Semesterferien neben dem Studium. „Davon gibt es schon einige“, erfreut sich der 62-Jährige. Auch einige von Fridays for Future arbeiten immer noch ehrenamtlich hier. Das findet er „ziemlich klasse“.

Im Gespräch mit anderen Tafel-Leitern bemerkt er diesen Trend überhaupt nicht. Zuletzt hatte er sich mit einem unterhalten, bei dem sonst nur 70-Jährige oder ältere mitarbeiten würden. Der erzählte: „Bei ihm hätte auch ein junger Mann angefangen, der wäre erst sechzig“, lacht Herr Spikofski herzlich.

Duisburg: Tafel mit Ukraine-Flüchtlingen überfordert – „Im Grunde genommen eine Katastrophe“

Mittlerweile seien auch viele Migranten bei der Tafel beschäftigt. Die Ehrenamtler stammen aus 22 unterschiedlichen Nationen, erzählt Herr Spikofski stolz. Unterrepräsentiert seien lediglich die Ukrainer, was auch ein großes Problem darstelle. „Unsere Buchhalterin ist Russlanddeutsche und das ist die einzige Frau, die die Sprache spricht.“ Eigentlich müsste er sie als Buchhalterin rausschmeißen und als Dolmetscherin anstellen, scherzt Herr Spikofski.

Doch dann wird er wieder ernst. „Es ist im Grunde genommen eine Katastrophe“. Bei dem großen Andrang ukrainischer Flüchtlinge hätte die Mitarbeiterin alle Handvoll zu tun. „Was die Kollegin hier schon zu leiden gehabt hat“, bedauert er.


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Mittlerweile sei es schon ruhiger geworden, doch zwischenzeitlich hätte das Telefon an die 120 Mal am Tag geklingelt. „Und wir haben hier keine Telefonzentrale.“ Nur zwei Ehrenamtlerinnen kümmern sich hier um die Anrufer. Und die müssen immer wieder das Gleiche sagen: „Tut uns leid, wir können nicht“. Denn die Tafel kann seit September keine neuen Kunden mehr aufnehmen. Den Grund dafür erfährst du im zweiten Teil des Interviews mit dem Duisburger Tafel-Chef.