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Duisburg: Inflation, Lebensmittelknappheit und Ukraine-Flüchtlinge – Tafel-Chef wird deutlich: „Können nicht alle unterstützen“

Warum heißt Duisburgs Stadtteil Marxloh eigentlich Marxloh?

Warum heißt Duisburgs Stadtteil Marxloh eigentlich Marxloh?

Es ist eine Katastrophe für die Tafel in Duisburg! Seit der Flüchtlingskrise werden die Hilfsangebote in der Stadt von Bedürftigen aus der Ukraine regelrecht überschwemmt.

Das hat seit Wochen heftige Konsequenzen für die Tafel in Duisburg. Die nimmt seit September keine Neukunden mehr auf. Wie hart diese Entscheidung war und was die Mitarbeiter und Ehrenamtler seither erleben, das erzählt der Chef der Einrichtung im Gespräch mit DER WESTEN.

Tafel Duisburg verhängt Aufnahmestopp – DAS bekommen Mitarbeiter zu hören

„Das ist wirklich die Herausforderung, dass hier jeden Tag wirklich 20 bis 30 Leute anrufen und wir denen sagen müssen, ‚tut mir leid, wir können nichts machen‘“, erklärt Günter Spikofski aus seinem Büro in der Gelderblomstraße heraus. Der 62-Jährige ist Chef der Duisburger Tafel und sitzt nur wenige Meter und zwei Wände von der Essensausgabe in Meiderich entfernt. „Wenn Sie bei der Tafel anrufen und nach Hilfe fragen, dann ist schon ziemlich Land unter.“

Darum sei es umso härter, den Hilfesuchenden absagen zu müssen. Besonders schlimm sei es für die Ehrenamtlichen, die täglich ans Telefon gehen. „Für die ist das eine Scheiß-Situation.“ Häufig würden die Anrufer auch nicht besonders nett auf die Absage reagieren. Neulich habe einer am Telefon gesagt, „wenn Sie mir nicht helfen, muss ich verhungern.“ Und das nehme die Mitarbeitenden ziemlich mit. Aber anders ginge es nun mal nicht mehr. „Das ist ein Drama.“

Duisburg Tafel Chef Günter Spikofski
Der Chef der Tafel von Duisburg, Günter Spikofski, sieht schwarz für das kommende Jahr. Foto: Stefan Arend / FUNKE Foto Services

4,5 Tausend ukrainische Flüchtlinge gibt es alleine in Duisburg. „Die können wir nicht alle unterstützen“, stellt Herr Spikofski realistisch fest. „Da wird uns spätestens nächstes Jahr noch unendlich viel bevorstehen.“

Duisburg: Tafel-Chef bemerkt erschreckende Entwicklung – „Nur ein Tropfen auf den heißen Stein“

„Wir sind immer auf der Suche nach Möglichkeiten“, erzählt der Tafel-Chef gegenüber DER WESTEN. So soll im Oktober in Zusammenarbeit mit den Grünen, eine zusätzliche Ausgabestelle eröffnet und hier in Meiderich am Montag ein weiterer Ausgabetag eingerichtet werden. Damit könne man sicherlich 50 zusätzlichen Haushalten helfen. Aber auch hier sieht der Tafel-Chef Grenzen. „Das ist ja immer nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“


Das ist die Tafel Duisburg:

  • trägt sich durch Spenden
  • Angefangen als Mittagstisch
  • Dezember 2018 ist das Gebäude auf der Düsseldorfer Straße abgebrannt
  • seither gibt es keinen Mittagstisch mehr
  • Ausgabestellen in Meiderich, Hochfeld und Marxloh

Denn das andere große Problem neben dem Andrang sei der Rückgang der Lebensmittelspenden. „Da müssen wir gucken, dass wir uns da noch mal neue Sachen einfallen lassen“, überlegt Herr Spikofski bereits eifrig. Normalerweise beziehe die Tafel aus vier Hauptquellen ihre Lebensmittel: von Supermärkten und Lebensmittelgeschäften, Großspenden, den Tafeln untereinander und Aktionen wie der Ein-Teil-Mehr-Aktion, bei der Kunden zwei Produkte kaufen und eines spenden können.

„Da ist ganz klar, die Waren werden weniger“, stellt Herr Spikofski erschrocken fest. Die Lieferungen hätten sich fast halbiert. Zusätzlich gäbe es noch die Privatspenden, das seien allerdings „keine großen Mengen“. Andere Möglichkeiten sähe der Leiter noch in der Kontaktherstellung mit Bauern und Kleingartenverbänden aus der Umgebung.

Duisburg: Tafel mit großen Problemen konfrontiert – „Wie sollen wir das noch stemmen?“

Gleichzeitig hat die Tafel schon jetzt mit den gestiegenen Stromkosten zu kämpfen. „Die Tage war ein Mann vom Stromanbieter hier, der sagte mir, dass wir davon ausgehen müssen, dass wir nur für Strom im nächsten Jahr Mehrkosten von 8.000 Euro haben werden“, erzählt Herr Spikofski bedrückt. „Wie sollen wir das noch stemmen?“ Für dieses Jahr sähe er noch keine Katastrophe auf sich und die Einrichtung zukommen. „Bis jetzt stehen wir auch noch einigermaßen gut da. Aber im nächsten Jahr reden wir dann noch mal völlig neu.“

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Unterm Strich sieht sich die Tafel mit einer Vielzahl an Problemen konfrontiert. Zu viele Leute brauchen das Angebot, gleichzeitig steigen die Kosten für Lebensmittel und Energie, folglich nehmen auch die Spenden ab. Und dann fehlt es auch an neuen Räumlichkeiten, um in Zukunft wieder einen Mittagstisch anbieten zu können und dementsprechend auch an Ehrenamtlichen. Zudem muss ein neues Auto her, um diejenigen beliefern zu können, die nicht selbstständig zur Essensausgabe kommen können.

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Duisburg: SO kannst du der Tafel helfen

Darum bittet Herr Spikofski alle, die wollen und die Möglichkeit haben, sich als Ehrenamtliche zu melden. Die Anmeldung kann bei Frau Herguth im Verwaltungsbüro in der Gelderblomstraße erfolgen. Und wer dafür keine Zeit hat, darf gerne spenden. „Jede Spende ist willkommen“, freut sich der Tafel-Chef. Seien es Geldspenden an das Spendenkonto (IBAN DE 61 3505 0000 0200 2201 50) oder Lebensmittel.


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Auch kannst du der Tafel etwas Gutes tun, indem du die neue Tafel-Schokolade kaufst. Die gibt es für 1,80 Euro an mehreren Verkaufsstellen und auch demnächst auf dem Marinamarkt und auf dem Weihnachtsmarkt. Das Geld geht zu 100 Prozent an die Tafel.

Duisburg Tafel Schokolade
Die Tafel für Duisburg gibt es jetzt auch mit Bio-Vollmilch. Foto: Privat

Und besonders freuen würde sich Herr Spikofski über einen Tipp für ein Ladenlokal im Bereich Kaßlerfeld oder Neumühl. „Es muss auch nicht groß sein.“ Selbst wenn es nicht für einen neuen Mittagstisch reiche, dann jedoch für eine Tasse Kaffee und ein belegtes Brötchen für alle, die es brauchen und sich woanders nicht leisten können.

Den zweiten Teil zum Interview mit dem Duisburger Tafel-Chef kannst du hier lesen.