Bochum

Bochum: Nach Schuss auf Synagoge – jüdische Gemeinde spricht von Anschlag!

METIN GÜLMEN und AARON TANZMANN
Bochum: Der Schock bei der Jüdischen Gemeinde sitzt nach den Schüssen auf die Synagoge noch tief.
Bochum: Der Schock bei der Jüdischen Gemeinde sitzt nach den Schüssen auf die Synagoge noch tief.
Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Bochum. Nach den Schüssen auf das Gotteshaus sitzt der Schock immer noch tief bei den Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde in Bochum.

In der Nacht zum 26. April hatte ein Mann mit einem waffenähnlichen Gegenstand zwei Metallkugeln auf ein Fenster der Synagoge in Bochum abgefeuert. Der Täter wurde dabei von einer Überwachungskamera aufgezeichnet, konnte bisher jedoch nicht gefasst werden.

DER WESTEN hat mit Justin Mantoan, Verantwortlicher für Pressearbeit der Jüdischen Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen, über den Vorfall und die daraus resultierenden Konsequenzen gesprochen.

Bochum: Nach Schüssen auf Synagoge – „kein zufälliges Ziel“

Ein Anschlag auf eine Synagoge mitten in Bochum? Dass dies die Gemeindemitglieder erschreckt und besorgt, ist nachvollziehbar. Zudem gehörten die beschossenen Fenster zum Jugendzentrum der Synagoge. Mantoan: „Eine Bewertung können wir nicht vornehmen, aber wir verurteilen die Tat natürlich. Dabei ist es egal, ob der Täter aus antisemitischen Motiven handelte oder es sich um gewöhnlichen Vandalismus handelt.“

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Das ist Antisemitismus:

  • Judenfeindlichkeit, die mit Rassismus, Nationalismus und Sozialdarwinismus verbunden ist
  • tritt in Europa seit der Zeit der Aufklärung (1720 bis 1800) auf
  • löste den älteren christlichen Antijudaismus ab
  • ab 1878 ist der Rassenantisemitismus entstanden, der als Staatsideologie in der NS-Zeit zum Holocaust (1941 bis 1945) geführt hatte
  • seit 1945 ist die staatliche Judenverfolgung weltweit zurückgegangen, doch viele judenfeindliche Stereotype sind an die heutige Lage angepasst worden

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Dennoch sei auf den Überwachungsaufnahmen „deutlich zu erkennen, dass der Täter sich bewusst auf die Synagoge zu bewegt“, so der Gemeindesprecher. Und weiter: „Es scheint unwahrscheinlich, dass die Synagoge, welche in Bochum bekannt ist, ein zufälliges Ziel darstellt.“

Polizei Bochum fragt: Wer kennt diesen Mann?
Polizei Bochum fragt: Wer kennt diesen Mann?

Gemeinde aus Bochum erlebt überwältigende Unterstützung

Viele Mitglieder der Jüdischen Gemeinde hatten sich in der Vergangenheit bewusst Bochum als Heimat ausgesucht, weil sie sich in der Stadt sicher fühlen. Mantoan: „Der jetzige Angriff wird daran nichts ändern können. Die Solidarität, die der Gemeinde nach dem Angriff entgegengebracht wurde, ist überwältigend.“

Ein generelles Antisemitismus-Problem in Bochum und Umgebung sieht der Gemeindesprecher nicht.

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Jüdische Gemeinde Bochum: Antisemitismus fest in Gesellschaft verankert

Dennoch sei Antisemitismus in unserer Gesellschaft fest verankert, erklärt Mantoan. Dies spiegele sich beispielsweise auch in einigen Verschwörungsmythen wider, die in Corona-Zeiten an Popularität gewinnen.

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