Veröffentlicht inPolitik

4-Tage-Woche: Wird DAS der Durchbruch für neue Arbeitszeiten? Es tut sich was!

Wer weniger Stunden arbeiten will, gilt für viele als faul. Doch der Ruf nach Veränderung und der Einführung der 4-Tage-Woche wird immer lauter.

Wer weniger Stunden arbeiten will, gilt für viele als faul. Doch der Ruf nach Veränderung und der Einführung der 4-Tage-Woche wird immer lauter.
© imago images/Shotshop

Vier-Tage-Woche: Diese positiven Effekte hat die reduzierte Arbeitszeit laut Studien

Der Traum von der Vier-Tage-Woche wird für immer mehr Menschen zur Realität. Wiederholt zeigen Studien die positiven Effekte des Modells.

Weniger Stunden arbeiten, mehr Freizeit: Das ist häufig noch ein Wunschdenken vieler Arbeitnehmer in Deutschland. Wer diesen Wunsch allerdings äußert, wird meist mit dem Vorwurf „kein Bock auf Arbeit“ konfrontiert.

Das wird vor allem jüngeren Menschen, der Generation Z (1995-2009), vorgeworfen. Doch gerade diese Generation wird künftig die Zukunft des Arbeitsmarkts bestimmen erst recht, wenn die Babyboomer (1946-1964) in Rente gehen. Die 4-Tage-Woche ist beispielsweise ein Modell für die Veränderung des Arbeitslebens. Wird es neue Arbeitszeiten geben?

4-Tage-Woche: Arbeit befindet sich im Wandel

8 Stunden am Tag, 5 Tage die Woche, 2 Tage Wochenende: Diese klassische Vorstellung von Arbeit herrscht noch in vielen Köpfen von Arbeitnehmern vor. Doch dieser Rhythmus stammt aus einer Zeit, in der die Deutschen noch ganz anders gearbeitet haben als sie es heute tun.

Der Achtstundentag passte damals vor allem zur Schichtarbeit in Produktionen, zu Arbeiten im industriellen Sektor. Heute allerdings arbeitet ein Großteil im tertiären Sektor, Wissensarbeit und Dienstleistungen werden also immer wichtiger. Doch, obwohl sich die Tätigkeiten und auch die Möglichkeiten der Effektivität änderten, blieb die Arbeitszeit die selbe.

4-Tage-Woche: Modellprojekt in Berlin?

Der Wunsch weniger zu arbeiten ist nicht neu, doch die Debatte darum wurde neu entfacht. So betonte etwa Cansel Kiziltepe (SPD), die neue Berliner Senatorin für Arbeit und Soziales, in Hinblick auf den Renteneintritt vieler Mitarbeiter der Berliner Verwaltung: „Wenn wir als Land Berlin ein attraktiver Arbeitgeber sein wollen, müssen wir jungen Menschen gute Angebote machen, wenn wir sie für Jobs in der Verwaltung begeistern wollen.“ Deshalb erwäge sie ein Modellprojekt für die Berliner Verwaltung.

Neben ihrer Partei-Kollegin Saskia Esken begrüßt auch Kiziltepe die 4-Tage-Woche. „Viele junge Menschen und vor allem Eltern mit Kindern wünschen sich eine bessere Balance von Arbeit und Freizeit. Diese Wünsche sollten wir berücksichtigen“, sagte die SPD-Politikerin dem „Tagesspiegel“.

Vor allem die Generation Z legt großen Wert auf Gesundheit, Freiheit, Individualität und Freundschaft. Eine britische, nicht repräsentative Studie zur 4-Tage-Woche analysierte vor allem diese positiven Effekte für Arbeitnehmer. Das Ergebnis: Die Angestellten sind nicht nur motivierter, sondern auch ausgeruhter. Die Unternehmen verzeichneten weniger Fehlzeiten. 56 der 61 beteiligten Arbeitgeber wollen die reduzierte Arbeitszeit bei vollem Lohn beibehalten. Bei der Umfrage nahmen jedoch vor allem Dienstleistungs-Unternehmen teil, die stark von Büro-Arbeit geprägt sind.

4-Tage-Woche: Forderungen werden lauter

Doch ein Pilotprojekt aus Deutschland zeigt, dass die 4-Tage-Woche auch in anderen Berufen umgesetzt werden kann. Als erstes Krankenhaus Deutschlands testet das Klinikum Bielefeld das neue Arbeitszeitmodell in der Pflege. „Wir haben Pflegekräfte, die nur Teilzeit arbeiten wollen, weil sie mehr freie Tage brauchen. Und für die ist jetzt auf einmal auch eine Vollzeitstelle attraktiv“, sagt Kerstin Möschter aus dem Leitungsteam der Pflegekräfte der Klinik gegenüber dem „WDR“.


Auch interessant:


Vor allem Pflegeberufe haben mit dem Fachkräftemangel und fehlenden Bewerbungen zu kämpfen. Das Pilotprojekt soll so neue Bewerber anlocken. Und auch die IG-Metall fordert schon länger die Einführung der 4-Tage-Woche für verschiedene Branchen. Damit „wären viel mehr Frauen bereit, in Vollzeit zurückzukehren, weil dieses Modell auch mit Familie funktioniert“, betonte der Gewerkschaftschef Jörg Hofmann zum Tag der Arbeit gegenüber „Bild am Sonntag“.