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Essen: Bürger gehen wegen Ukraine-Flüchtlingen Stadt an – „Fühlen uns im Stich gelassen“

Rathaus-Bosse im Ruhrgebiet: Sie sind die Oberbürgermeister im Pott.

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Die Aufnahme von Ukraine-Flüchtlingen in Essen ist grundsätzlich eine gute Sache – doch jetzt regt sich bei einigen Menschen der Ärger.

Essen: Bürger nehmen Flüchtlinge auf und sind von der Stadt enttäuscht

Einige Bürger aus Essen sind wütend. Wütend auf die Stadt. Wütend darüber, dass ihnen nicht genug Unterstützung angeboten worden sei – obwohl sie selbst zur Stelle waren, als Hilfe gebraucht wurde.

Eine Gruppe, die sich aus mehreren Bürgern aus ganz Essen via Social Media zusammengeschlossen und Flüchtlinge bei sich aufgenommen hat, erhofft sich vor allem aus finanzieller Sicht mehr Beistand von der Stadt.

Essen: Mehr Kosten durch Aufnahme von Ukraine-Flüchtlinge

„Wir haben die Flüchtlinge in dieser schweren Zeit sehr gerne bei uns untergebracht. Allerdings hätten wir grade in diesen auch für uns schwierigen Zeiten von steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen mehr Unterstützung von der Stadt erhofft. Immerhin ist durch die Aufnahme der Flüchtlinge einiges an Kosten-Mehraufwand auf uns zugekommen. Wir fühlen uns im Stich gelassen“, berichten Andre Rüskamp und Marcus Bonna.

Die beiden Essener sind zwei von vielen, die sich in der Ukraine-Krise stark für die Leute gemacht haben, die in Deutschland nach Sicherheit gesucht haben. So hatte Rüskamp eine Ukrainerin mit ihren Kindern bei sich zu Hause aufgenommen. Bonna gewährte in seinem Hotel „Bonna Notte“ ebenfalls regelmäßig geflüchteten Ukrainern ein Dach über den Kopf.

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Verbrauch der Flüchtlinge sollte genau dokumentiert werden

Und dafür fordern sie jetzt einen finanziellen Zuschuss der Stadt. Den soll es laut ihren Aussagen nie gegeben haben, während die Flüchtlinge selbst regelmäßig den Hartz 4-Satz erhielten.

„Wir haben uns bei der Stadt bezüglich eines Kostenzuschusses für Strom, Gas und Wasser gemeldet. Daraufhin wurde uns gesagt, dass wir konkrete Angaben über den einzelnen Verbrauch der Flüchtlinge machen sollen. Heißt: Wir sollen den Wasser- Strom- und Gasverbrauch der einzelnen Personen genau dokumentieren“, erklärt Rüskamp. „Aber wir können uns ja schlecht daneben stellen, wenn die Flüchtlinge duschen, das Wasser in einen Eimer sammeln und dann den Verbrauch dokumentieren.“

Mit diesen Schildern wurden die ukrainischen Flüchtlinge von Bonna und Rüskamp abgeholt. Foto: privat

Das sagt die Stadt Essen zu den Vorwürfen

Eine Sprecherin der Stadt Essen dazu auf Nachfrage von DER WESTEN: „Zusätzliche Kosten aufgrund der Unterbringung von Geflüchteten können wie folgt nachgewiesen werden: Erhöhungsschreiben des Vermieters, Müllentsorgung zum Beispiel dadurch, dass eine größere Mülltonne bestellt wurde, für die höhere Gebühren anfallen, Wasser zum Beispiel dadurch, dass der Wasserverbrauch für den Zeitraum im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist (Jahresrechnung, Foto des aktuellen Zählerstandes) und Gas dadurch, dass ein erhöhter Verbrauch (Gaszähler) nachgewiesen wird (Jahresrechnung, Foto des aktuellen Zählerstandes).“

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Für Bonna und Rüskamp ein extrem umständliches Verfahren. Zum Vergleich: In anderen Städten, wie etwa in Dormagen, bekommt jeder, der privat Flüchtlinge bei sich aufnimmt, einen pauschalen Zuschuss.


Das ist die Stadt Essen:

  • geht auf das vor 850 gegründete Frauenstift Essen zurück
  • 582.760 Einwohner, neun Stadtbezirke und 50 Stadtteile, viertgrößte Stadt in NRW
  • seit 1958 Sitz des neugegründeten Bistums Essen
  • Wahrzeichen unter anderen: Zeche Zollverein, Villa Hügel, Grugapark Essen
  • war 2010 Kulturhauptstadt Europas und 2017 Grüne Hauptstadt Europas
  • Oberbürgermeister ist Thomas Kufen (CDU)

Stadt Dormagen zahlt monatliche Pauschale

So heißt es auf der Webseite der Stadt Dormagen in einem Eintrag vom 18. März 2022: „Bürgerinnen und Bürger, die ukrainische Schutzsuchende privat in ihrer Wohnung oder ihrem Haus aufnehmen, erhalten künftig finanzielle Unterstützung. Für jede untergebrachte Person zahlt die Stadt Dormagen monatlich eine Pauschale in Höhe von 177 Euro. Darauf haben sich die Sozialdezernenten des Rhein-Kreises Neuss verständig.“

Konfrontiert mit der Frage, warum die Stadt Essen so etwas nicht anbietet, argumentiert die Sprecherin: „Bei der Aufnahme von Geflüchteten aus der Ukraine handelt es sich in sehr vielen Fällen um eine ehrenamtliche Tätigkeit von Bürgerinnen und Bürgern. Dafür sind wir sehr dankbar und dies wird auch immer wieder betont! Viele Helfende sind eigeninitiativ tätig geworden und haben im Einzelfall sogar Menschen aus der Ukraine oder Grenzländern nach Deutschland und Essen geholt.“


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Kosten für diese freiwillige Hilfe einzufordern, sei „rechtlich kaum begründbar, weil bereits Leistungen an Geflüchtete ausgezahlt werden“.

Aus städtischer Sicht könne es sich bei einer privaten Unterbringung auch nicht um eine dauerhafte Unterkunft handeln. In Essen werde davon ausgegangen, dass die Anmietung einer eigenen Wohnung auch aus Gründen der Integration im Vordergrund stehen müsse. Dabei unterstütze die Stadt Essen aktiv – bislang (Stand: 24. August) sei der Anmietung von 1.031 Wohnungen für 2,588 Menschen zugestimmt worden.

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Für Andre Rüskamp und Marcus Bonna bleibt dennoch ein fader Beigeschmack: „Wir haben die Flüchtlinge alle lieb gewonnen, das steht außer Frage. Aber wir sind von der Stadt so sehr enttäuscht, dass wir nicht noch einmal helfen würden.“

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