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Essen: „Letzte Generation“ sorgt für Verkehrschaos am Hauptbahnof – Autofahrer wütend: „Verpisst euch einfach!“

Ausgerechnet wenn das Wochenende ruft, müssen sich wohl viele Autofahrer in Essen auf Stau einstellen. Aktivisten blockieren wichtige Straße.

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Am Freitagnachmittag (14. April) machten sich gerade viele Menschen in Essen auf den Weg in den wohlverdienten Feierabend. Doch Klimaaktivsten der „Letzten Generation“ kamen ihnen dabei in die Quere – und das ausgerechnet an einer der vielbefahrensten Stellen der Stadt.

In der Nähe des Hauptbahnhof Essen hatten sich die Aktivisten gegen 16 Uhr platziert und sorgten mit einer Straßenblockade für Verkehrschaos. Zehn Menschen saßen zunächst auf der Straße – einige von ihnen auch angeklebt. DER WESTEN war live vor Ort.

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Essen: „Letzte Generation“ blockiert Straße nähe Hauptbahnhof

„Wir fordern einen Gesellschaftsrat bestehend aus 160 Bürgern, die repräsentativ für Deutschland entscheiden können, wie wir sozialgerecht bis 2030 die Nutzung fossiler Rohstoffe beenden können und die Maßnahmen festlegen“, erklärte Klimaaktivist Malte Nierobisch gegenüber DER WESTEN.

Anstelle von gewählten Parlamenten sollen geloste Gesellschaftsräte politische Entscheidungsgewalt haben. Die „Letzte Generation“ will mehr direkte Teilhabe an den politischen Geschicken, die direkt aus der Bevölkerung kommen. „Unsere Aktion in Essen richtet sich direkt an den Oberbürgermeister Thomas Kufen. Er soll unsere Forderungen ernst nehmen und darauf eingehen“, so der 19-Jährige.

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„Letzte Generation“ am Essener Hauptbahnhof Foto: Chaleen Goehrke/ DER WESTEN

Autofahrer verärgert

Besonders ärgerlich: Über die Osterferien, die noch bis zum Sonntag (16. April) andauern, ist der Bahnverkehr zwischen Bochum, Essen und Duisburg wegen Baustellen stark eingeschränkt – und zahlreiche Pendler sind auf den Schienenersatzverkehr via Bus angewiesen. Da sind Straßenblockaden das Letzte was man benötigt. Die Kreuzung am Bismarckplatz in Essen ist auch wichtig als Zufahrtstraße auf die A40.

Entsprechend gereizt reagierten einige Autofahrer auf die Blockade. „Wir haben Kinder im Auto, verpisst euch einfach“, rief einer den Aktivisten zu.


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„Dass Menschen wütend reagieren werden, davon gehen wir aus. Diese Störung ist leider nötig, weil wir gesehen haben, dass insbesondere in Essen andere Demos wie Mahnwachen keine Beachtung finden“, betonte Malte Nierobisch. Doch es gab auch Verständnis von Beobachtern. „Irgendwer muss ja auf den Klimaschutz aufmerksam machen“, meinten zwei Studentinnen gegenüber unserer Reporterin kurz nach Beginn der Blockade.

Polizei greift ein – Aktivistin trotzdem zufrieden

Nur kurze Zeit später griff die Polizei ein, entfernte die Aktivisten von der Straße. Bei vier Personen war der Kleber jedoch schneller. Drei Personen verharrten seitdem auf der Kruppstraße, während eine Frau die Abbiegerspur besetzte. Bei dem Einsatz kam es zu keinen großen Komplikationen für die Beamten.

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„Letzte Generation“ am Essener Hauptbahnhof Foto: Chaleen Goehrke/ DER WESTEN

Gesa Müllhoff (Foto), eine 18-jährige Abiturientin, gehörte zu den Aktivisten am heutigen Tage. Sie wurde von den Einsatzkräften als Erstes von der Straße geholt – noch bevor der Kleber trocknen konnte, mit dem sie sich auf dem Asphalt festkleben wollte.

Trotz des jähen Endes ihrer Aktion zeigte sie sich im Gespräch mit DER WESTEN zufrieden: „Ich glaube, die Aktion hat trotzdem Wirkung gezeigt. Das ist ja gerade das Traurige: Wir gehen mit 20.000 Menschen demonstrieren und niemand spricht darüber. Aber wenn wir uns auf die Straße setzen und den Verkehr behindern, bekommen wir die nötige Aufmerksamkeit für unser Anliegen.“

Auch drei Stunden nach Beginn verweilen die vier Aktivisten noch auf der Straße. „Wir haben die Aktion als Versammlung eingestuft, welche nicht ordnungsgemäß angemeldet wurde. Anschließend haben wir den Aktivisten bis 18 Uhr Zeit gegeben, die Straße freiwillig zu räumen. Es wurde angeboten, die Kundgebung auf dem Gehweg weiterauszuführen, dem wurde aber nicht nachgegangen“, so Polizeisprecher Matthias Werk. Inzwischen sind Einsatzkräfte der Hundertschaft vor Ort und darum bemüht die Aktivisten von der Straße zu lösen. Ab wann die Kreuzung in Essen wieder komplett frei ist, kann der Sprecher noch nicht abschätzen.