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Dortmund: Polizist erschießt 16–Jährigen – Experte irritiert: „Warum eine Maschinenpistole?“

Mindestens 18 Tote bei Polizeieinsatz in Rio de Janeiro

Bei einem Polizeieinsatz in einem Armenviertel von Rio de Janeiro sind mindestens 18 Menschen getötet worden. Die Sicherheitskräfte waren mit hunderte Beamten in die Favela eingerückt, um einer kriminellen Bande das Handwerk zu legen.

Dieses tragische Ereignis erschütterte am Montag (8.8.) die Republik: Ein 16-Jähriger wurde bei einem Polizeieinsatz in Dortmund erschossen. Der psychisch auffällige Jugendliche war mit einem Messer in einer Jugendeinrichtung gesichtet worden, woraufhin ein Betreuer die Polizei rief. Als der Minderjährige mit dem Messer auf die Polizeibeamten losging, gab einer der elf Beamten sechs Schuss ab, von denen fünf den gebürtigen Senegalesen trafen. Davon schwer verletzt, starb er später bei einer Notoperation.

Nun werden kritische Stimmen laut. Der Bochumer Kriminologe Prof. Dr. Feltes legt den Finger in die Wunde und stellt unangenehme Fragen in Richtung Dortmund.

Dortmund: Experte findet Ablauf „überhaupt nicht nachvollziehbar“

„Warum wurde dort eine Maschinenpistole eingesetzt? Das ist überhaupt nicht nachvollziehbar“, bemerkt der Kriminologe gegenüber der Deutschen Presseagentur. Maschinenpistolen seien eigentlich nur für Amokläufe gedacht und nicht für den Einsatz gegen psychisch auffällige Jugendliche.

Auch die absolute Überzahl der Polizeibeamten (elf Polizisten gegen einen Jugendlichen) sei problematisch gewesen. Ein Mensch ohne deutsche Sprachkenntnisse könne davon überfordert werden und den falschen Eindruck bekommen, angegriffen zu werden.

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Dortmund: „Die haben alle Dienstwaffen, warum kommt da jetzt eine Maschinenpistole zum Einsatz?“

Dem kann sein Kollege Prof. Dr. Singelnstein gegenüber dieser Redaktion nur zustimmen. Er könne zwar nicht den konkreten Maschinenpistolen-Einsatz in Dortmund beurteilen, jedoch sei „insgesamt schon überraschend, dass da ein 16-jähriger Jugendlicher elf Beamten gegenübersteht. Das ist eine sehr große Überzahl und da fragt man sich natürlich: Die haben alle Dienstwaffen, warum kommt da jetzt eine Maschinenpistole zum Einsatz?“

Feltes fordert deswegen: „Bei solchen Einsätzen sollte immer ein Psychologe oder Psychiater dabei sein“. Dieser Forderung kann sich Prof. Singelnstein anschließen, die Frage sei nur, wie man das organisiere, denn zum einen müssten sie zur Verfügung stehen und zum anderen schnell vor Ort sein können.

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Polizei-Gewerkschaft wehrt sich: Kommentare aus der Ferne seien „unfair“

Und wie nehmen die Polizisten selbst die Debatte um den Einsatz wahr? Michael Maatz, stellvertretender Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei NRW, empfindet die Beurteilung des Einsatzes als „unfair“. Die beiden Professoren hätten keine näheren Kenntnisse über den Ablauf und die Hintergründe der Schussabgabe.

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Statt die Ermittlungen abzuwarten, würden sie das Geschehen kommentieren, obwohl sie nicht dabei waren. „Jetzt aus der Ferne irgendwelche Statements abzugeben, halte ich für nicht korrekt“, so Maatz gegenüber unserer Redaktion. Diese öffentlichen Spekulationen würden nicht weiterhelfen. Man könne gewiss sein, dass das Geschehen aufgeklärt wird.

Der stellvertretende Gewerkschaftsvorsitzende unterstreicht aber auch: „Im Moment ist aus meiner Sicht ein Fehlverhalten meiner Kolleginnen und Kollegen nicht erkennbar.“ (jfo mit dpa)