Bochum

Marcel-Heße-Prozess: „Ein Sanitäter brach auf dem Gehweg zusammen“ - Jadens Mutter erzählt von der Horror-Nacht, in der ihr Sohn starb

Dritter Prozesstag: Jadens Mutter redet über Marcel Heße

Dritte Prozesstag: Jadens Mutter redet über Marcel Heße

Jeanette R., die Mutter des ermordeten Jaden, beschreibt vor Gericht Situationen mit Marcel Heße. Er sei immer seltsam gewesen.

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  • Am dritten Tag im Prozess gegen Marcel Heße sitzt die Mutter des Opfers Jaden (†9) im Zeugenstand
  • Sie erzählt, wie sie den Abend des Mordes an ihrem Kind erlebt hat
  • Aus Verwunderung wurde Panik

Bochum. „Der 6. März.“ Als Richter Stefan Culemann dieses Datum nennt, wird die Mutter des getöteten Jaden (9) aus Herne ganz still.

Gerade noch hat Jeanette R. (41) im Zeugenstand am Landgericht Bochum davon erzählt, wie Marcel Heße, der spätere Mörder ihres Kindes, als Nachbar war: merkwürdig, zurückgezogen, auch jähzornig - „ein Spinner“.

Jetzt geht es um den Tag, an dem ihr Sohn auf brutale Art sterben musste. „Ja“, sagt sie. „Ich kann ihnen alles darüber erzählen.“

Eineinhalb Stunden, um Jaden zu töten

Sie sind einkaufen gewesen, sie und ihr Mann Pascal. Jaden wollte eigentlich mitkommen. „Aber er war krank, also habe ich gesagt, dass er zu Hause bleiben muss.“ Seine Mutter konnte nicht ahnen, wie folgenschwer diese Entscheidung sein würde.

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Nur gut eineinhalb Stunden sind die Eltern weg. Zeit genug für Marcel Heße, den kleinen Jaden in seinen Keller zu locken und mit dutzenden Messerstichen zu töten.

Haus von Marcel Heße war hell erleuchtet

Als Jadens Eltern gegen 19.30 Uhr an diesem Abend wiederkommen, ist das Nachbarhaus hell erleuchtet. „In jedem Raum war Licht, das fand ich seltsam. Zumal kein Auto in der Auffahrt stand.“ Trotzdem gehen Jeanette und Pascal R. ganz normal ins Haus und packen die Einkäufe aus.

Um 19.45 Uhr fragt Pascal, wo denn Jaden sei. Er müsse ins Bett. Die Brüder antworten, Marcel von nebenan habe ihn abgeholt, damit Jaden ihm mit einer Leiter hilft.

Mutter von Marcel Heße: „Da ist was passiert!“

Jeanette R. geht zum Nachbarhaus, klingelt, ruft durch den Briefschlitz. Keine Antwort. Zu diesem Zeitpunkt ist Heße vermutlich noch im Haus.

„Dann habe ich Marcels Mutter in Gelsenkirchen angerufen und sie gefragt, wo Marcel und Jaden sind.“ Heßes Mutter Michaela L. weiß nicht, wovon die Ex-Nachbarin spricht. Als sie hört, dass überall im Haus Licht brennt, wird sie panisch. „Wir müssen sofort nach Herne, da ist was passiert“, schreit sie fast ihren Mann an und verspricht Jeanette R.: „Wir kommen gleich.“

Jadens Mutter gerät in Panik

Jetzt ist auch Jeanette R. in Panik. Was ist im Haus nebenan passiert? Für einen Unfall klang Marcels Mutter zu hektisch. R. schickt ihren Mann mitsamt Sohn Maurice hinüber. Durch die Terrassentür gelangen die beiden ins Haus.

„Ich selber bin in den Waschkeller gegangen. Da habe ich Maurice schreien hören, die Keller sind ja Wand an Wand.“

„Mama, ich glaube, der Jaden ist tot!“

Sie rennt nach oben, folgt den Schreien - und landet in Heßes Garten. „Maurice kam aus dem Haus, brach auf dem Rasen zusammen und schrie immer wieder: ,Mama, ich glaube, der Jaden ist tot, alles ist voller Blut!'“

Die beiden wählen die 110. Bis die Streife eintrifft, fleht Jeanette R. ihren Mann noch an, ihren Sohn zu retten. „Pascal war völlig apathisch, wie ein Zombie.“ Trotzdem habe er zusammen mit einem Nachbarn alles gegeben, um Jaden wiederzubeleben. Vergebens.

Sanitäter bricht auf dem Gehweg zusammen

Als die Polizisten endlich eintreffen, gehen sie erst gar nicht ins Haus, sagt Jeanette R. vor Gericht. Irgendwann schließlich betreten sie den Keller - doch schnell sei einer der beiden Beamten direkt wieder die Treppe hochgekommen.

„Auch ein Sanitäter, der unten war, ist danach völlig fertig auf dem Gehweg zusammengebrochen“, erzählt Jadens Mutter.

„Scheiße, der hat einen von denen getötet!“ - Tumult zwischen den Familien

Als wäre nicht alles schon schlimm genug, kommt es später noch zu einem Tumult auf der Straße: Als Marcel Heßes Eltern an der Fleithestraße eintreffen, ruft seine Mutter - wie Jeanette R. berichtet - laut: „Scheiße, der hat einen von denen getötet!“

Pascal R. geht die Eltern an, es gibt ein Handgemenge. Hart schlagen die Polizisten, von denen mittlerweile mehrere am Tatort sind, den Streit nieder. „Mit Schlagstöcken und einer ganzen Flasche Tränengas.“

Auch Jeanette R. bekommt etwas davon ab, obwohl sie immer wieder ruft: „Ich bin die Mutter! Mein Sohn ist tot und ich weiß, wer der Mörder ist!“

Dann schaltet ihr Gehirn auf Teilnahmslosigkeit. Völlige emotionale Überforderung.

Jadens Mutter hat ihren toten Sohn nicht mehr angesehen

Ihren toten Sohn hat sich Jeanette R. nie angesehen. „Das habe ich mir erspart. Ich behalte Jaden so in Erinnerung, wie er sich von mir verabschiedet hat, bevor ich weggefahren bin: fröhlich, freundlich, lebendig.“