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NRW: Neuer Missbrauch! Sechsfach-Vater (44) soll sich an Kleinkinder und Babys vergangen haben

Missbrauchsfall von Bergisch Gladbach: Prozess in Köln

Im Fall des massenhaften Kindesmissbrauchs um einen Pädophilen aus Bergisch Gladbach haben die Ermittler erst einen Teil des Schleiers gelüftet, unter dessen Schutz Kindern schreckliche Gewalt angetan wurde. In Köln steht jetzt ein Koch aus Bergisch Gladbach vor Gericht, der die Ermittlungen ausgelöst hatte.

Wermelskirchen. 

Ein neuer Fall von Kindesmissbrauch aus Wermelskirchen entsetzt bis weit über die Grenzen von NRW hinaus.

Schon im Dezember 2021 ist ein Mann (44) in Wermelskirchen festgenommen worden. Der sechsfache Vater war bis dahin polizeilich nie in Erscheinung getreten. Jetzt werden ihm die furchtbarsten Gräueltaten vorgeworfen.

Wermelskirchen: Jüngstes Opfer erst einen Monat alt

Der Wermelskirchener steht im dringenden Verdacht, in mindestens 18 Fällen von Anfang 2005 bis Mitte 2019 zwölf Kinder (zehn Jungen und zwei Mädchen) vergewaltigt und schwer missbraucht zu haben.

Das jüngste Opfer soll zum Zeitpunkt der Tat gerade einmal ein Monat alt gewesen sein! Der verheiratete Mann war bis zu seiner Festnahme 2021 polizeilich nicht in Erscheinung getreten. Er sei angestellt gewesen und wird als unauffällig beschrieben. Einen Teil seiner Opfer stamme aus dem näheren Bekanntenkreis. Kontakt zu den anderen Opfern soll der mutmaßliche Kinderschänder über eine perfide Masche erhalten haben.

Wermelskirchen: So ging der mutmaßliche Kinderschänder vor

So soll der 44-Jährige seine Dienste als Babysitter angeboten haben. Über Inserate und Onlineportale wie Ebay soll er Kontakt zu Eltern aufgenommen haben. In den Räumlichkeiten der Familien soll der Wermelskirchener dann zugeschlagen und seine Taten häufig gefilmt haben. Säuglinge, Kleinkinder, behinderte Kinder. Der Mann soll vor nichts zurückgeschreckt haben.

Der leitende Ermittler Jürgen Haese ist vor allem von der „nicht vorstellbaren Brutalität“ erschrocken, die durch Videoaufnahmen der Taten sichtbar wurden.

Wermelskirchen: Neuer Fall von Kindesmissbrauch – mit unvorstellbaren Ausmaßen

„Ein solches Ausmaß an menschenverachtender Brutalität und gefühlloser Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid von kleinen Kindern, ihren Schmerzen und ihren Schreien und ihrer offensichtlichen Angst ist mir noch nicht begegnet und so etwas habe ich mir auch nicht vorstellen können“, sagte der Kölner Polizeipräsident Falk Schabel bei einer Pressekonferenz am Montag.

Er habe einen Bruchteil der 32 Terabyte an sichergestellten Daten selbst gesichtet – 1,5 Millionen Videos und 3,5 Millionen Bilder. Der 44-Jährige, der die Anschuldigungen gegen ihn im Kern nicht abstreitet, habe detaillierte Listen geführt. Offenbar, um einen Überblick über die enormen Datensätze zu halten. Daher der Name der Ermittlung „BAO Liste“.

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Kindesmissbrauch in Deutschland:

  • eine systematische Erfassung der Fälle ist nicht existent, die WHO schätzt für Deutschland eine Million Betroffene
  • laut Polizeistatistik findet sexueller Missbrauch zu 92 Prozent im Alter von 6 und 14 Jahren statt, die übrigen Opfer sind Kinder bis 6 Jahre
  • Von den Tatverdächtigen sind 8 Prozent Kinder und 21 Prozent Jugendliche
  • 2019 sind in Deutschland 15.701 Kinder als Opfer polizeilich erfasst worden
  • das Bundeskriminalamt schätzt, dass nur jeder 15. Missbrauch angezeigt, und davon wiederum nur jeder fünfte Fall verhandelt wird
  • Mädchen sind etwa drei- bis viermal häufiger betroffen als Jungen

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Wermelskirchen: 70 weitere Tatverdächtige identifiziert

Über Chats habe der Beschuldigte Kontakt zu Gleichgesinnten aufgenommen. Jürgen Haese spricht von „Chatverläufen mit unglaublichen Gewaltfantasien“ – in klarer Abgrenzung zu dem Missbrauchsfall in Bergisch-Gladbach (mehr dazu hier). Dort sei Gewalt überwiegend abgelehnt worden. Die Opfer seien eher durch Belohnung dazu gebracht worden, den Missbrauch zu ertragen.

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Weitere Meldungen aus NRW:

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Durch die nun seit Monaten andauernden Ermittlungen und Auswertungen von Bildmaterial seien weitere 70 Tatverdächtige und bislang 33 Missbrauchsopfer in beinahe allen Bundesländern identifiziert worden. Die Fälle seien an die jeweils zuständigen Behörden weitergegeben worden. Viele Fragen sind auch nach monatelangen Ermittlungen nicht geklärt.

Gab es noch mehr Opfer? Wurden sie betäubt? Wie konnte der 44-Jährige so lange unentdeckt bleiben? Und wie viele Täter sind noch auf freiem Fuß? Jürgen Haese geht davon aus, dass es nicht die letzte Pressekonferenz in diesem Fall sein wird. Die Ermittlungen wegen des Verdachts auf schwerste sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Kinderpornographie gehen weiter.