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Ukraine-Krieg: Für Putin steht alles auf dem Spiel – genau das ist das Problem

Russland treibt offenbar Einkesselung von Kiew voran

Russland treibt offenbar die Einkesselung der ukrainischen Hauptstadt voran. Das berichtet der ukrainische Generalstab. Binnen weniger Tage hat sich die Frontlinie rund um Kiew deutlich verschoben.

Hat sich Wladimir Putin verkalkuliert? Der Ukraine-Krieg ist aus dem Ruder gelaufen, zeigt sich Ex-General Wolf-Dieter Langheld überzeugt. Der frühere Bundeswehroffizier geht noch weiter: Putin könne gar nicht mehr gewinnen! Militärexperte Carlo Masala sieht es ähnlich.

Aus Sicht von Rüdiger von Fritsch, ehemaliger Botschafter in Russland, ist genau das ein Problem. Für den Kreml-Herrscher steht jetzt alles auf dem Spiel!

Ukraine-Krieg: Putin kann nicht mehr gewinnen – genau das ist aber brandgefährlich

Im Gespräch mit „Focus“ zeigt sich Ex-General Langheld davon überzeugt, dass die russische Angriffstaktik gescheitert ist: „Putin und seine Armeeführung haben den Angriffskrieg schlecht geplant und sicher nicht gut vorbereitet. Geplant war, das Land mit einem Blitzkrieg in maximal zwei bis drei Tagen unter russische Kontrolle zu bringen – inklusive des Sturzes der Regierung von Präsident Wolodymyr Selenskyj.“

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Mehr zum Ukraine-Krieg:

  • Der Überfall der Ukraine startete am 24. Februar 2022.
  • Die Kampfhandlungen begannen aber bereits 2014 zwischen prorussischen Separisten in den Gebieten Donezk und Luganks und der ukrainischen Armee.
  • Ebenfalls 2014 annektierte Russland die Halbinsel Krim.
  • Auf Seiten Russlands beteiligt sich Belarus am Krieg.
  • Die Ukraine wird mit Waffenlieferungen von NATO-Staaten unterstützt.

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Nun hätten die russischen Truppen massive Probleme, den Nachschub von Treibstoff, Verpflegung und Munition zu organisieren. All das könnte zu einem Umdenken im Kreml führen, mutmaßt der ehemalige Soldat. Putin könnte sich darauf einlassen, eine Neutralität der Ukraine und die Abtretung der Separatistengebiete in der Donbass-Region sowie der Krim als Bedingung zur Beendigung des Krieges zu akzeptieren.

Ukraine-Krieg: Wird Putin militärisch eskalieren oder sucht er Fluchtweg mit Verhandlungen?

Auch Militärexperte Carlo Masala vermutet im „Stern“-Podcast „Ukraine – die Lage“, dass der Kreml die Kriegsstrategie überdenken könnte und auf eine Verhandlungslösung zusteuern wird: „Aus russischer Perspektive stellt sich schon die Frage: Was gewinnen wir bei einer Fortführung des Krieges?“ Die Ukraine habe ihn schon längst an der „Propagandafront“ gewonnen, durch eine sehr erfolgreiche Kampagne in den Sozialen Netzwerken. Putin werde aber dennoch Teile seiner Kriegsziele in Bezug auf die Ostukraine und die Krim erreichen, „daran müssen wir uns gewöhnen, so zynisch es klingt“, so Masala.

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Aus Sicht von Ex-General Langheld könne Putin zwar noch einige Schlachten, aber „diesen Krieg militärisch nicht mehr gewinnen“, wenn es sein Ziel war, die Ukraine zu unterwerfen. „Denn was nützt Putin ein ‚Bruderland‘, dessen eine Hälfte er vertrieben und dessen andere er getötet sowie dessen Infrastruktur er zerstört hat?“, hinterfragt er im „Focus“-Interview.

Doch genau diese Enge, in die sich Putin selbst hereinmanövriert hat, könnte gefährlich werden. Strebt er eine Verhandlungslösung mit der ukrainischen Führung an, um sein Gesicht zu wahren – oder eskaliert er den Krieg weiter? Die Einkesselung der Hauptstadt Kiew deutet darauf hin, dass Russland einen brutalen Endkampf vorbereitet, möglicherweise ein Sturm auf die Stadt mit einen Häuserkampf.

+++ Helmut Schmidt warnte wegen Ukraine vor 3. Weltkrieg – er sprach wie Putin heute +++

Wladimir Putin in der Enge: Wird das Militär ihn am Ende stürzen?

Wie weit wird Putin gehen, um doch noch einen Kriegserfolg zu erzielen? Ist gar der Einsatz von biologischen oder chemischen Massenvernichtungswaffen denkbar, weil er nun kaum mehr etwas zu verlieren hat? Rüdiger von Fritsch, früherer deutscher Botschafter in Russland, sagt im ZDF-„heute journal“: „Das Drama ist, dieser Krieg, den der russische Präsident begonnen hat und der für ihn schlecht läuft, darf er nicht verlieren.“

Die Großmacht Russland könne es sich einfach nicht leisten, gegen die viel kleinere Ukraine zu verlieren. „Das würde auch seine eigene Machtbasis zu Hause gefährden“, so von Fritsch im ZDF. Zwar geht der Ex-Botschafter nicht davon aus, dass ein Massenprotest gegen Putin in Russland auftreten könne, dafür sei die Unterdrückung im Land zu weit fortgeschritten. Doch aus dem Militär könnte für den Präsidenten eine Gefahr erwachsen.

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„Sollte der russische Präsident weiter eskalieren, sollte er den Preis für die Armee immer weiter hochtreiben, dann bleibt die Hoffnung, dass ihm seitens des Militärs in die Arme gefallen wird“, vermutet von Fritsch im „heute journal“. Könnte der Blutzoll der russischen Truppen in der Ukraine also so hoch werden, dass es irgendwann zum Putsch gegen Putin kommt und er abgesetzt wird?