Angela Merkel: Abrechnung mit der Altkanzlerin – „Sie hat Deutschland zur Geisel gemacht“

Standing Ovations für Merkel im Bundestag

Standing Ovations für Merkel im Bundestag

Die Abgeordneten des Bundestags haben Angela Merkel nach 16 Jahren Kanzlerschaft mit Standing Ovations verabschiedet. Alle Fraktionen klatschten - außer der AfD.

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Im Dezember wurde Angela Merkel noch gefeiert: Nach 16 Jahren Kanzlerschaft wurde sie mit einem Großen Zapfenstreich der Bundeswehr verabschiedet. Viele politische Beobachter bedauerten ihren Abgang schon, da war ihr Nachfolger Olaf Scholz noch gar nicht vereidigt.

Nun, wenige Monate später, sieht die Lage ganz anders aus. Merkels politisches Erbe wird angesichts des Ukraine-Krieges plötzlich deutlich kritischer bewertet. Manche halten gar ein Scherbengericht ab, sogar aus ihrer eigenen Partei kommt vernichtende Kritik. Selbst im Ausland wird ihre Rolle nun anders betrachtet.

Angela Merkel: Ihre Schuld am Ukraine-Krieg?

So schreibt das „Wall Street Journal“ aus den USA: „Kriege können Reputationen verändern, selbst im Nachhinein. Zwei führende Politiker, deren Vermächtnis im Lichte des Krieges in der Ukraine viel schlechter aussieht, sind Angela Merkel und Barack Obama. Die ehemalige deutsche Kanzlerin machte ihr Land zur Geisel der russischen Energie, schätzte Wladimir Putin völlig falsch ein und trug viel zu wenig zur Verteidigung der Nato bei.“

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Das ist Angela Merkel:

  • Geboren 1954 in Hamburg als Angela Kasner
  • Wenige Wochen nach ihrer Geburt zog Merkels Familie in die DDR, weil ihr Vater dort eine Stelle als Pfarrer antrat
  • Nach dem Fall der Mauer begann Merkel, sich politisch zu engagieren, trat 1990 schließlich in die CDU ein
  • 1991 machte der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl Merkel überraschend zur Ministerin für Frauen und Jugend. 1994 folgte der Wechsel an die Spitze des Umweltministeriums
  • Nach sieben Jahren in der Opposition wurde Merkels CDU bei der vorgezogenen Bundestagswahl 2005 knapp zur stärksten Kraft - und sie zur Kanzlerin

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+++ Newsblog zum Ukraine-Krieg +++

Cem Özdemir über Angela Merkel: „Nicht die schlauste Idee“

Grünen-Minister Cem Özdemir kommt zu einem ähnlich verheerenden Urteil. Er rechnet mit Merkels Russland-Politik ab: „Wir haben in vielen Bereichen eine Situation geerbt, die nicht so richtig toll ist“, sagte der Landwirtschaftsminister gegenüber der „Bild“.

So sei Nord Stream 2 „nicht die schlauste Idee" gewesen, „wenn man sich so einem autoritären Herrscher wie Putin ausliefert." Da hätte man auch früher drauf kommen können. Auch dass die Gasspeicher leer sind, hätte man bereits im Sommer vergangenen Jahres merken können, so Özdemir.

+++ Helmut Schmidt warnte wegen Ukraine vor 3. Weltkrieg – er sprach wie Putin heute +++

Norbert Röttgen urteilt über Merkels Kanzlerschaft: „Wir haben die Kriegskasse mitfinanziert“

Sogar aus der CDU meldet sich ein Spitzenpolitiker zu Wort und fällt ein vernichtendes Urteil über die Putin-Politik der Kanzlerschaft Merkels. Deutschland sei „in den letzten Jahren, auch unter der Führung der CDU in der Bundesregierung“ eine „zu große Abhängigkeit zu Russland in der Energieversorgung eingegangen“, so Norbert Röttgen im „ntv-Frühstart“.

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„Wir haben damit die Kriegskasse mitfinanziert“, kritisiert Röttgen weiter. Die Merkel-Regierungen seien „sehenden Auges“ eine Abhängigkeit Putins eingangen und hätten dabei den Aspekt der „geostrategischen Sicherheitsfragen aus Wirtschaftsfragen und Handelsbeziehungen ausgeklammert“.

In einem Buch, das der heutige US-Präsident Joe Biden 2017 veröffentlicht hat, erhob er bereits schwere Vorwürfe gegen Angela Merkel. Die Kanzlerin habe nach der Annexion der Krim 2014 im Umgang mit Putin versagt.

Italienische Zeitung wünscht sich Merkel trotzdem als Friedensvermittlerin im Ukraine-Krieg

Doch nicht alle urteilen auf einmal so vernichtend über die Altkanzlerin. Immerhin die italienische Tageszeitung „La Stampa“ ist der Meinung, dass Angela Merkel weiterhin gebraucht werde.

Das Blatt wünscht sie sich als Friedensvermittlerin: „Es braucht einen Vermittler auf Augenhöhe. Eine glaubwürdige Person, Vertreterin eines wichtigen europäischen Landes: Angela Merkel. Wenn die Altkanzlerin aus dem wohlverdienten Urlaub zurückkehren und nach Moskau und Kiew fliegen würde, um die Bedingungen eines sofortigen Waffenstillstands auszuhandeln, der auf eine dauerhafte Einigung in der Lage der Ukraine hindeutet, würde sie als Friedensstifterin Europas in der Stunde der größten Gefahr in die Geschichte eingehen.“

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Die Bereitschaft der Scholz-Regierung, ausgerechnet Angela Merkel mit einer solchen Mission zu betrauen, dürfte aber recht gering sein.