Fridays for Future – Experte warnt vor drastischer Entwicklung

„Fridays for Future“ in Hamburg. Extremismusforscher Klaus Schroeder glaubt: „Fridays for Future hat sich radikalisiert.“
„Fridays for Future“ in Hamburg. Extremismusforscher Klaus Schroeder glaubt: „Fridays for Future hat sich radikalisiert.“
Foto: dpa

Fridays for Future“ gehört sicher zu den Themen, die das Jahr 2019 am meisten geprägt haben. Die Klimadebatte bestimmt die Politik und Klimaaktivistin Greta Thunberg ist zu einer der bekanntesten Persönlichkeiten der Welt geworden.

Derweil sorgen radikalere Bewegungen wie „Extinction Rebellion“ mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen bei manchen auch für Unmut.

„Fridays for Future“: Extreme Kräfte in der Bewegung

Der Extremismusforscher Klaus Schroeder warnt jetzt vor extremen Kräften innerhalb der Klima-Bewegung. Im Interview mit DER WESTEN erklärt er, wie er das meint.

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DER WESTEN: Zuletzt haben Klimaaktivisten in Berlin und anderen Städten Straßen blockiert: Manche sprechen jetzt gar von einem drohenden „Öko-Terrorismus“. Wie bewerten Sie das?

Klaus Schroeder: „Fridays for Future“ hat sich radikalisiert. Vor allem dadurch, dass sich gewaltbereite linke Gruppen daruntergemischt haben und versuchen, die Bewegung an sich zu reißen. Sie nutzen den großen Idealismus der jungen Leute für sich aus. Die Linke will die Klimadiskussion mit der Systemfrage verknüpfen. Die grundsätzliche Idee, dass der Kapitalismus an allem Schuld ist und alles komplett verändert werden muss, das haben extrem Linke in die Bewegung hineingetragen. Auch Bewegungen wie Extinction Rebellion, die vorher nicht sichtbar waren, nutzen „Fridays for Future“.

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Klaus Schroeder:

  • 1949 in Lübeck-Travemünde geboren
  • Schröder ist promovierter Soziologe und habilitierter Politikwissenschaftler
  • Er leitet den Forschungsverbund SED an der Freien Universität Berlin
  • Zuletzt hat er zusammen mit seiner Frau Monika Deutz-Schroeder das Buch „Der Kampf ist nicht zu Ende: Geschichte und Aktualität linker Gewalt" veröffentlicht (erschienen im Herder-Verlag)

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Das heißt, Sie glauben, dass sich „Fridays for Future“ zu wenig davon abgrenzt?

Die können das gar nicht. Die sind denen intellektuell gar nicht gewachsen. Es sind ja im wesentlichen jüngere Mädchen, die da mitlaufen. Ich glaube nicht, dass die in der Lage sind, mit geschulten Linksradikalen und Linksextremen auf Augenhöhe mitzuhalten.

Wobei man ja sagen muss, dass die Proteste immer absolut friedlich verlaufen sind. Ganz anders als etwa bei der Anti-AKW-Bewegung in den 70ern.

Das stimmt, das war von Anfang an viel radikaler. Die Bewegung war gesteuert von den K-Gruppen, das war schon teilweise sehr militant. Wir hatten ja bürgerkriegsähnliche Szenen. Aber passieren kann das immer wieder. Das geht wellenartig.

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Fridays for Future:

  • Die Schwedin Greta Thunberg initiierte die Bewegung 2018
  • Anfangs demonstrierte sie allein vor dem schwedischen Parlament
  • Inzwischen ist eine globale soziale Bewegung aus „Fridays for Future“ geworden

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Lenkt so eine Debatte über potenzielle linke Gewalt aber nicht von der tatsächlichen rechten Gewalt ab?

Ich wehre mich dagegen, das gegeneinander auszuspielen. Wir haben extremistische Gewalt von verschiedenen Seiten. Warum kann man nicht linke, rechte und islamistische Gewalt gleichermaßen ablehnen? Ich finde, dass die linke Gewalt immer verharmlost wird.

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Von 2001 bis 2018 gab es in Deutschland 25.327 linke und 18.683 rechte Gewalttaten. Man sieht, dass Bereitschaft zur Gewalt auf beiden Seiten da ist. Ich gehe davon aus, dass die rechte Gewalt im Moment bösartiger ist, da geht es um schwere Körperverletzung und Schlimmeres. Aber die linke Gewalt kann auch umschlagen. Deshalb müssen die gemäßigten Linken, wie die Grünen zum Beispiel, stärker auf Linksextreme einwirken und sagen, dass linksextreme Gewalt nicht geht. Wenn man damit zu leichtfertig umgeht und sie verharmlost, könnten schlichtere Gemüter auf der linken Seite denken: Jetzt ist die Zeit gekommen, loszulegen und aktiv zu werden.

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Hintergrund: Linke Gewalt - Rechte Gewalt

  • In den Kriminalitätsstatistiken haben linke Gewalttaten gegenüber rechten Gewalttaten oft ein Übergewicht
  • Dabei ist zu beachten, dass zum Beispiel auch Landfriedensbruch unter dem Begriff Gewalttaten gefasst wird
  • Wenn es etwa um Tötung, versuchte Tötung und Körperverletzung geht, gibt es ein deutliches Übergewicht an rechtsextremen Straftaten

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Auf der rechtsextremen Seite ist das tatsächlich ja schon passiert: Der Anschlag von Halle, der Mord an Walter Lübcke oder die NSU-Morde, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Ich glaube, dass das Denkvermögen und die Sozialstruktur bei Rechten anders ist. Linke sind reflektierter, die denken eher noch nach über das, was sie tun. Aber der Hass gegen Andersdenkende ist bei den Linksextremen genauso ausgeprägt wie bei den Rechtsextremen. Ich würde nicht die Hand dafür ins Feuer legen, dass sich nicht kleine linksextreme Gruppen weiter radikalisieren und auch Menschen schwer verletzen oder töten. In Leipzig sollen Linksextremisten zwei Kräne in Brand gesetzt haben, da hätten durchaus auch Menschen ums Leben kommen können. Dieses Extreme kann auf allen politischen Seiten durch Thesen im Netz noch verstärkt werden, so dass jemand, der ohnehin schon gewaltaffin ist, sich angestachelt fühlt.

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Können das auch Parteien sein? Bayerns Innenminister etwa hat nach dem Anschlag von Halle explizit Björn Höcke als „geistigen Brandstifter“ bezeichnet.

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich halte von dem Höcke gar nichts. Das, was die AfD macht, finde ich widerlich. Aber ich würde mit dem Begriff vom geistigen Brandstifter vorsichtig sein. Dass sich jemand durch seine Reden veranlasst fühlt, einen Anschlag zu begehen, das denke ich eher nicht.

 
 

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