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Kreuzfahrt: Plötzlich steuern Reedereien dieses umstrittene Reiseziel an

Kreuzfahrt-Reedereien strecken ihre Fühler in ein bislang unterrepräsentiertes Gebiet aus – trotz umstrittener Menschenrechtslage.

Kreuzfahrt-Schiff auf hoher See
u00a9 IMAGO / Eibner

Kreuzfahrten: Urlaub auf hoher See

Von Jahr zu Jahr stechen mehr Touristen in See. Kreuzfahrten werden weltweit immer beliebter. Auch immer mehr Deutsche machen Urlaub auf hoher See.

Traumstrände karibischer Inseln, fabelhafte Aussicht auf norwegische Fjorde oder einmal durch den berühmten Panamakanal. Auf einer Kreuzfahrt haben Reisende die einmalige Gelegenheit auf unvergessliche Abenteuer. Ein Gebiet gehörte lange Zeit nicht zu den typischen Kreuzfahrt-Zielen (mehr hier).

Doch jetzt scheint es ein Umdenken bei den Reedereien zu geben. Und das obwohl die Menschenrechtslage vor Ort mehr als bedenklich ist.

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Kreuzfahrt-Reedereien setzen auf unterversorgtes Gebiet

Die Rede ist vom Nahen Osten. Die Region sei nach Angaben von Kreuzfahrt-Experten Michael Ungerer „unterversorgt“, zitiert das Portal „Seatrade Cruise News“. Kein Wunder also, dass zahlreiche Reedereien mittlerweile die Fühler in das bislang wenig erschlossene Reisegebiet am Roten Meer, Persischem Golf und Arabischen Meer ausstrecken.

Einem „Welt“-Bericht zufolge steuern dabei auch immer mehr Kreuzfahrt-Anbieter Saudi-Arabien an. Und das obwohl von Gleichberechtigung in dem arabischen Wüstenstaat absolut keine Rede sein kann. Mehrtägige Reisen durch das streng muslimische Land sind deshalb bei den meisten Reisebegeisterten kaum auf der Agenda. „Nicht jeder wird das repressivste Land der Welt besuchen wollen, solange es seine Einstellung nicht ändert“, kommentiert der britische Reiseanbieter Responsible Travel. Doch als Kreuzfahrt-Destination tauche Saudi-Arabien immer mehr auf dem Radar auf.

Kreuzfahrt in die Repression

So sollen nach „Welt“-Angaben in der laufenden Wintersaison von November 2022 bis Mai 2023 mehr als 75 Dampfer weltweiter Reedereien an den saudischen Häfen anlegen. So viele wie nie zuvor. Ein Kurztrip über die Märkte in Dschiddah oder ein Ausflug nach Hegra am Rande der Lehmstadt Al-Ula (Unesco-Welterbestätte) gönnen sich die Urlauber offenbar schon.


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Die Kreuzfahrt führt immer mehr Reisende in das Land des Kronprinzen Muhammad Bin Salman (MBS), dessen Philosophie Islamwissenschaftler Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin im Polit-Magazin „Zenith“ folgendermaßen beschreibt: „MBS setzt auf einen neuen, durchgreifenden Autoritarismus, der nach dem Vorbild der Vereinigten Arabischen Emirate auf eine sehr viel weitgehendere Überwachung setzt und auch leicht abweichende politische Meinungsäußerungen der Saudis hart bestraft.“ Bevor Reisende einen Fuß auf das saudische Gebiet setzen, sollten sie sich deshalb in jedem Fall vorher über die strengen Regeln des Landes informieren.