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Berlinale: Ein Autogrammjäger packt aus: SO kommst Du ganz nah an die Stars

Am Donnerstag beginnt die Berlinale. Wie in jedem Jahr locken die Stars Fans aus der ganzen Welt an. Hier verrät ein professioneller Autogrammjäger, wie hart das Geschäft ist und wie Fans an Unterschriften ihrer Idole herankommen.

Autogrammjäger mit Fotografien von Schauspielerin Alba Rohrwacher am Roten Teppich bei der Premiere
© Imago / Seeliger

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Er war neun, als er sein erstes Autogramm ergatterte – “von irgendeinem Hertha-Spieler”. Inzwischen hat Ron Dabitz, 40, die Autogrammjagd zum Beruf gemacht. Wenn am Donnerstag (16. Februar) die Berlinale beginnt, stürzt sich der Familienvater aus Brandenburg wieder in den Nahkampf, um sich am Roten Teppich Fotos, Poster oder DVD’s signieren zu lassen. Im Interview mit unserer Redaktion verrät er, wie er die Promis aufspürt, welche Schauspieler dankbare Opfer sind und welche Preise er erzielt. 

Herr Dabitz, zur diesjährigen Berlinale kommen Cate Blanchett, John Malkovich, Kirsten Stewart, Sean Penn, Steven Spielberg und Boris Becker. Ein Pflichttermin für Autogrammjäger? 

Wenn man neu ist als Autogrammjäger: ja. Wenn man wie ich schon lange dabei ist und die Autogrammjagd professionell betreibt: jein. Nach so vielen Jahren wird das auch sehr anstrengend. Und von den meisten habe ich schon Autogramme. 

Aber die Schauspieler, die jetzt kommen, gehören doch zum Who’s Who der Branche. Verkaufen sich solche Autogramme nicht immer?

Doch, schon. Und ich arbeite ja auch auf Bestellung. Aber man muss auch gucken, ob der Aufwand den Ertrag rechtfertigt. Prominente wie Cate Blanchett versuchen halt, jedem Fan ein Autogramm zu geben. Und da der Sammler ein – ich sag’s mal so – Geier ist, hört es nicht auf. Cate Blanchett könnte einem Fan auch fünf Autogramme geben, und er hätte immer noch einen Gegenstand zum Signieren in der Tasche. 

Warum reicht ein Autogramm nicht aus?

Die Fans finden halt nicht nur einen Film von Cate Blanchett gut. Die lassen sich nicht nur eine DVD signieren, sondern vielleicht auch noch ein einzelnes Foto aus dem Film oder ein Foto von Cate Blanchett von der letzten Oscar-Verleihung. Es hört sich blöd an, aber man kann immer nie genug kriegen. 

Berlinale-Cate-Blanchett
Nahbarer Hollywood-Star: Auch Cate Blanchett ließ sich nicht zweimal um ein Autogramm bitten. Foto: Ron Daubnitz

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Jedes Jahr vor der Berlinale-Eröffnung frieren sich hunderte Autogrammjäger aus ganz Deutschland vor dem Berlinale-Palast den Hintern ab. Dabei kann man die Agenturen der Schauspieler ja auch anschreiben. Warum tun sich Leute das an? 

Das Frieren ist natürlich nicht cool. Und dafür, dass die Begegnung mit dem Star nur einen Moment dauert, ist der Aufwand gewaltig. Aber es geht um die Originalität des Autogrammes. Von den Agenturen werden ja auch Autogramme von Ghostwritern verschickt. Also, jemand wie Clint Eastwood hat höchstens zu Beginn seiner Karriere mal selber einen Stift zur Hand genommen. Auch bei Joe Pesci oder Robert de Niro weiß man, dass ihre Sekretäre die Fotos für sie signieren. Das geschulte Auge erkennt das sofort.  

Kann es sein, dass es weniger um das Autogramm geht als um die Jagd?

Genau, das ist der Punkt. Der Nervenkitzel spielt eine große Rolle. Das ist wie bei einem Pilzsammler, der in den Wald geht …. 

Na ja, vermutlich doch eher wie bei einem Jäger, der auf ein Wildschwein zielt. 

Ich wollte dieses Beispiel nicht bringen, weil es so brutal klingt. Aber der Begriff Jagd trifft es schon ziemlich gut. Man muss herausfinden, wo der Promi absteigt. Es geht darum, am Roten Teppich den richtigen Platz zu finden. Es kommt vor, dass Du stundenlang irgendwo wartest, und dann kommt der da gar nicht dahin.

Es geht um den Adrenalinschub?

Klar, wenn die Limousinen ankommen und mit ihnen der ganze Hofstaat, geht der Adrenalinspiegel hoch. Früher bin ich immer schon Stunden vorher am Roten Teppich gewesen, um den besten Platz zu ergattern und mich mit den anderen Autogrammjägern auszutauschen. Heute will ich will bloß nur noch losfahren, punktgenau landen, Autogramme holen – und ab nach Hause.  

Ist der Kampf am Roten Teppich härter geworden?

Ja, aber ich verzichte darauf, mich da rein zu stürzen. Meinen Kindern erkläre ich, sie sollen rücksichtsvoll sein, aber wenn ich mir heute Bilder davon angucke, wie ich früher aufgetreten bin, schlage ich selbst manchmal die Hände über dem Kopf zusammen. Das war wie bei einem Kampf. Wer ist näher dran? Wer drängelt sich schneller vor? Wer hat den längeren Arm? 

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Wie kann man seine Chance auf einen Treffer erhöhen?

Indem man seine Tricks nicht verrät (lacht). Das ist wie in jedem Business. Du darfst nicht zu viele von Deinem Insiderwissen weitergeben. 

Ach, kommen Sie. Wenigstens einen Trick können Sie doch verraten. 

Nur Anfänger kommen Stunden vorher und versuchen, am Roten Teppich in der ersten Reihe zu stehen. Als Profi brauche ich das nicht mehr. Ich hab nach Jahren einen Blick für die Lücke. (lacht). Wenn sich ein Star nach rechts bewegt, geht die Menge auch nach rechts. So entsteht eine Lücke, und schwupps, ist man drin. 

Welche Punkte in Berlin fahren Sie denn noch ab, um Schauspieler zu treffen? 

Den Flughafen und verschiedene Hotels, welche, verrate ich natürlich nicht. Die wichtigsten Informationen findet man nicht in irgendwelchen Klatschblättern oder in den sozialen Medien. Das läuft über Mundpropaganda. 

Der Concierge aus dem Hyatt am Potsdamer Platz schickt eine SMS: “Spielberg hat eingecheckt”? 

Nein, meistens wissen wir das schon vor ihm – man hat ja sein Netzwerk (lacht). 

Berlinale-Matt Damon
Kategorie: netter Kumpel: Matt Damon ließ sich auf einen Small Talk mit Ron Dabitz ein. Foto: Ron Daubnitz

Gibt es auch Tipps von Kollegen?

Natürlich, es gibt Kollegen, die mag man, andere nicht. 

Wie sieht Ihr Arbeitstag bei der Berlinale aus?

Ich quartiere mich in dieser Zeit selbst in einem Hotel in Berlin ein. Als es den Flughafen Tegel noch gab, bin ich morgens um sieben raus, um die erste Maschine aus den USA abzufangen. Wenn man Glück hatte, saß wer drin in der Maschine, sonst ist man in die Stadt gefahren, um zu gucken, ob sich irgendein Jury-Mitglied einen Kaffee holt, was inzwischen selten geworden ist. Wenn man Glück hatte, hat man sein letztes Autogramm um ein Uhr nachts vor einem Restaurant gesammelt.

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Ein lukratives Geschäft?

Über das Finanzielle möchte ich nicht so gerne reden. 

Sie haben vorhin gesagt, Sie arbeiten auch auf Bestellung.

Natürlich, irgendwie muss ich meine Ausgaben ja refinanzieren. Ich besorge die Autogramme aber nicht nur für Auftraggeber, ich habe auch noch eine eigene Sammlung. Da klebt immer Herzblut dran. Es kommen immer wieder Promis nach Berlin, auf die ich mich freue, weil ich sie schon jahrelang nicht mehr gesehen habe. 

Ihr Favorit bei der diesjährigen Berlinale?

Steven Spielberg. Seine Filme kennt doch fast jedes Kind,  “Der weiße Hai” oder “E.T.”, der Regisseur ist das Zugpferd dieser Berlinale. Von dem gibt es jetzt bessere Fotomotive als vor ein paar Jahren. Ganz am Anfang meiner Karriere gab es noch kein Internet und keine digitalen Kameras. Da habe ich mir die Fotos zum Signieren aus der “Bravo” herauskopiert. 

Wieviel Geld bringt Ihnen ein Autogramm von Spielberg? 

Da brauchste bloß bei Ebay nachschauen. Das geht bei 150 Dollar los, nach oben gibt es da keine Grenze. Das hängt ja auch vom Material ab. Ist die Unterschrift auf einem kleinen oder großen Foto oder auf einem Poster? Oder auf irgendeinem Gegenstand wie auf einer DVD? Ein Autogramm ist immer so viel Wert, wie ein Sammler bereit ist dafür zu bezahlen. 

Es gibt Fans, die übernachten vor Hoteleingängen, um ihr Idol abzupassen. Wie weit geht die Autogrammjagd bei Ihnen? 

Das entscheidet jeder selber. Also, ich würde mir das nicht antun. Ich höre auf die Grenzen, die mir mein Körper setzt. 

Was war Ihre abenteuerlichste Autogrammjagd?
Ich sammel europaweit. Ich fahr auch schon mal nach Amsterdam. Abenteuerlich waren immer die Geschichten mit Bud Spencer und Terrence Hill, das sind Idole meiner Kindheit. Bud Spencer hatte sein Büro in Rom, da bin ich einige Male mit einem Kumpel hingefahren, 15 Stunden mit dem Auto  von Berlin. Manchmal sind wir eine Woche geblieben, um auch die Nebendarsteller aus ihren Filmen zu besuchen und zu schauen, ob Anita Ekberg oder Gina Lollobrigida zu Hause waren.

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Welche Schauspieler geben bereitwillig Autogramme? Und bei wem ist es eher schwierig? 

Einen schlechten Tag hat jeder mal, auch wir Sammler. Da kann auch der netteste Promi mal schlechte Laune kriegen. Aber Matt Damon und George Clooney sind richtig nett. Mit Sean Penn dagegen ist es richtig schwierig, mit Madonna auch. 

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Als Profi dürften Sie ja von fast allen Autogramme haben? Oder gibt es jemanden, der in Ihrer Sammlung noch fehlt? 

Ja, aber die sind entweder schon tot oder so alt, dass sie nicht mehr kommen. Clint Eastwood würde ich gerne mal wieder treffen. 



Warum muss es eigentlich die Unterschrift sein? Was verrät so ein eilig dahin gekritzelter Kringel über den Star?

So ein Autogramm  ist doch Ausdruck der Persönlichkeit. Sean Penn zum Beispiel hat auch keine schöne Unterschrift. Aber viele große Stars schreiben ausgesprochen schön, Charly Sheen zum Beispiel. Aber natürlich geht es am Ende um das Gefühl: Boah, man hat bekommen, was man wollte!