Privatsender wollen HDTV nur verschlüsselt anbieten

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Essen/München. Die privaten Fernsehsender wollen ihre Bilder in HD-Qualität nur verschlüsselt anbieten. Nach RTL und Vox kündigten am Montag Sat 1, Pro 7 und kabel eins den Einstieg ins HDTV zum Januar 2010 an. Sie planen eine Sendetechnik, mit der sich das Programm nach Belieben regulieren lässt.

Die größten deutschen Privatsender wollen ihr HD-Fernsehprogramm nur verschlüsselt anbieten. Wie die Sender Sat 1, Pro 7 und Kabel Eins am Montag bekannt gaben, planen sie den HDTV-Sendestart über Satellit für Januar 2010. Geeignete Empfangsgeräte werde der Fachhandel rechtzeitig anbieten, heißt es. Damit bestätigen die Sender indirekt eine Warnung der Verbraucherzentrale NRW: Wer jetzt einen HD-Sat-Receiver kauft, heißt es bei der VZ, "dem droht eine Fehlinvestition". Weil die bisher auf dem Markt erhältlichen Empfangsgeräte mit einem anderen Schnittstellen-Standard ("CI Minus") ausgerüstet sind.

Gemeinsame Satelliten-Plattform

Wie die RTL-Gruppe will auch die ProSiebenSat.1 Media AG ihr HD-Programmangebot mit der neuen Zugangstechnologie "CI Plus" verschlüsseln. Von einem kompletten Umstieg war in der Pressemitteilung der German Free TV Holding GmbH, zu der die Sender Pro 7, Sat.1, kabel eins und der Nachrichtenkanal N 24 gehören, am Montag nicht die Rede. "Parallel werden die Programme weiterhin in Standardauflösung gesendet", heißt es.

Mit den bisher im Handel erhältlichen HD-Sat-Receivern wird sich das künftige HD-Programm der größten deutschen Privatsender nicht empfangen lassen. Auch eine Nachrüstmöglichkeit ist zumindest von RTL und Vox aus nicht vorgesehen, erklärte Andre Prahl, bei RTL zuständig für die Programmverbreitung: "Die herkömmliche CI-Schnittstelle gewährleistet den notwendigen Schutz der übertragenen Programmsignale nicht". Dabei geht es etwa um die Verschlüsselung von Programmen aus Jugendschutz-Gründen.

Sendetechnik könnte Zuschauer bevormunden

Die Verbraucherzentrale NRW sieht in dem Schritt der Privat-Sender die Basis für eine neue Ausrichtung des Programms hin zum Pay TV. Auch könnten die Sender durch die Verschlüsselung künftig Einfluss auf das Nutzerverhalten ausüben und die Fernsehzuschauer bevormunden, erklärt Rolf Dahlmann, Experte für digitale Medien der Verbraucherzentrale NRW: "Die TV-Sender können künftig zum Beispiel festlegen, ob eine Sendung aufgezeichnet werden kann, dass ein aufgenommener Spielfilm schon nach wenigen Tagen automatisch gelöscht wird, das schnelle Vorspulen von Werbeblöcken unterbinden oder eine zeitlich versetzte Widergabe unmöglich machen".

Konkrete Ziele für den Sendebetrieb in hochauflösenden Bildern hat die Pro7-Gruppe noch nicht bekannt gegeben. Allerdings deutet Marcus Englert, Vorstand in der ProSiebenSat.1 Media AG an: "Jetzt gilt es, neue Inhalte und Angebote für diesen Standard zu entwickeln".

Beim Verband des Technik-Einzelhandels (HBVT) hält sich Geschäftsfüher Willy Fischel mit Kritik zurück: "Offene Standardswären sicher gut für den Markt", meint Fischel. Aber wenn die Privatsender mit dem HD-Sendebetrieb die Weiche in Richtung Bezahlfernsehen stellen, "dann muss der Konsument entscheiden, ob er das nutzen will."

Die Kauf-Warnung der Verbraucherzentrale NRW wertet Fischel als "eine Art Boykott-Aufruf": "Das ist Verbraucherverunsicherung. Die Geräte, die der Handel derzeit bietet, sind zukunftssicher!"

 
 

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