Gelsenkirchen

Gelsenkirchen: Aus DIESEM Grund hat hier kaum jemand Interesse an den Grünen – „Klimaschutz ist mir egal“

Der rasante Aufstieg der AfD

Der rasante Aufstieg der AfD

Seit 2013 gibt es die Alternative für Deutschland (AfD). Seit ihrer Gründung hat die rechtspopulistische Partei einen rasanten Aufstieg hingelegt.

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Gelsenkirchen ist die AfD-Hochburg im Westen. Dafür kommen die Grünen im NRW-Vergleich eher schlecht weg. Doch was könnte der Grund sein? Wir haben uns im Stadtteil Schalke umgehört und eine Expertin dazu befragt.

Die Bundestagswahl ist gelaufen und Deutschland hat sich entschieden. Auch in Gelsenkirchen. Einen Tag nach der Wahl herrscht die Erkenntnis: In NRW schafften es die Grünen auf 16,1 Prozent. In Gelsenkirchen hingegen nur auf 10 Prozent. Dafür ist die Revier-Stadt die AfD-Hochburg (12,8 Prozent) in NRW (7,3 Prozent).

Gelsenkirchen hat im NRW-Vergleich einen höheren Anteil an AfD-Wählern – Grüne kommen dagegen nicht gut weg

Gelsenkirchen-Schalke am Tag nach der Wahl. Wir wollen wissen, wie die Stimmung hier ist. Dort, wo es die Menschen nicht unbedingt am besten haben. Die Arbeitslosenquote in Gelsenkirchen liegt bei 15,4 Prozent – fast dreimal so hoch wie in gesamt Deutschland! „Politik interessiert mich nicht so“, bekommt man hier öfters als Antwort auf die Frage, wie zufrieden man denn mit dem Ergebnis der Bundestagswahl sei.

Mitten auf der Schalker Meile begegnen uns Sabrina (36) und Michael (52). Sie klettern gerade aus einem Fenster eines leerstehenden Wohnhauses. Sie haben dort Unterschlupf gesucht. „Wir sind obdachlos“, erklärt Sabrina. Gewählt hat sie nicht. Obwohl das sogar möglich gewesen wäre. Wohnungslose können sich auf Eigeninitiative in ein Wählerverzeichnis eintragen lassen.

Gelsenkirchen-Schalke: Ein Besuch im Problemviertel am Tag nach der Wahl

Hätten Sabrina und Michael gewählt, dann vermutlich die SPD, wie sie betonen. Die Grünen hingegen würden „gar nicht gehen“. Auch die AfD ist nicht unbedingt der Favorit der Beiden. Eine Begründung für ihre politischen Ansichten haben sie allerdings nicht.

++++ Gelsenkirchen: Vorsicht vor diesem Mädchen – wenn es dir zu nahe kommt, dann reagiere sofort ++++

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Das ist die Stadt Gelsenkirchen:

  • Stadtteil Buer 1003 erstmals urkundlich erwähnt
  • rund 260.000 Einwohner, fünf Stadtbezirke und 18 Stadtteile, elftgrößte Stadt in NRW
  • Heimatstadt des Bundesligisten FC Schalke 04
  • Wahrzeichen unter anderen: Zoom Erlebniswelt, Wissenschaftspark Rheinelbe, Sport-Paradies
  • Oberbürgermeisterin ist Karin Welge (SPD)

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Zwar konnten die Grünen ihre Prozentpunkte seit der letzten Wahl 2017 in Gelsenkirchen fast verdoppeln, allerdings hinken sie im NRW-Vergleich hinterher. Doch warum ist das so? Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Susanne Pickel von der Uni Duisburg-Essen hat eine Vermutung.

Gelsenkirchen: Politikwissenschaftlerin gibt eine Einschätzung ab

„Das spricht für eine Überforderung. Die Grünen wollen schnelle Maßnahmen und, dass man dem Klimawandel rasch entgegentritt. Gelsenkirchen ist von der Kohle geprägt und die Menschen besitzen teilweise noch einen Bezug zu dieser Art der Energiegewinnung. Da kann ich mir schon gut vorstellen, dass man jetzt nicht so schnell sein Kreuz bei den Grünen macht, weil dann ein Strukturwandel wahrscheinlich schnell passieren wird.“

Einer, der sein Kreuz bestimmt auch nicht so schnell bei den Grünen machen wird, ist Steffen (44). Auch ihn treffen wir auf der Schalker Meile. Seit rund zehn Jahren lebt er hier. Er trägt eine Jeans, Sneakers und Trainingsjacke. Während wir uns über die Bundestagswahl unterhalten, zündet er sich entspannt eine Zigarette an.

Gelsenkirchen: „Klimaschutz ist mir egal“

Doch als das Thema auf die Grünen gelenkt wird, ist es vorbei mit der Entspannung. Die Partei sei absolut nichts für ihn. „Sollten die irgendwann mal an die Macht kommen, kann ich mein Auto doch direkt verkaufen. Ich habe keine Kinder und der Klimaschutz ist mir egal“, betont er.

Doch von der AfD halte er auch nicht viel: „Die sind auch nicht das Wahre“, findet er. Das sehen 12,8 Prozent der Gelsenkirchener hingegen völlig anders. Sie haben ihr Kreuz als Zweitstimme bei der AfD gemacht. Damit ist Gelsenkirchen die AfD-Hochburg in NRW.

Gelsenkirchen: „Es geht darum, dass Menschen nicht mitgenommen worden sind“

Doch dieser Trend kommt nicht von ungefähr, wie Prof. Dr. Susanne Pickel erklärt: „Es geht darum, dass Menschen nicht mitgenommen worden sind bei Veränderungen der Infrastruktur, bei der Veränderung von Arbeitsplätzen, bei der Veränderung von Kultur. Sie haben den Glauben daran verloren, dass andere Parteien ihnen zuhören und sie unterstützen.“ Auch die Angst vor fremden Dingen wie Menschen und Kulturen könnten durchaus eine Rolle spielen.

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Die nächste Bundestagswahl gibt es 2025. Eine Prognose, wie sich die Wählerschaft in Gelsenkirchen entwickeln könnte, wagt die Expertin nicht. Vier Jahre sind eine lange Zeit und bis dahin kann politisch viel passieren. Auch in Gelsenkirchen.

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