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Tierheim Essen schlägt Alarm – „Habe Angst, dass es bald überall Straßenhunde gibt“

Das Tierheim Essen ist komplett überfüllt. Die Lage spitzt sich dramatisch zu und die Leiterin hat große Sorgen.

Tierheim Essen
© Chaleen Goehrke/ DER WESTEN

Das ist das Tierheim Essen

Das Tierheim Essen bietet herrenlosen Hunden, Katzen, Kleintieren, Schlangen und Schildkröten ein Zuhause. Viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer kümmern sich um die Tiere in Not.

Die Tierheime in NRW blicken auf schwierige Zeiten. Überall sind die Einrichtungen überfüllt, und dennoch kommen täglich neue Abgabe-Anfragen. Doch die Mitarbeiter wissen einfach nicht mehr, wohin mit den armen Tieren.

Auch das Tierheim Essen hat aktuell einen Aufnahmestopp verhängt. Wir haben dem Tierheim und seinen tierischen Bewohnern einen Besuch abgestattet. Tierheim-Leiterin Jeanette Gudd hat im Gespräch mit DER WESTEN klar gemacht, wie ernst die Situation ist.

Tierheim Essen „voll bis unters Dach“

„Wir können im Moment keine Abgabetiere annehmen, weil wir voll bis unters Dach sind. Und wir müssen für die anwesenden Tiere noch eine adäquate Versorgung gewährleisten können. Es benötigt also auch genug Personal, aber durch die psychische Belastung fallen auch immer wieder welche aus“, wird Jeanette Gudd direkt zu Beginn deutlich. Auch ihr ist die emotionale Belastung in den Augen anzusehen.  

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49 Hunde und noch 16 auf der Pflegestelle, hinzu kommen 200 Katzen, wovon 50 bei den Pflegestellen untergebracht wurden, plus der zahlreichen Kleintiere. Auf dem Gelände wurde sogar schon ein Container aufgestellt, um zusätzlichen Platz für die Katzen zu schaffen. So sieht die bittere Realität aus. „Wir können die Tiere ja nicht aufeinanderstapeln“, erklärt die 50-Jährige. Die Anfragen für Abgaben kämen nicht nur aus Essen, sondern aus ganz Deutschland mittlerweile.  

Tierheim Essen
Tierheim Essen: Leiterin Jeanette Gudd mit Katze auf dem Arm. Foto: Chaleen Goehrke/ DER WESTEN

„Die Gründe sind einfach, dass Menschen sich keine Gedanken mehr über die Gefühle der Tiere machen und sie zu Wergwerfobjekten machen. Das sind sicherlich noch Nachwehen von Corona und viele Menschen können sich die Haltung durch die gestiegenen Tierarztkosten nicht mehr leisten, sodass sie im Tierheim abgegeben werden“, so ihre Erklärung.  

Tierheim-Leiterin mit großer Angst

Die Tierheim-Leiterin weiß nicht mehr weiter. Sie hat große Sorgen. „Ich habe fast ein bisschen Angst, dass wir hier bald spanische Verhältnisse haben und hier jede Menge Straßenhunde haben, weil die Halter die Tiere einfach laufen lassen. Aber im Moment weiß ich keine Lösung dafür. Klar, man kann neue Tierheime bauen, aber das Problem mit den schwer vermittelbaren Hunden bleibt ja.“ Die Menschen würden das perfekte Haustier suchen und weder Zeit noch Geld in eine professionelle Erziehung stecken wollen, wenn es zu Problemen komme. Deshalb würden auch immer mehr verhaltensauffällige Tiere, insbesondere Hunde, im Tierheim Essen verweilen.


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Die Anschaffung sei inzwischen schlicht zu einfach. Sei es im Ausland oder auf diversen Online-Plattformen. Im Tierheim werden die Halter erst auf Herz und Nieren geprüft, um sicher zu gehen, dass nicht nur die Chemie zwischen Tier und Mensch stimmt, sondern auch die Rahmenbedingungen. Damit es eben nicht nach zwei Wochen wieder zu einem traurigen Wiedersehen kommt.