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Essener Norden: Hohe Corona-Zahlen keine Überraschung? „Vielen sind Regeln egal“

Vektor, Totimpfung, mRNA? Diese Impfstoff-Arten gibt es

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Diese Impfstoff-Arten gibt es und so funktionieren sie.

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Essen. Im Essener Norden schießen die Corona-Zahlen in die Höhe!

Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt laut Robert-Koch-Institut (RKI) in der Stadt Essen bei 146,4 (Stand 5. Mai). Beim Blick auf die einzelnen Stadtbezirke wird schnell klar: Die Zahlen im Essener Norden sind um einiges höher als die im Süden!

Viele Menschen vor Ort überrascht das allerdings nicht.

Essener Norden kämpft gegen hohen Corona-Zahlen

Während der Süden von Essen mit den Stadtbezirken Werden/Kettwig/Bredeney (81 Fälle), Ruhrhalbinsel (82 Fälle) und Rüttenscheid/Bergerhausen (105 Fälle) recht gut durch die Pandemie kommt, explodiert die Fallzahl im wahrsten Sinne, je nördlicher es in Essen geht. Traurige Spitzenreiter: die nördlichen Stadtbezirke Essen-West (383 Fälle), Borbeck (296 Fälle), Steele/Kray (282 Fälle), Altenessen/Karnap/Vogelheim (274 Fälle) und Zollverein (247 Fälle).

DER WESTEN ist im Essener Norden unterwegs gewesen, hat mit Menschen gesprochen, die die Gegebenheiten vor Ort kennen.

Dazu gehört auch Thomas Spilker (60). Er lebt in Altenessen, betreibt ein Eisenbahnmodell-Geschäft in Katernberg und wohnt seit Jahrzehnten im Essener Norden. Für ihn ist es nicht überraschend, dass der Norden in Sachen Corona-Fallzahl weit schlechter abschneidet als der Süden.

Der Händler: „Der Norden ist und war immer eine Arbeitersiedlung mit kleinen Wohnungen und großen Familien.“ Und weiter: „Im ganzen Norden beobachtet man aber beispielsweise beim Einkaufen, dass sich viele nicht an die Spielregeln halten. Sie sind ihnen egal. Ich kenne auch viele Menschen mit Migrationshintergrund, die Angst vor dem Impfen haben. Da ist Aufklärung, Aufklärung und nochmal Aufklärung nötig.“

Er findet es nicht richtig, wenn in bestimmten Wohnvierteln Durchsagen in anderen Sprachen durchgegeben werden. Der 60-Jährige: „Das würde Betroffenen zeigen, dass sie ja gar kein Deutsch lernen bräuchten. Das wäre ein falsches Signal.“

Das sehen andere, mit denen DER WESTEN gesprochen hat, anders. Zum Beispiel Pensionsbetreiber Johannes Maas (67), der ebenfalls im Essener Norden lebt. Er sieht Handlungsbedarf.

Maas: „Es reicht oft schon aus, wenn man die AHA-Regeln einhält. Meiner Meinung nach müssten wir die Imame in den Moscheen mehr in die Pflicht nehmen, denn auf sie hören viele Menschen, sie dringen zu ihnen durch. Das gilt auch für Sozialarbeiter. Es macht auch Sinn, wenn die Stadt Essen einfach mal Handzettel in mehreren Sprachen in die Briefkästen verteilen lässt.“

Seine Frau sei Lehrerin, würde deshalb vieles aus der Lebenswirklichkeit ihrer Schüler erleben. Maas: „Wenn die Familien der Schüler in kleinen Wohnungen leben, kaum Deutsch sprechen und generell Bildung nicht für wichtig erachten, wird es schwierig. Meine Frau bekommt bis spätabends von ihren Schülern Fragen zu Aufgaben. Dabei könnten auch Eltern viel helfen, gerade bei den jungen Schülern. Die Menschen hier müssen informiert werden. Und wer sich nicht impfen lassen will, soll sich wenigstens testen lassen. Nur so bekommen wir die Pandemie vom Gleis.“

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Das ist die Stadt Essen:

  • geht auf das vor 850 gegründete Frauenstift Essen zurück
  • 582.760 Einwohner, neun Stadtbezirke und 50 Stadtteile, viertgrößte Stadt in NRW
  • seit 1958 Sitz des neugegründeten Bistums Essen
  • Wahrzeichen unter anderen: Zeche Zollverein, Villa Hügel, Grugapark Essen
  • war 2010 Kulturhauptstadt Europas und 2017 Grüne Hauptstadt Europas
  • Oberbürgermeister ist Thomas Kufen (CDU)

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Feuerwehr-Mann aus Essener Norden: „Es fehlt hier vielen an Disziplin“

Norbert Ranik (66) lebt in Katernberg, ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Er hat einen klaren Grund dafür erkannt, warum die Corona-Fallzahl auch in seinem Stadtbezirk so hoch ist.

Ranik: „Die Schulen hätten meiner Meinung nach nie geschlossen werden dürfen. Wären sie permanent geöffnet geblieben, hätten mindestens die Kinder vieler Familien, die hier noch nicht richtig integriert sind oder die Sprache nicht sprechen, die Corona-Regeln mit nachhause genommen. Das Kind hätte mit der Zeit seinen Eltern die Verhaltensregeln lehren können.“

Generell sei er nicht mit der Corona-Politik der Bundesregierung zufrieden. Der 66-Jährige: „Man kann nicht etwas beschließen, was man nicht überwachen kann. Die Ausgangssperre ist ein gutes Beispiel dafür. Es fehlt hier vielen Menschen an Disziplin.“

Frau aus dem Essener Norden: „Wir sind Menschen und können nicht umprogrammiert werden“

Sema Tas (31) lebt ebenfalls im Essener Norden, hat eine kleine Wohnung mit ihrem Mann Ismail in Altendorf. Sie wundert sich nicht, warum die Corona-Fallzahl hier vergleichsweise hoch ist. Sie zu DER WESTEN: „Wir halten uns weitgehend an die Regeln. Aber ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich auch nicht immer auf den Mindestabstand halte. Man kommt sich dann doch nahe, gerade bei Freunden und Familie. Wir sind schließlich Menschen und können nicht umprogrammiert werden.“

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Stadt plant für Essener Norden Impf-Aufklärung

Die Stadt Essen plant vor allem beim Impfen mehr Aufklärung. Denn auch in den migrantischen Communities geistern Falschmeldungen über Todesfälle nach Impfungen oder Unfruchtbarkeit bei Frauen herum. Essen plant beispielsweise ein Aufklärungsvideo mit arabischen Ärzten, teilte Stadtsprecherin Silke Lenz gegenüber DER WESTEN mit. Auch Oberbürgermeister Thomas Kufen (47, CDU) will sich gemeinsam mit Imamen anlässlich des anstehenden Zuckerfestes an die muslimische Gemeinde wenden. In Quartieren und Stadtteilen sollen mehrsprachige Impfsprechstunden angeboten werden.

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Es bleibt zu hoffen, dass diese Pläne Früchte tragen werden.

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Unser Reporter Metin Gülmen, selbst gläubiger Muslim, sieht das jedoch anders – und spricht sich deutlich gegen Lockerungen zum Zuckerfest aus. Seinen Kommentar findest du HIER <<<.

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