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Duisburg: Apotheke schimpft über schlimme Zustände – „Beschwerde bitte an Karl Lauterbach“

In einer Duisburger Apotheke wird auf die massiven Lieferprobleme bei Medikamenten hingewiesen. Ausgerechnet an IHN sollen Kunden ihre Beschwerde richten.

Duisburg
© IMAGO / imagebroker

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Nicht nur im Supermarkt, auch in Apotheken müssen Kunden derzeit starke Nerven mitbringen. Denn es mangelt seit einiger Zeit nicht nur an beliebten Lebensmitteln, sondern auch an Medikamenten, manche davon sogar lebensnotwendig. Viele Kunden wichen deshalb schon auf Produkte aus Drogerien wie dm aus – mit verheerenden Folgen!

Auch die Regatta-Apotheke in Duisburg-Wedau sieht sich mit den Lieferschwierigkeiten von zahlreichen Arzneimitteln konfrontiert. Damit Kunden nicht immer wieder am Telefon oder im Geschäft erklärt werden muss, was hinter den fehlenden Medikamenten steckt und ausgerechnet die Mitarbeiter für die Probleme verantwortlich gemacht werden, hat sich die Inhaberin der Duisburger Apotheke etwas einfallen lassen.

Duisburg: Apotheke verweist an Karl Lauterbach

„Ist auch Ihr Arzneimittel von Lieferproblemen betroffen?“, heißt es in dem Aushang, den Martina Reh, Inhaberin der Regatta-Apotheke in Duisburg-Wedau, an die Plexiglasscheibe im Eingang des Geschäfts gehangen hat. „Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass wir die Hintergründe aus Zeitmangel nicht mit Ihnen diskutieren können. Außerdem sind die Apotheken nicht Urheber dieser sich schon lange abzeichnenden Misere“, ist weiter zu lesen.

Regatta-Apotheke Duisburg Wedau
Dieser Aushang ist bei der Regatta-Apotheke in Duisburg-Wedau im Eingang zu lesen. Foto: Regatta-Apotheke Duisburg Wedau

Falls Kunden dennoch vorhätten, sich zu beschweren, so sollten sie ihrem Ärger nicht in der Apotheke Luft machen: „Ihrer Beschwerde widmen sich sicherlich gerne Prof. Karl Lauterbach, Bundesministerium für Gesundheit (…) oder Ihre Krankenkasse“, endet das Hinweisschild. Doch stammt der Aushang wirklich aus der Feder der Duisburger Apotheke? DER WESTEN hat bei Inhaberin Martina Reh nachgehakt.

Tatsächlich sei der Flyer vom Verein „Freie Apothekerschaft“ entworfen worden. Doch der Duisburger Apotheken-Chefin hätte dieser sofort gut gefallen. „Ich fand’s informativ und hab es deshalb an die Scheibe gehängt“, erklärt sie auf Nachfrage dieser Redaktion. „Es ist ja mittlerweile bekannt, dass es nicht so gut steht um die Lieferfähigkeit von Arzneimitteln.“ Und das klingt bei der Zahl, die Reh dann nennt, fast noch untertrieben.

Rund 200 Medikamente von Lieferproblemen betroffen

Etwa 200 Medikamente seien derzeit von Lieferschwierigkeiten betroffen. Doch auch wenn diese Zahl erschreckend hoch klingt und eine dramatische Lage verheißt, so bleibt die Pharmazeutin dennoch gelassen. „Wir sind eine relativ kleine Apotheke und es sind „nur“ 200 Arzneimittel. Ich kann mir vorstellen, dass irgendwelche City-Center-Apotheken noch deutlich mehr Defekte – im Sinne von Lieferproblemen – haben.“

Dagegen wird wohl auch der Aushang keine Abhilfe schaffen. Aber es ist ein Versuch der Apotheker-Gemeinschaft, Transparenz für die aktuelle Situation zu schaffen. Und tatsächlich zeige der Hinweis im Eingang Wirkung, wie Martina Reh gegenüber unserer Redaktion bestätigt. „Wir werden da schon drauf angesprochen und kriegen weitestgehend positives Feedback.“


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Kunden würden den Apotheken-Mitarbeitern sogar verständnisvoller begegnen. Außerdem habe Reh das Gefühl, dass die Kunden realisieren: „Da muss etwas getan werden.“ Doch auf die Frage, ob die Inhaberin der Regatta-Apotheke wirklich glaubt, dass Kunden sich mit ihrer Beschwerde ans Bundesministerium für Gesundheit oder sogar Gesundheitsminister Karl Lauterbach persönlich wenden werden, entgegnet sie mit einem Lachen. „Glauben tue ich es nicht wirklich, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.“

Doch vor allem bleibt zu hoffen, dass sich die Lage in Apotheken nicht weiter zuspitzt. Welche Gründe es für die Engpässe bei Medikamenten gibt und ob Patienten auf eine baldige Besserung der Lage hoffen können, das erfährst du hier >>>.