Bochum: EU verbietet Tattoo-Farben – Tätowierer machtlos: „Bitter, wenn die Existenz dranhängt“

In Bochum und der ganzen EU sind bunte Tattoos seit dem 4. Januar tabu. (Symbolbild)
In Bochum und der ganzen EU sind bunte Tattoos seit dem 4. Januar tabu. (Symbolbild)
Foto: imago images/localpic

In Bochum sieht ein Tätowierer buchstäblich schwarz!

Seit Dienstag verbietet die EU bestimmte Pigmente für Tattoo-Farben. Das Problem für viele Tätowierer ist nur, dass fast alle gängigen Farben diese Chemikalien enthalten. DER WESTEN hat mit Tätowierer Thomas Krug aus Bochum gesprochen. Er versteht die Welt nicht mehr.

Bochum: Tätowierer kann Verbot von Tattoo-Farben nicht verstehen

In den „New Hope Tattoo Club” kommen die Menschen, weil sie von Thomas Krug ein ganz persönliches Motiv auf ihrer Haut verewigen lassen wollen.

Das können sie auch immer noch, seit dem 4. Januar 2022 müssen sie jedoch auf bunte Drachen, Blumen und alle anderen farbigen Motive verzichten. Das haben das Europäische Parlament und der Rat zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe, kurz REACH, entschieden.

Laut Europäischer Chemikalienagentur (ECHA) würden die Farben „gefährliche Stoffe enthalten, die Hautallergien und andere schwerwiegendere Auswirkungen auf die Gesundheit wie genetische Mutationen und Krebs verursachen.“ Farbpigmente könnten über die Haut zudem in verschiedene Organe wie die Lymphknoten oder die Leber gelangen.

Tätowierer Thomas Krug kann die Argumentation nicht nachvollziehen: „Das Risiko, sich beim Tätowieren irgendwas zu holen, ist quasi gleich Null. Deshalb verstehe ich nicht, warum die EU das regulieren will. Das macht keinen Sinn.“

Seine Erfahrung zeige etwas anderes: „In 20 Jahren hatte ich vielleicht eine Handvoll Fälle, die eine allergische Reaktion hatten. Meiner Erfahrung nach dauert das ein paar Wochen und dann ist das erledigt.“

Erst Corona dann Farben-Verbot – Tätowierer redet Klartext

„Zigaretten und Alkohol darfst du kaufen. Und bei Zigaretten stehen unzählige Stoffe drauf, die nachweislich schädlich sind. Und dann denke ich mir: 'Zigaretten darf ich mit 18 kaufen und selbst entscheiden, obwohl da nachweislich krebserregende Substanzen drin sind und bei Tattoos ist nichts erwiesen und das darf ich nicht?' Irgendwie doppelmoralisch! Auf jeden Fall bitter, wenn man daran denkt, dass die Existenz auch noch dranhängt“, zieht der Bochumer den Vergleich mit der Zigaretten-Industrie und versteht die Welt nicht mehr.

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Bereits die zahlreichen Corona-Maßnahmen zwangen viele Tattoo-Studios im vergangenen Jahr in die Knie. Nun wird ihre Arbeit weiter eingeschränkt. Vor dem Verbot konnte sich Krug vor Anfragen kaum retten, weil viele Kunden sich schnell noch mit den bunten Farben stechen lassen wollten. Nun sieht die Auftragslage ganz anders aus: „Ich habe deutlich weniger Termine. Es sind schon einige Leute, die erstmal warten wollen, wie sich das mit den Farben entwickelt. Schwarz und Grau schränkt da schon ein“, berichtet der 45-Jährige.

Die Alternativen sind aktuell noch rar. Krug hat sich bei einem Farbhersteller seines Vertrauens eine Farbpalette vorbestellt, die den REACH-Auflagen entsprechen sollen. Im Laufe des Monats soll das Angebot zur Verfügung stehen. Da will er dann direkt zuschlagen.

Ab 2023 nur noch schwarz, weiß und grau?

Die Zukunft sieht für Farbtätowierer leider noch weniger rosig aus. Von Januar 2023 an sollen die Pigmente „Blau 15:3“ und „Grün 7“ ebenfalls verboten werden. Vor allem ohne den Blauton werden bunte Tätowierungen mehr oder weniger unmöglich, wenn bis dahin kein gleichwertiger Ersatzstoff gefunden ist. Nur Schwarz, Grau und Weiß könnten dann noch eingesetzt werden.

Auch Krug blickt mit Anspannung auf die weiteren Entwicklungen. „Im nächsten Jahr geht der ganze Zirkus ja nochmal wieder los. Weil dann darf ich ja wahrscheinlich die Farben, die ich mir jetzt kaufe, auch nicht mehr benutzen.“ Vollkommen entmutigen lassen will er sich dennoch nicht: „Aber es muss irgendwie weiter gehen. Was anderes kann ich nicht.“