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Mesut Özil im Kreuzfeuer der Kritik – dabei sorgte er mit diesen Worten doch längst für Klarheit

Mesut Özil musste sich immer wieder für seine kulturelle Identität rechtfertigen - warum eigentlich?
Mesut Özil musste sich immer wieder für seine kulturelle Identität rechtfertigen - warum eigentlich?
Foto: imago/DeFodi

Essen. Mesut Özil bleibt auch Wochen nach dem WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft das große Thema in Fußball-Deutschland.

Das Foto von Mesut Özil, Ilkay Gündogan und dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan steht immer noch im Zentrum der Diskussionen. DFB-Präsident Reinhard Grindel forderte Mesut Özil vor wenigen Tagen zu einer öffentlichen Stellungnahme auf. Kurz zuvor hatte DFB-Teammanager Oliver Bierhoff behauptet, der DFB hätte nach dem Erdogan-Eklat „überlegen müssen, ob man sportlich auf Özil verzichtet“.

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Kritik an Mesut Özil reißt nicht ab

Viele Fans der deutschen Nationalmannschaft fühlten sich durch diese Aussagen in ihrer eigenen Meinung bestärkt, wonach Mesut Özil als großer Sündenbock für das peinliche Vorrunden-Aus des DFB-Team herhalten müsse.

Der ewige Vorwurf: Mesut Özil hätte durch das Erdogan-Foto erneut zum Ausdruck gebracht, dass er sich nicht zu Deutschland bekennt. Das mangelnde Bekenntnis zur Bundesrepublik sei dann der Grund für mangelnde Leistung auf dem Fußballplatz, so die Meinung an manch einem Stammtisch.

Mesut Özil bekannte sich oft zu Deutschland

Dabei hat Mesut Özil schon oft betont, wie sehr er sich mit Deutschland identifiziert. Der Journalist Felix Tamsut hat bei Twitter einen aussagekräftigen Thread eröffnet, in dem er viele Interviews sammelte. In diesen erklärte Özil im Laufe der vergangenen Jahre immer wieder, dass er sich klar zu Deutschland bekennt.

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Mesut Özil: „Es ist eine Ehre, für Deutschland zu spielen“

So sagte Özil der „Zeit“ während der WM 2010: „Es ist eine Ehre, dass ich für Deutschland spielen darf. Das ist ein großer Kindheitstraum von mir. Es war von Anfang an klar, dass ich für Deutschland spielen werde. Wenn ich auf dem Platz stehe, bin ich immer noch stolz und bekomme Gänsehaut.“

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Ob er die Nationalhymne mitsinge oder nicht, verrate nichts über seine Identifikation mit Deutschland: „Ich kenne den Text der Nationalhymne natürlich. Jeder muss für sich wissen, ob er mitsingt. Man muss ja nicht unbedingt die Mundbewegung machen, vielleicht singt einer auch von innen. Obwohl ich nicht mitsinge, identifiziere ich mich hundertprozentig mit Deutschland.“

„Ich spiele für Deutschland, weil ich mich als Deutscher fühle“

Nach der WM 2010 sagte Özil dem Magazin „GQ“: „Ich spiele für Deutschland, weil ich mich als Deutscher fühle. Gleichzeitig betone ich aber, dass ich stolz bin auf meine türkischen Wurzeln.“

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Özil weiter: „Wir sprechen auch untereinander viel über unsere Herkunft. Mich interessiert alles, was Jérôme Boateng über Ghana erzählt, Dennis Aogo über Nigeria oder wenn Cacau von seiner Familie in Brasilien berichtet. Libanesen, Türken, Tunesier, Deutsche. Und von jedem habe ich mir etwas abgeguckt. In Frankreich ist das schon lang so, dass Fußballer aus unterschiedlichen Kulturen in einer Mannschaft zusammenspielen und jetzt eben auch bei uns. So ist die Welt heutzutage. Das muss in die Köpfe.“

Mesut Özil: „Ich liebe Deutschland“

Vor einem EM-Quali-Spiel zwischen Deutschland und der Türkei im Jahr 2011 sagte Özil der türkischen Zeitung „Radikal“: „Ich liebe Deutschland genauso wie ich die Türkei liebe.“

Ebenfalls im Rahmen dieses Quali-Spiels meinte er: „Meine Familie und ich werden immer auch türkisch sein, aber ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen. Daher fühle ich mich in einem deutschen Trikot wohler.“

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Der „Sport Bild“ sagte Özil im Jahr 2015, er sei verwundert, dass er als Deutsch-Türke bezeichnet werde. Schließlich fühle er sich als Deutscher. Özil: „Bei Sami Khedira sagt keiner 'der Deutsch--Tunesier' oder bei Lukas Podolski und Miroslav Klose 'der Deutsch-Pole'. Viele vergessen, dass ich in Gelsenkirchen geboren wurde, in Deutschland aufwuchs.“

Papa Özil: „Mesut möchte sich nicht mehr erklären“

Dem „Tagesspiegel“ versicherte er vor der WM, dass er auch nach vielen Jahren bei Real Madrid und dem FC Arsenal immer noch die deutsche Mentalität lebe: „Die verlierst du nicht!“

+++ Kommentar: Die DFB-Karriere von Özil ist beendet +++

In den beiden vergangenen Jahren gab er zudem umfangreiche Interviews, in denen er seine Verbundenheit zu seiner Gelsenkirchener Heimat zum Ausdruck brachte. „Ich bekomme immer wieder Heimweh nach Gelsenkirchen“, sagte er der Tageszeitung „Welt“, und dem Magazin „11 Freunde“ sagte er: „Ich bin gerne dort. Ist ein Stück Heimat. Man darf nicht vergessen, wo man herkommt. Der Affenkäfig (Bolzplatz in der Olgastraße, d. Red.) sieht aber ganz schön einsam aus, da spielen kaum noch Kinder. Schade.“

Immer und immer wieder musste Özil sich in seiner Karriere zu Deutschland bekennen. Damit war für ihn in diesem Sommer Schluss. „Er möchte sich nicht mehr erklären“, sagte sein Vater Mustafa der „BamS“: „Er möchte sich nicht immer verteidigen müssen.“

Die Kritik an Mesut Özil - ein Überblick

Nach dem Aus der DFB-Elf bei der WM in Russland hatte Oliver Bierhoff der Zeitung „Welt“ ein Interview gegeben, in dem der DFB-Teammanager meinte: „Man hätte überlegen müssen, ob man sportlich auf Özil verzichtet.“ Hier alle Aussagen von Bierhoff im Wortlaut

Tage später sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel dem „kicker“: „Es stimmt, dass sich Mesut bisher nicht geäußert hat. Das hat viele Fans enttäuscht, weil sie Fragen haben und eine Antwort erwarten. Diese erwarten sie zu Recht. Deshalb ist für mich völlig klar, dass sich Mesut, wenn er aus dem Urlaub zurückkehrt, auch in seinem Interesse öffentlich äußern sollte."

Grindel hofft sogar, "dass Özils Stellungnahme so eindeutig ist, dass die Fragen der Fans und des Verbandes beantwortet sind.“ Hier alle Einzelheiten zu Grindels Aussagen

Viel Zuspruch für Mesut Özil

Von vielen Seiten wurde Mesut Özil daraufhin in Schutz genommen. So schrieb NRW-Ministerpräsident Armin Laschet bei Twitter: „Auf die Idee, dass ein Foto mit Erdogan an der Niederlage gegen den Fußball-Giganten Südkorea schuld sein soll, können auch nur DFB-Funktionäre nach drei Wochen Nachdenken kommen.“ Hier alle Infos

+++ Mesut Özil redet Klartext: Darum singe ich die Nationalhymne nicht mit +++

Cem Özdemir warf dem DFB „verbandsinterne Feigheit“ vor. „Statt sich jetzt entschlossen gegen die leider auch eindeutig rassistisch grundierte Kritik zu stemmen, hauen die Protagonisten Grindel und Bierhoff noch tiefer in die Kerbe der Özil-Kritik“, sagte der Grünen-Politiker der „Zeit“ (hier die ganzen Aussagen von Özdemir).

Zentralrat der Muslime fordert Rücktritt von Bierhoff und Grindel

Aiman Mazyek, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, wurde bei ESPN mit den Worten zitiert: „Rohes Spiel wird im Sport mit einer Roten Karte bestraft. Bierhoff und Grindel müssen zurücktreten, wenn sie in ihrer langen Karriere nichts anderes gelernt haben als: ‚Du verlierst als Özil‘ anstelle von ‚Du verlierst als Mannschaft‘.“

Die frühere Bundesbeauftragte für Integration, Aydan Özoguz (SPD), sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Die Debatte treibt schon etwas merkwürdige Blüten. In den letzten Jahren haben viele Dinge Spannungen im deutsch-türkischen Verhältnis und Vorbehalte auf allen Seiten erzeugt.“

Woflgang Schäuble wurde deutlicher. „Irgendjemand beim DFB, in dem lauter kluge und hochbezahlte Leute sind, hätte dafür sorgen müssen, dass das nicht so eskaliert“, sagte der Bundestagspräsident der „Zeit“.

Auch sein früherer Arsenal- und Nationalmannschaftskollege Per Mertesacker meinte: „Alles an seiner Person festzumachen, ist falsch. Ich glaube, es ist ganz gut, dass er jetzt im Urlaub ist, dass er mal zurückblicken kann. Ich denke, da ist er auch schon sehr selbstkritisch mit sich und kann das gut einschätzen.“

Özils Vater entsetzt

Die Ausführungen von Bierhoff kann Mesut Özils Vater nicht nachvollziehen. „Diese Aussage ist eine Frechheit. Sie dient meiner Meinung nach nur dazu, die eigene Haut zu retten“, so Mustafa Özil im Gespräch mit der „BamS“.

Mustafa Özil weiter: „Die ganze Mannschaft hat versagt, nicht ein Einzelner. Jetzt nur Mesut oder Ilkay Gündogan verantwortlich machen zu wollen, ist doch Schwachsinn. Das ist viel zu billig! Es hieß immer: Wenn wir gewinnen, gewinnen wir zusammen. Aber wenn wir verlieren, verlieren wir wegen Özil?“

Für Musfafa Özil steht fest: An Mesuts Stelle wurde er aus der Nationalmannschaft zurücktreten (hier alle Ausführungen von Özils Vater).

Erdogan-Eklat: Das war passiert

Am 13. Mai kam es in London zu einem Treffen des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan und den Premier-League-Spielern Mesut Özil (FC Arsenal), Ilkay Gündogan (Manchester City) und Cenk Tosun (FC Everton). Die drei Spieler überreichten Erdogan jeweils eines ihrer Trikots und ließen sich bei der Übergabe von den anwesenden Medien ablichten.

In Deutschland hagelte es für die beiden Nationalspieler massiv Kritik. Der öffentliche Auftritt sei Wahlkampfhilfe für Erdogan gewesen, hieß es. Bei Testspielen gegen Österreich und Saudi-Arabien vor der WM gab es gar Pfiffe von deutschen Fans für Özil und Gündogan.

Am 18. Mai trafen die beiden Spieler sich mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Während Gündogan sich daraufhin der Presse stellte, äußerte Özil sich nie zum Treffen mit Erdogan.

Mesut Özil in der Nationalmannschaft

Mesut Özil gab am 11. Februar 2009 sein Debüt in der deutschen A-Nationalmannschaft. Im gleichen Jahr gewann er mit der U21 des DFB die Europameisterschaft.

Für die A-Nationalmannschaft absolvierte Özil 92 Partien, in denen er 23 Treffer erzielte und 40 weitere vorbereitete. 2014 wurde er mit der DFB-Elf Weltmeister. Bei den Europameisterschaften 2012 und 2016 sowie bei der WM 2010 erreichte er mit der deutschen Auswahl jeweils das Halbfinale.

Von Schalke bis Arsenal - Özils Vereinskarriere

Mesut Özil lernte das Fußballspielen bei verschiedenen Amateurvereinen in Gelsenkirchen. Im Jahr 2000 wechselte er in die Jugend von Rot-Weiss Essen. 2005 folgte der Wechsel in die U19 des FC Schalke.

Nur ein Jahr später gelang Özil der Durchbruch bei den Schalker Profis. 2008 wechselte er für 5 Millionen Euro von Schalke zu Werder Bremen, wo er sich zum Mittelfeldspieler von Weltklasse-Format entwickelte.

Für 18 Millionen Euro wechselte er 2010 zu Real Madrid. Drei Jahre später folgte der Wechsel zum FC Arsenal für 47 Millionen Euro.

 
 

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