NRW: Hersteller von Corona-Tests mit erschreckender Bilanz – „zu schnell und zu heftig“

NRW: Die sinkenden Corona-Zahlen wirken sich vor allem auf Corona-Testzentren aus. (Symbolfoto)
NRW: Die sinkenden Corona-Zahlen wirken sich vor allem auf Corona-Testzentren aus. (Symbolfoto)
Foto: Weles Medizinprodukte

Corona-Tests gelten als ein entscheidendes Mittel im Kampf gegen die Pandemie. Noch bis vor wenigen Wochen war ein negatives Testergebnis – neben einer vollständigen Impfung – Voraussetzung für diverse Aktivitäten und den Besuch vieler Orte.

Nun hat ein Hersteller von Corona-Tests aus NRW (Mülheim) eine erschreckende Bilanz gezogen. Im Gespräch mit DER WESTEN ist die Rede von „zu schnell und zu heftig“.

NRW: Hersteller von Corona-Tests mit erschreckender Bilanz

Das Unternehmen Weles Medizinprodukte aus NRW (Mülheim) verkauft nicht nur Corona-Schnelltests zur Eigenanwendung, sondern auch Antigen-Schnelltests – Bürgertests also, die in Testzentren zum Einsatz kommen. Zudem ist Weles Mitbetreiber von fünf Testzentren in Deutschland. Zwei davon befinden sich in NRW – in Mülheim und in Oberhausen. Beide Testzentren betreibt das Unternehmen gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK).

+++ Corona in NRW: SO ist die aktuelle Lage +++

Seitdem das Land NRW Ende Mai mit der neuen Coronaschutzverordnung und dem Stufenplan größere Lockerungen in Aussicht stellte und damit den Weg für einen weitreichenden Wegfall der Testpflicht machte, muss das Unternehmen – auch wegen der ansteigenden Corona-Impfrate – einen deutlichen Rückschlag hinnehmen.

„Der Umsatz ist signifikant eingebrochen“, sagt der Unternehmenssprecher Henning Oepen. Und weiter: „Der Einbruch kam unserer Ansicht nach etwas zu schnell und zu heftig.“

An seinen Testzentren werden derzeit täglich circa 50 bis 60 Prozent weniger Bürgertests durchgeführt. Freitags komme man immerhin noch auf rund 900 Bürgertests. Zuvor seien es 1800 bis 2000 in der Zahl gewesen. Der Rückgang der PCR-Tests liege sogar bei etwa 80 Prozent, berichtet Oepen.

NRW: Mülheimer Testzentrum reagiert mit geänderten Öffnungszeiten

Das DRK Essen passte aufgrund des starken Rückgangs am Mittwoch erst die Öffnungszeiten des Testzentrums am Luftschiffhangar am Flughafen Essen/Mülheim an. Termine können montags, mittwochs und freitags von 7 bis 11 Uhr und von 16 bis 20 Uhr sowie samstags von 9 bis 17 Uhr gebucht werden.

„Auch wenn die Zahl der Besucher deutlich rückläufig ist, kommen auch weiterhin viele Bürgerinnen und Bürger zu uns, denen trotz Impfung und gelockerten Maßnahmen die regelmäßige Testung wichtig ist. Wir sind jederzeit in der Lage, die Testkapazitäten wieder hochzufahren, falls sich die Situation wieder ändern sollte“, so Malte-Bo Lueg, Projektleiter des Testzentrums beim Essener Roten Kreuz. Erst vor rund einem Monat hatte das DRK Essen die Öffnungszeiten seines Testzentrums auf die Mittagszeit und den Sonntag ausgeweitet.

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Das ist das Bundesland Nordrhein-Westfalen (NRW):

  • ist das bevölkerungsreichste Bundesland mit 17.947.221 Einwohnern (Stand: Dezember 2019)
  • Landeshauptstadt: Düsseldorf
  • größte Stadt: Köln
  • seit 1949 ein Bundesland der Bundesrepublik Deutschland
  • Ministerpräsident ist Armin Laschet (CDU), Regierungsparteien sind CDU und FDP

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Noch deutlicher zeigt sich der Rückgang der durchgeführten Tests am Schnelltestzentrum im Mülheimer Stadtteil Saarn. Dort werden sich Menschen am morgigen Samstag zum letzten Mal auf das Coronavirus testen lassen können. „Mit der steigenden Impfquote und den Lockerungen im Pandemie-Geschehen sinkt die Nachfrage für die Testungen“, teil das DRK Mülheim mit. „Aus diesem Grund haben wir uns für die Schließung entschieden“, wird Pressesprecherin Nina Rasche zitiert.

Das Testzentrum am Centro Oberhausen hat seine Öffnungszeiten bisher allerdings nicht geändert. Auf Nachfrage von DER WESTEN schloss Pressesprecherin Jessica Reinhold vom DRK Oberhausen dies jedoch nicht aus. Man müsse schauen, wie sich die Situation weiterentwickle, so Reinhold.

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Preise von Corona-Tests stark gesunken

Der extreme Test-Rückgang hat auch für Weles immense Folgen. „Wir sind mit gezwungen, Laientests deutlich unter dem Einkaufspreis abzugeben. Das ist unser unternehmerisches Risiko“, sagt Unternehmenssprecher Oepen. So koste ein bekannter Laientest, den Weles im April für über vier Euro eingekauft hatte, heute nur noch 50 Cent im Einkauf. „Wir kaufen diese Tests aber nicht mehr ein, weil es dafür keinen Absatzmarkt mehr gibt.“

Bei den Tests für den Profibereich sei der Markt immerhin nicht ganz so stark eingebrochen. Das Mülheimer Unternehmen schätzt den Rückgang auf circa 50 Prozent. „Auch hier gilt: Die Preise sind gesunken, da viele Importeure die Lager voll haben und unter großem Druck stehen“, so Oepen. Auch die Nachfrage sei zurückgegangen.

Es lassen sich also deutlich weniger Menschen auf das Coronavirus testen. Oepen teilt dennoch mit: „Wir können uns aber trotzdem uneingeschränkt freuen, da das Leben zurückkommt und alte Freiheiten wiedererlangt werden.“ Damit bleibt nur zu hoffen, dass der Bedarf an Corona-Tests und Testzentren nicht erneut steigen wird.