Rente: Muss die Notbremse gezogen werden? Beitragssatz schießt in unbezahlbare Höhe

Höchste Rentenerhöhung seit vierzig Jahren im Westen

Höchste Rentenerhöhung seit vierzig Jahren im Westen

Das Bundeskabinett hat eine deutliche Rentenerhöhung beschlossen: In Westdeutschland steigen die Renten zum 1. Juli um 5,35 Prozent und im Osten um 6,12 Prozent - in den alten Bundesländern ist es die höchste Rentenerhöhung seit fast vierzig Jahren.

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Im Juli 2022 kommt es zur höchsten Rentenerhöhung seit Jahrzehnten – doch wie lange geht das in diesem System noch gut? Das umlagefinanzierte Rentensystem steht auf tönernen Füßen. Schuld ist der demographische Wandel der Gesellschaft. Es gibt zu wenige junge Beitragszahler und die Lage wird sich immer weiter verschärfen.

Wie extrem dieses Ungleichgewicht in der Zukunft sein wird, zeigt eine neue Berechnung der Bundesbank. Klar ist: So kann es nicht dauerhaft weitergehen bei der Rente.

Rente: Zieht Politik die Notbremse? Beitragssatz schießt in unbezahlbare Höhe

Bis 2025, darauf hat sich die Ampel-Regierung geeinigt, wird das Rentenniveau nicht 48 Prozent unterschreiten. Der Beitragssatz soll gleichzeitig in dieser Legislaturperiode unter 20 Prozent bleiben (aktuell 18,6 Prozent). An der Rente mit 67 will vor allem die SPD nicht rütteln. Doch wie lange ist all das noch machbar?

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Rente – mehr zur gesetzlichen Rentenversicherung:

  • wurde in Deutschland 1891 eingeführt.
  • Im Jahr 2020 gab es in Deutschland über 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner.
  • Der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung liegt aktuell bei 18,6 Prozent.
  • Dieser wird je zur Hälfte von Arbeitnehmer und Arbeitgeber getragen.
  • Die Riester- und die Rürup-Rente sind dagegen zwei Formen der privaten Altersvorsorge mit staatlichen Förderungen.

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Die Bundesbank hat nun in einer Modellrechnung festgestellt, dass der Beitragssatz zur Rentenversicherung im Jahr 2070 bei 29 Prozent liegen würde, wenn man an diesem Rentenniveau festhält. Zudem müsste der Bundesetat bis dahin Zuschüsse in einer Milliardenhöhe aus Steuermitteln hinzugeben, die einer Mehrwertsteuererhöhung von sechs Prozentpunkten entsprechen würden. Es wäre somit eine extreme Mehrbelastung vor allem für die dann Erwerbstätigen.

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Rente nicht mehr zu finanzieren: Dem System droht der finanzielle Kollaps

In einem zweiten Szenario ging die Bundesbank davon aus, dass sich das Rentenniveau anpasst. Es würde dann Ende der 2030er-Jahre bei nur noch 43 Prozent liegen und 2070 sogar nur noch bei 40,45 Prozent. In diesem Fall würde der Beitragssatz aber dennoch weiter in die Höhe schießen und im Jahr 2070 bei 25 Prozent liegen.

Hinzu kommen nötige Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt, die einer Mehrwertsteuer-Erhöhung von vier Prozentpunkten entsprechen würden. Auch dieses mildere Szenario ist somit kaum zukunftsfest – weder für die Beitragszahler, noch für diejenigen, die dann verhältnismäßig deutlich geringere Renten als die heutigen Rentner bekommen würden.

Rentenerhöhung als Inflationsausgleich?

Was also tun? Die Bundesbank schlägt zwei Lösungsansätze vor: Zum einen brauche es ein höheres Renteneintrittsalter. Hier schlagen die Experten eine Koppelung von Lebenserwartung und Renteneintrittsalter vor! Leben die Menschen durchschnittlich länger, sollen sie später in den Ruhestand gehen. Zum anderen sollten die künftigen Rentenerhöhungen nicht mehr an die Lohnentwicklung, sondern an die Inflation gekoppelt werden.

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So dürfte die Rente durchschnittlich geringer steigen, würde aber Preissteigerungen weiter ausgleichen können.

Deutschland braucht spätestens nach 2025 eine große Rentenreform, um das umlagefinanzierte System zu stabilisieren. Die wird wohl nicht ohne soziale Härten zu haben sein, sofern es nicht plötzlich einen neuen Babyboom gibt oder die Zuwanderung von weitaus mehr ausländischen Fachkräften als neue Beitragszahler das System unterfüttert.