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Putin wie ein angeschlagener Boxer! Experte rechnet mit Atomwaffen-Einsatz in der Ukraine

Das ist Wladimir Putin

Mehr über den Kreml-Herrscher

Nach den jüngsten Ankündigungen aus dem Kreml scheint die Strategie von Wladimir Putin klar. Die Erklärung der Teilmobilmachung der russsischen Streitkräfte sowie der Blitz-Referenden zur Annexion der besetzen Gebiete in Luhansk, Donezk in der Ostukraine und Cherson und Saporischschja in der Südukraine machen klar, was nun passieren soll.

Putin will Tatsachen schaffen! Er steht mit dem Rücken zur Wand. Angesichts der erfolgreichen Gegenoffensive der Ukraine, die aktuell russische Einheiten überrollt, droht ihm eine verheerende Niederlage. Wie ein angeschlagener Boxer versucht der russische Machthaber nun einen Befreiungsschlag – und das kann für seine Gegner ebenso gefährlich werden wie für ihn selbst.

Putin sendet mit Teilmobilmachung ein Signal nach innen und außen

300.000 zusätzliche Soldaten sollen an die Waffen, um das Blatt zu wenden. Durch die Teil-Mobilmachung will Putin mit seiner Fernsehansprache eine Botschaft nach innen und außen senden. Nun befindet sich Russland auch offiziell in einem Krieg, nicht mehr in einer militärischen „Spezialoperation“. Und nun, so die implizierte Botschaft an den Westen und Ukraines Präsident Selenskyj, meinen wir es todernst.

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Wladimir Putin
Wladimir Putin reagiert wie ein angeschlagener Boxer auf die ukrainische Gegenoffensive. Foto: IMAGO / Russian Look, IMAGO / Norbert Schmidt

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Scholz urteilt vernichtend über Putin: „Akt der Verzweiflung“

Dazu passt, dass Putin gleichzeitig mit den Atomwaffen seines Landes droht. „Wir bluffen nicht“, betont er in seiner TV-Ansprache. „Russland wird alle seine verfügbaren Mittel einsetzen, um das Land zu verteidigen.“ Das Land zu verteidigen, das eigene Territorium – dazu werden nach den Online-Scheinreferenden vom 23. bis 27. September auch die annektierten Gebiete im Süden und Osten der Ukraine zählen. Jeder Versuch der Verteidiger, das eigene Staatsgebiet zurückzuerobern, könnte vom Kreml dann als Angriff auf die territoriale Integrität des russischen Landes bewertet werden – und damit als Legimitation für den Einsatz nuklearer Waffen.

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Die internationale Gemeinschaft wird die völkerrechtswidrigen Annexionen von weiteren Teilstücken der Ukraine nicht anerkennen wird (ähnliches passierte bereits auf der Krim). Kanzler Olaf Scholz nennt die Teilmobilmachung in einem Statement am Mittwoch einen „Akt der Verzweiflung“. Schein-Referenden würden niemals akzeptiert werden, so der Bundeskanzler.


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Trotz neuer Drohkulisse aus dem Kreml: „Russland militärisch am Ende“?

Dennoch könnte Putin für sich in Anspruch nehmen, dass die annektierten Gebiete russisches Staatsterritorium sind und dann als letzte Option den Einsatz von taktischen Nuklearwaffen erwägen, um sein Gesicht zu wahren und den ukrainischen Widerstand zu beenden. Der Journalis Denis Trubetskoy, der aus der Ukraine berichtet, versteht die neuesten Meldungen aus Moskau genau so. „Offenbar will Russland in besetzten Gebieten Online-‚Referenden‘ schnellstmöglich austragen, um dann mit Einsatz der Atomwaffen und Mobilmachung zu drohen, weil diese ja dann ‚russisches Territorium‘ wären.“ Aus seiner Sicht sage das aber auch aus, dass Putin militärisch am Ende sei, wenn er nun diesen Weg nun einschlägt.

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Gerhard Mangott, Professor für internationale Beziehungen an der Universität Innsbruck und Osteuropa-Experte hält einen atomaren Erstschlag durch Putin für realistisch. Im Gespräch mit „Focus“ sagt er nach der TV-Ansprache von Putin: „Sollte die Ukraine dann [nach den Fake-Referenden in den besetzten Gebieten] weiter versuchen, sie zurückzugewinnen, würde er sie mit Nuklearwaffen verteidigen.“ Er könnte sich vorstellen, „dass Putin zunächst ein Exempel statuiert und es zu einer Detonation über unbewohntem Gebiet kommt“.

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Kann Putin aus einer Position der Schwäche nun mit dieser Strategie Erfolg haben? Werden sich die Ukraine und wird sich der Westen davon einschüchtern lassen? Der Ukraine-Krieg ist weiter eskaliert.