Minijob: Erhöhung auf 520 Euro – deshalb ist das für viele „eine Falle“

520 Euro: Minijobber können bald mehr verdienen.
520 Euro: Minijobber können bald mehr verdienen.

Gute Nachrichten für Arbeiten im Minijob – oder doch nicht?

Im Zuge der Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro pro Stunde wollen die Ampel-Parteien auch die Verdienstmöglichkeiten für Minijobber anpassen. Der maximal Minijob-Lohn wird somit auf 520 Euro monatlich angehoben.

Gleichzeitig, so versprechen es SPD, Grüne und FDP im Sondierungspapier, „werden wir verhindern, dass Minijobs als Ersatz für reguläre Arbeitsverhältnisse missbraucht oder zur Teilzeitfalle insbesondere für Frauen werden.“

Minijob-Erhöhung: Ampel plant 520 Euro – aber werden dadurch noch mehr sozialversicherungspflichtige Jobs zerstört?

Doch angesichts einer neuen Studie erscheint dieses Ziel fragwürdig, zumal Minijobs durch die höheren Verdienstmöglichkeiten von 70 Euro monatlich noch attraktiver werden.

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Mehr über Minijobs in Deutschland:

  • Das Recht auf geringfügige Beschäftigung wurde mit den Hartz-Gesetzen 2003 geändert.
  • Die Verdienstgrenze wurde auf 400 Euro angehoben und die Begrenzung auf 15 Wochenstunden entfiel.
  • Zudem wurden Midijobs eingeführt für Beschäftigungsverhältnisse bis 800 Euro (mittlerweile 1300 Euro).
  • 2013 erfolgte die Anhebung der Entgeltgrenze auf 450 Euro.
  • 2003 arbeiteten 4 Millionen Menschen als Minijobber, 2019 waren es mehr als 7 Millionen. In der Corona-Krise nahm ihre Zahl auf rund 6 Millionen ab (Quelle IAB).

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So hat das Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) nun eine Studie veröffentlicht, nach der Minijobs, die während der Corona-Pandemie zu Hunderttausenden weggefallen sind, jetzt besonders in Kleinbetrieben sozialversicherungspflichtige Beschäftigung verdrängen.

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Rund 500.000 sozialversicherungspflichtige Jobs seien betroffen. Ein zusätzlicher Minijob in einem Kleinbetrieb ersetze im Mittel etwa eine halbe durchschnittliche sozialversicherungspflichtige Stelle. „Anders als erhofft, bilden sie zudem nur selten eine Brücke in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung“, teilt das IAB mit.

+++ Anne Will (ZDF): Scholz und Habeck im Ampel-Talk – FDP-Politikerin spottet: „Da ist aber wer eingeschnappt“ +++

Minijob: Gewerkschaft spricht von „Falle auf dem Arbeitsmarkt“ und stellt Forderung an Ampel-Koalition

Der Deutsche Gewerkschaftsbund wertete die Ergebnisse der IAB-Studie als Beleg dafür, dass Minijobs eher eine Falle auf dem Arbeitsmarkt darstellten – und kein Sprungbrett. „Die nächste Koalition muss die Minijobs reformieren: Geringfügige Beschäftigung muss von Anfang an sozialversichert sein, und es darf keine weitere Dynamisierung bei den Einkommensgrenzen geben“, forderte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel.

Aus Sicht des DGB müssten Minijobs so gestaltet sein, dass es sich lohne, mehr zu arbeiten. So solle „unfreiwillige Teilzeit" verhindert werden, was insbesondere auf Frauen abzielt. „So lässt sich auch das schlummernde Fachkräftepotenzial in Deutschland heben“, meint Piel.