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AOK, Barmer und Co.: Krankenkassen auf Sparkurs! Worauf müssen sich Versicherte einstellen?

Krankenkassen wie AOK oder Barmer droht ein Defizit in Milliardenhöhe. Die Kosten für Pflege steigen immer weiter. Doch was bedeutet das für Versicherte?

Krankenkassen wie AOK oder Barmer droht ein Defizit in Milliardenhöhe. Die Kosten für Pflege steigen immer weiter. Doch was bedeutet das für Versicherte?
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Pflegereform kommt - mit Entlastungen und höheren Beiträgen

Die Pflege wird für Millionen Menschen immer teurer. Nach viel Streit ist eine Reform beschlossene Sache, die gegensteuern soll - auch wenn viele mehr fordern. Greifen soll das Gesetz schon in zwei Wochen.

Fachkräftemangel und teure Pflege belasten das System. Die Bundesregierung will mit dem von Karl Lauterbach (SPD) geplanten Gesetz zur Unterstützung und Entlastung in der Pflege (PUEG) gegensteuern.

So stieg bereits zum 01. Juli 2023 der gesetzliche Beitrag zur Pflegeversicherung um 0,35 Prozentpunkte – also von 3,05 auf 3,4 Prozent. Auch sollen Eltern mit mehreren Kindern bessergestellt werden als kleine Familien und Kinderlose. Dies soll zu Mehreinnahmen in Höhe von rund 6,6 Milliarden Euro pro Jahr führen. Denn den Krankenkassen droht im nächsten Jahr ein Defizit zwischen 3,5 und sieben Milliarden Euro, so der Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV). Neben einer Beitrags-Erhöhung gibt es aber noch weitere Möglichkeiten, das Defizit zu stopfen.

AOK, Barmer und Co.: Zahnarzt selbst bezahlen?

Homöopathische Mittel

Karl Lauterbach prüft laut dem ZDF, ob Krankenkassen-Patienten zukünftig die Kosten dafür selbst tragen müssen. „Obwohl die Homöopathie vom Ausgabenvolumen nicht bedeutsam ist, hat sie in einer wissenschaftsbasierten Gesundheitspolitik keinen Platz“, betonte der Gesundheitsminister im „Spiegel“.

Denn die Wissenschaft zeigt sich geschlossen, dass für homöopathische Behandlungen keine Wirkung nachgewiesen ist, die über Placebo-Effekte hinausgeht.

Zahnarztkosten

IKK-Chef Ralf Hermes schlägt im „Handelsblatt“ beispielsweise drastische Leistungskürzungen bei Zahnarztkosten vor. Der Grund: Im vergangenen Jahr zahlten die gesetzlichen Krankenkassen laut „Bild“ für Zahnfüllungen, Wurzelkanalbehandlungen und Vorsorgeuntersuchungen knapp 13 Milliarden Euro.

Ambulante Operationen

Um Kosten einzusparen sollten Eingriffe wie OPs auch in Praxen übernommen werden. Das fordert zumindest der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen. Nötig sei „eine Kehrtwende“, sagte er der „Bild“. „Es gibt unverändert viel zu viele stationäre Behandlungen in Deutschland.“

Demnach könnten vier Millionen von rund 16 Millionen Klinikbehandlungen im Jahr ambulant erbracht werden. Gassen nannte als Beispiele für mehr ambulante OPs Leistenbruch- und Gelenk-Operationen. Danach könnten die Patienten direkt wieder nach Hause. Und: „auch Infektionen durch gefährliche Krankenhauskeime würden damit reduziert“, so der KBV-Chef.

Auch Lauterbach betont gegenüber „Zeit“: „Wir wollen unnötige stationäre Aufenthalte verhindern. Deutschland ist derzeit Weltmeister darin, Patienten für Behandlungen ins Krankenhaus aufzunehmen, die im Ausland schon lange ambulant erbracht werden“. Denn: Nur bei der stationären Behandlung bekomme die Klinik die volle Bezahlung. „Das müssen wir ändern“, so Lauterbach.

Von Patientenschützern und Krankenhäusern kam Kritik an dem Vorstoß. Verbandschef Gerald Gaß zu „Bild“: „Völlig unrealistisch. Schon heute müssen gesetzlich Versicherte viele Monate, zum Teil weit über ein halbes Jahr auf einen Termin beim Facharzt warten.“

AOK, Barmer: 800 Euro Selbstbeteiligung?

Extraversicherung für bestimmte Sportler

„Wer Motorrad oder Ski fährt, sollte eine Versicherung dafür abschließen oder eine höhere Eigenbeteiligung zahlen“, verlangt Sozialexperte Bernd Raffelhüschen laut „Bild“. Denn: „Auf Dauer sollte Ihre persönliche Risikobereitschaft nicht von der Allgemeinheit bezahlt werden.“ Das Gesundheitssystem könne sich die „Gratis-Mentalität“ nicht mehr leisten.

Eigenbeteiligung von 800 Euro

Raffelhüschen hatte bereits im Juni in der Zeitung vorgeschlagen, dass Krankenkassenpatienten die ersten 800 Euro für Arztbesuche selbst tragen sollten – ausgenommen davon seien stationäre OPs. So könne die „Kosten-Explosion“ gedämpft werden.

Weiter sieht sein Plan vor, dass die Kosten von den Krankenversicherungen erst erstattet werden, wenn die Versicherten diese Grenze überschritten haben – und dann erfolgt die Erstattung auch nur bis 50 Prozent, bis 2.000 Euro erreicht sind. Erst ab 2.001 Euro werde alles von der Kasse übernommen, „denn das würde sonst zu teuer“, so der Ökonom. 


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Ob aber beispielsweise die Vorschläge von Raffelhüschen, KBV-Chef Gassen und IKK-Chef Hermes auch umgesetzt werden beziehungsweise in der Politik Gehör finden, bleibt abzuwarten. Gesundheitsminister Lauterbach schloss bei seiner Reform Leistungskürzungen für Versicherte immer wieder aus.