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Berlin: „KKK — keine Kanaken-Kunden“: Wie Koks-Taxen die Polizei austricksen: Ein Fahrer packt aus

In Berlin boomt das Geschäft der Kokstaxen. Nur selten gelingt es der Polizei, den Banden auf die Spur zu kommen. Wie sie die Ermittler austricksen, hat jetzt ein Kurierfahrer enthüllt.

© Imago / Daniel Scharinger

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Berlin ist die Hauptstadt der Koks-Taxen. In keiner anderen Metropole sind so viele Kuriere unterwegs, um Kokain und andere Drogen auszuliefern. Ein Klick reicht, und über den Messenger-Dienst Telegram kann man die Fahrer kontaktieren.

Eine verschlüsselte Direktnachricht mit dem Standort reicht, und „Pizza-Kevin“, „Koks_Berlin_Taxis“ oder „Berlin Unkraut“ bringen die Bestellung zum vereinbarten Treffpunkt. Kokain, Marihuana, Heroin, LSD, Ketamin, Tilidin: Das Geschäft boomt. Mehrere tausend Kunden haben sich in Chatgruppen angemeldet.

Ein Kokstaxifahrer packt aus

Die Dealer zu schnappen, ist für die Drogenermittler beim Landeskriminalamt jedoch schwierig. Zwar gehen der Polizei bei Schein-Anbahnungen vereinzelt Fahrer ins Netz, doch sie sind nur das letzte Glied in einer langen Kette. Über die Hintermänner schweigen sie sich aus.

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Warum die Szene so schwer zu durchleuchten ist, das zeigt der Bericht eines Undercover-Ermittlers, aus dem der „Tagesspiegel“ jetzt zitiert hat. Als Kunde getarnt, hat er einen Kurier dazu gebracht, auszupacken.

Bunte Klamotten, um nicht aufzufallen

Ein Auto, ein Smartphone und ein Navi, mehr brauche man nicht als Kurierfahrer — und einen Personalausweis, sagt der Mann. Vor Dienst-Antritt müsse er den abgeben. Ein so genannter „Schreiber“ koordiniere den Einsatz der Fahrer.

Wenn er eine halbe Stunde nichts von seinen Leuten höre, wisse er, dass Gefahr in Verzug sei und informiere einen Anwalt. Der stehe für den Ernstfall immer stand-by, der Chef der Bande arbeite mit Anwälten zusammen.

Regel Nr. 1: „Die Klappe halten“

Spätestens nach einer Stunde im Polizei-Arrest holten sie die Fahrer heraus. Die würden dazu verdonnert, die Klappe zu halten, falls sie geschnappt werden. Sie dürften auch keine Waffen besitzen, nicht mal eine Axt im Werkzeugkeller. „Selbst, wenn du die wirklich für Hausarbeiten brauchst, drehen sie das um“, sagt der Kontaktmann. Auf Drogenhandel mit Waffen stünden bis zu drei Jahren Haft.

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Sogar für ihren Auftritt und für den Umgang mit Kunden werden die Fahrer gebrieft. Um nicht aufzufallen, sollten sie sich bunte Klamotten anziehen und eine Brille tragen, notfalls auch ohne Sehstärken-Gläser: „Dann siehst du gechillter aus.“

250 bis 400 Euro Verdienst pro Tag

Gedealt werde im Auto, und damit das Geschäft nicht auffalle, müsse der Fahrer ordentlich einparken, niemals in der zweiten Reihe. „Lass ihn — den Kunden — einsteigen und fahr ein oder zwei Ecken weiter und lass ihn dann raus. Aber bleib niemals stehen, wenn er einsteigt.“ Das sei der größte Fehler, dann werde man erwischt.

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Zwischen 250 und 400 Euro pro Tag verdiene er als Kokstaxifahrer, sagte der Mann. Das Geld könne er sich wöchentlich abholen, nicht täglich. Viele Fahrer seien schließlich selbst abhängig von Kokain. Sie hätten es schwer, sich das Geld einzuteilen.

„Keine Kanacken-Kunden“

Über die Kunden der Koks-Taxen wissen die Ermittler, dass sie aus allen Schichten kommen, vom Bauarbeiter bis zum Manager, von der Künstlerin bis zum Staatsanwalt. Nur um eine Gruppe, so weiß die Polizei jetzt, soll der Mann mit dem Koks einen Bogen machen: um Türken und Araber.



„KKK“, laute die Regel. „Keine Kanacken-Kunden.“ So die Anweisung von oben, die machten nur Stress. Deutsche Kunden seien pflegeleichter. Am besten Zugezogene, „die bezahlen mit einem Lächeln und diskutieren nicht.“