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Die zehn ärmsten Länder in Europa nach BIP pro Kopf

Arm und Europa – das passt eigentlich nicht. Doch auch hier gibt es arme Staaten. Welche sind die ärmsten Länder in Europa? Wir verraten es.

Ein Kleinkind steht vor einem Haus in einer Armutsgegend in der Ukraine.
Welches ist das ärmste Land in Europa? Foto: IMAGO/Pond5

Europa gehört mit seinen zahlreichen hoch entwickelten Industrieländern zu den wohlhabenden Kontinenten der Erde. Doch nicht alle Staaten in Europa sind mit Reichtum gesegnet, einige von ihnen sind auch vergleichsweise arm. Welche Staaten bilden die ärmsten Länder in Europa? Wir verraten es euch in unserer Liste, welche die zehn ärmsten Länder in Europa nach Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf umfasst.

Ist Deutschland tatsächlich eines der ärmsten Länder in Europa? So empfinden es angesichts der auseinanderklaffenden sozialen Schere einige. Wir klären auf, welche Staaten die zehn ärmsten Länder in Europa sind. Als Grundlage dafür dient das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf. Das BIP gibt den Wert aller in einem Land hergestellten Waren und Dienstleistungen wieder. Wichtig ist, dass diese Waren und Dienstleistungen nicht als Vorleistungen für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden. Für die Liste wird das jeweilige Bruttoinlandsprodukt (BIP) durch die Anzahl der Einwohner geteilt, um eine möglichst faire und vergleichbare Liste der ärmsten Länder in Europa zu erhalten.

Platz 10: Montenegro

Montenegro, das seit 2006 ein unabhängiger Staat ist, befindet sich in Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union (EU) – und das bereits seit 2010. Doch zur Wahrheit gehört auch, dass Montenegro mit einem BIP pro Kopf von 9.820 US-Dollar eines der ärmsten Länder in Europa ist. Die mit gut 600.000 Einwohnern vergleichsweise kleine Nation ist stark vom Tourismus geprägt, der einen erheblichen Teil des Bruttoinlandsprodukts ausmacht.

Seit mehreren Jahren zählt Montenegro zu den drei wachstumsstärksten Reiseländern in Europa und der Welt. Fun Fact: Montenegro hat im Jahr 1999 die D-Mark als Währung eingeführt und durch die Umstellung auf Euro den Euro im Jahr 2002 als Landeswährung übernommen. Da Montenegro aber nicht an der Europäischen Währungsunion teilnimmt und nicht Mitgliedsland der EU ist, darf der Staat keine eigenen Euromünzen drucken. Trotz der Einführung einer stabilen Währung belegt Montenegro in der Liste der ärmsten Länder in Europa Platz 10. Seit dem Jahr 2010 besitzt Montenegro aber den Status als offizielles Bewerberland der EU.

Passanten gehen über eine gepflasterte Brücke in der historischen Altstadt von Kotor.
Montenegro steht auf Platz 10 der ärmsten Länder in Europa (Symbolfoto). Foto: IMAGO/Eibner Europa

Platz 9: Serbien

Seit dem Jahr 2012 ist Serbien offizieller Beitragskandidat der Europäischen Union (EU). Und das kommt nicht von ungefähr: Der schwer vom Jugoslawienkrieg gezeichnete Staat ist zwar eines der ärmsten Länder in Europa, doch hat auch eine zunehmend aufstrebende Wirtschaft. Diese orientiert sich stark an den westeuropäischen Standards und lockt internationale Investoren an. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf liegt bei 10.360,72 US-Dollar, wodurch Serbien dennoch eines der ärmsten Länder in Europa ist und in dieser Liste Platz 9 belegt.

Ein Schiff fährt auf der Save am Waterfront an Hochhäusern und dem Belgrade Tower vorbei. Belgrad Serbien
Serbien belegt Rang 10 in der Liste der ärmsten Länder in Europa (Symbolfoto). Foto: IMAGO/Silas Stein

Platz 8: Belarus

Innerhalb der Sowjetunion galt Belarus zu den am weitesten entwickelten Staaten. Doch nach dem Zerfall der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) hielt Belarus an einer Planwirtschaft fest und gilt mit Machthaber Alexander Lukaschenko als letzte verbliebene Diktatur in Europa. Daher ist es keine Überraschung, dass Belarus nicht Mitgliedsland der EU ist. Zudem ist Belarus ist eines der ärmsten Länder in Europa mit einem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von 7.868 US-Dollar und rangiert damit auf Platz 8 der Liste der ärmsten Länder in Europa. Das Land profitiert stark von Textilindustrie und der Holzverarbeitung.

Ein Kran steht neben einem grauen Hochhaus in Minsk.
Weißrussland (Belarus) belegt Platz 8 der Liste der ärmsten Länder in Europa (Symbolfoto). Foto: IMAGO/Pond5

Platz 7: Bosnien und Herzegowina

In vielen Landesteilen von Bosnien und Herzegowina sind die Spuren mitsamt Einschusslöchern des Jugoslawienkriegs noch sichtbar. Viele Einwohner sind noch immer arm, die Arbeitslosenquote ist sehr hoch, die Armut ebenfalls. In der Liste der ärmsten Länder in Europa belegt Bosnien und Herzegowina mit einem BIP pro Kopf von 7.059 US-Dollar Platz 7.

Zwar trug eine Reform des Bankwesens sowie ein an den Euro geknüpfter fester Wechselkurs zu einer gewissen wirtschaftlichen Stabilität bei, doch noch immer ist der Staat eines der ärmsten Länder in Europa. Das liegt auch daran, dass die Güter-Exporte noch immer recht überschaubar sind. Seit dem Jahr 2022 ist Bosnien und Herzegowina offizieller Beitrittskandidat der EU.

Zerstörtes Haus aus dem Bosnienkrieg, Bosnien
Bosnien und Herzegowina liegt auf Rang 7 der Liste der ärmsten Länder in Europa (Symbolfoto). Foto: IMAGO/Zoonar

Platz 6: Georgien

Georgien wurde vom Zerfall der Sowjetunion extrem hart getroffen. Inzwischen hat sich die heimische Wirtschaft einigermaßen stabilisiert, doch noch immer ist das Land eines der ärmsten Länder in Europa. In der Liste der ärmsten Länder in Europa belegt Georgien Rang 6 mit einem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von 6.670US-Dollar.

Als wichtigste Wirtschaftszweige in Georgien gelten nach wie vor der Tourismus am Schwarzen Meer, der Anbau und Export von Zitrusfrüchten, Weintrauben und Tee sowie der Abbau von Mangan und Kupfer. Was übrigens kaum jemand weiß: Georgien besitzt auch eine sehr lange Tradition beim Weinbau, diese reicht mindestens bis ins 6. Jahrhundert vor Christus zurück. Georgien hat im Jahr 2022 einen Aufnahmeantrag gestellt, um Mitglied der EU zu werden.

Ein baufälliges Haus in Tiflis.
Georgien steht auf Platz 6 im Ranking der ärmsten Länder in Europa (Symbolfoto). Foto: IMAGO/Pond5

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Platz 5: Albanien

Albanien reiht sich ein in die Liste von Ländern, die enorm unter dem Zerfall der Sowjetunion und der damit verbundenen sozialistischen Planwirtschaft zu leiden hatten. In einigen Bereichen – etwas dem Tourismus oder der Inflation – konnte Albanien Erfolge verzeichnen, ist aber dennoch noch immer eines der ärmsten Länder in Europa.

Das Bruttoinlandsprodukt liegt bei 6.657 US-Dollar. Dies ist gleichbedeutend mit Platz 5 in der Liste der ärmsten Länder in Europa. Neben einer hohen Arbeitslosenquote hat Albanien auch mit einer nach wie vor sehr schwachen Infrastruktur zu kämpfen. Diese ist mitentscheidend dafür, dass Albanien weiterhin eines der ärmsten Länder in Europa ist. Albanien hat im Jahr 2014 einen Aufnahmeantrag für die EU gestellt.

Albanische Familie steht vor ihrem alten Bauernhaus in Cerem, Nationalpark Valbonatal, albanische Alpen, Albanien.
Albanien liegt auf Platz 5 der Liste der ärmsten Länder in Europa (Symbolfoto). Foto: imago/imagebroker

Platz 4: Nordmazedonien

Im Zuge eines jahrelangen Namensstreits mit dem Nachbarland Griechenland trägt Nordmazedonien seinen Namen erst seit dem Jahr 2019. Sportlich hat das Land auf sich aufmerksam gemacht, als es in der Qualifikation zur Fußball-WM 2022 in Duisburg sensationell gegen die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gewinnen konnte und sich in den späteren Play-offs mindestens genauso überraschend gegen Europameister Italien durchsetzte. Dies kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Nordmazedonien eines der ärmsten Länder in Europa ist.

Mit einem BIP pro Kopf von 6.599 US-Dollar belegt Nordmazedonien in der Liste der ärmsten Länder in Europa Platz 4. Das Land leidet unter einer hohen Arbeitslosigkeit und vergleichsweise geringen Exporteinnahmen, wodurch ein starkes Außenhandelsdefizit zustande kommt. Als wichtigste Exportgüter gelten Nahrungsmittel, Wein, Eisen und Stahl. Bereits im Jahr 2004 hat Nordmazedonien einen Aufnahmeantrag für die EU gestellt. Ein Jahr später bekam das Land den Status als offizieller Beitrittskandidat zugesprochen.

Sanierungsbedürftige Häuser in der bekannten Altstadt von Skopje.
Nordmazedonien steht auf Rang 4 der ärmsten Länder in Europa (Symbolfoto). Foto: IMAGO/Pond5

Platz 3: Moldawien

Auch Moldawien, das offiziell Republik Moldau heißt, gehört zu den Balkanstaaten, die fast allesamt Teil der ärmsten Länder in Europa sind. Die Einwohner Moldawiens leben vor allem von der Landwirtschaft sowie der damit verbundenen Industrie. Dennoch ist Moldawien kein Industrieland, was sich zwar positiv auf die Luftqualität auswirkt, aber auch dazu führt, dass der Staat eines der ärmsten Länder in Europa ist.

Das Klima in Moldawien begünstigt vor allem den Obst- und Weinanbau. Das BIP pro Kopf liegt bei 5.726 US-Dollar, was Platz 3 in der Liste der ärmsten Länder in Europa bedeutet. Trotzdem oder gerade deshalb hat Moldawien im Jahr 2022 einen Aufnahmeantrag für die EU gestellt.

Ein stark saniebungsbedürftiges Wohnhaus im Stadtleben in Chisinau, Moldawien.
Moldawien belegt Platz 3 der Liste der ärmsten Länder in Europa (Symbolfoto). Foto: IMAGO/Mauersberger

Platz 2: Kosovo

Der Kosovo hat sich im Jahr 2009 für unabhängig erklärt und wird auch als eigenständiger Staat unter anderem von Deutschland anerkannt. Innerhalb des damaligen Jugoslawiens war der Kosovo die ärmste Region – und noch immer ist der Staat mit seinen rund 2,5 Millionen Einwohnern eines der ärmsten Länder in Europa. Dies liegt neben einer verfehlten Sozial- und Wirtschaftspolitik als Teil von Jugoslawien auch an den Folgen des Kosovokriegs sowie einer kaum ausgeprägten Industrie.

Der Kosovo galt daher lange als das ärmste Land in Europa. In der Liste der ärmsten Länder des Kontinents belegt der Kosovo mit einem Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner in Höhe von 5.332 US-Dollar jedoch Platz 2. Als letzter Balkanstaat hat der Kosovo im Jahr 2022 einen Antrag auf Aufnahme in die EU gestellt.

Kinder graben mit Schaufeln in einer wilden Müllkippe im Kosovo.
Der Kosovo liegt auf Platz 2 der Liste der ärmsten Länder in Europa (Symbolfoto). Foto: imago/ZUMA Press

Das ärmste Land in Europa: Ukraine

Dass der Kosovo als das ärmste Land in Europa abgelöst wurde, liegt insbesondere am Russland-Ukraine-Krieg, der mit dem Einmarsch russischer Truppen im Februar 2022 begonnen hat. Bis zum Kriegsbeginn befand sich die ukrainische Wirtschaft auf einem Wachstumskurs, ist aber auch geprägt von starker Korruption, verfügt über keine vollständige Marktwirtschaft und ist keine etablierte Demokratie.

Bis zum Kriegsbeginn profitierte die Ukraine vom Export von Mais, Sonnenblumensamen, pflanzlichen Ölen und Baubedarf. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf der Ukraine liegt – stark durch den Krieg geprägt – bei nur noch 4.606 US-Dollar. Das hat zur Folge, dass die Ukraine das ärmste Land in Europa ist. Exakt eine Woche nach der russischen Invasion hat die Ukraine im Jahr 2022 einen Aufnahmeantrag in die EU gestellt.

Zerstörte Wohnhäuser nahe Irpin.
Die Ukraine ist das ärmste Land in Europa und belegt damit Platz 1 in dem Ranking (Symbolfoto). Foto: IMAGO/Daniel Kubirski
PlatzLandBIP pro Kopf (in US-Dollar)
1.Ukraine4.606
2.Kosovo5.332
3.Moldawien5.726
4.Nordmazedonien6.599
5.Albanien6.657
6.Georgien6.670
7.Bosnien und Herzegowina7.059
8.Belarus7.868
9.Serbien9.528
10.Montenegro9.820
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