Veröffentlicht inPromi-TV

„Tatort“-Star Carol Schuler: „Ich glaube, das darf ich verraten“

„Tatort“-Star Carol Schuler spricht im Interview über den neuen Fall aus Zürich, Tierrechte und einen möglichen Abschied.

Carol Schuler
© SRF/Sava Hlavacek

Tatort: Das sind die bekanntesten Ermittler-Teams

Die Krimiserie „Tatort“ begeistert schon seit Jahrzehnten die deutschen TV-Zuschauer. Sonntags um 20.15 Uhr lösen unterschiedliche Kommissaren-Teams Mordfälle in der ARD. Aktuell ermitteln 22 Ermittler-Teams in 20 deutschen Städten, sowie in Wien und Zürich. Wir stellen euch die bekanntesten aktuellen Besetzungen vor.

Am Sonntag geht es wieder in die Schweiz. Im neuen „Tatort: Von Affen und Menschen“ ermitteln Isabelle Grandjean (gespielt von Anna Pieri Zuercher) und Tessa Ott (gespielt von Carol Schuler) in gleich mehreren Kriminalfällen. Nicht nur, dass ein Affe getötet aufgefunden wird, nein, es geht plötzlich auch um geschmuggelte Diamanten und Verbindungen in allerhöchste Züricher Kreise.

Im Interview mit dieser Redaktion spricht Carol Schuler über die Dreharbeiten im Züricher Zoo, Tierrechte und einen möglichen Abschied vom „Tatort“.

Am 14. April erscheint der neue Schweizer „Tatort: Von Affen und Menschen“. Wie haben Sie den Film wahrgenommen?

Ich muss ehrlich sagen, von denen, die wir bis jetzt gemacht haben, ist es einer meiner Lieblings-„Tatorte“. Als ich das Drehbuch gelesen habe, musste ich ein bisschen an Guy Ritchie oder die Coen-Brüder denken, weil es einen so überzeichneten Humor innehat.

Sie haben unter anderem in einem Zoo gedreht.

Wir konnten im Züricher Zoo drehen. Der Zoo-Direktor, der am Anfang im Film vorkommt, ist auch tatsächlich der echte Direktor des Züricher Zoos. Dadurch hatten wir die Möglichkeit, diese Wahnsinns-Bilder einzufangen. Mit den Gorillas oder dem schwimmenden Elefanten.

Haben Sie die Chance genutzt, sich den Zoo nach Drehschluss auf eigene Faust anzuschauen?

Ich habe mich nach Drehschluss tatsächlich noch im Zoo verlaufen, bin da noch privat stundenlang herumgewandelt. Wie Tessa im „Tatort“ erzählt, bin auch ich als Kind das letzte Mal dort gewesen. Es hat sich viel verändert. Es gibt jetzt eine riesige Regenwald-Halle, in der man herumlaufen kann und in der sich die Tiere frei bewegen. Das ist schon sehr schön.

++ „Tatort“-Star Moritz Führmann über Dreharbeiten: „Sind auch sehr unangenehm zueinander“ ++

In dem Krimi wird ein Affe ermordet. Es war spannend zu sehen, wie detailgetreu die Leiche des Tieres dargestellt wurde. Wie hat man das hinbekommen?

Dabei handelte es sich um eine Puppe, die die Requisite präpariert hat. Die sind auch für die menschlichen Leichen zuständig. Oft gibt es ja auch Dummies als menschliche Leichen. Und die haben im Nachhinein – ich glaube, das darf ich verraten, noch einmal das Gesicht des Affen mit CGI nachbearbeitet, damit es wirklich lebendig aussieht. Wäre es nur die Puppe gewesen, hätte man es sicher gemerkt, aber so wirkt es sehr realistisch.

Tessa Ott setzt sich sehr dafür ein, dass Menschenaffen dieselben Rechte erhalten wie Menschen. Ist das eine Einstellung, die Sie auch für sich vertreten?

Ich kann das nachvollziehen. Ein Prozent in der Genetik entscheidet, ob man sich vor oder hinter der Scheibe befindet. Ich glaube, eine gewisse, gesunde Empathie zwischen Tier und Mensch, auch dahingehend, wie wir Tiere konsumieren, ist auf jeden Fall sehr nötig. Und diese Diskussion bewegt sich ja ein bisschen in diese Richtung. Die Ressourcen der Natur sind nicht endlos, viele Tiere sind vom Aussterben bedroht. Wenn der Film also nicht nur unterhält, sondern auch ein wenig zum Nachdenken darüber anregt, wie wir mit unserer Tierwelt umgehen, wäre das schön.

Tatort Zuerich
Der neue Tatort wurde im Zoo Zürich gedreht. Foto: SRF/Sava Hlavacek

Leben sie fleischlos?

Ich lebe vegetarisch.

Aus Überzeugung oder weil Ihnen Fleisch nicht schmeckt?

Beides. Mir schmeckt Fleisch, aber wenn ich einmal im Jahr ein Stück esse, dann schaue ich schon sehr genau, woher es kommt. Ich habe mir abgewöhnt, im Supermarkt irgendwelches Billigfleisch zu kaufen. Der Großteil des Fleisches stammt leider noch immer aus Massentierhaltung, und da habe ich kein gutes Gefühl, wenn ich das im Mund habe.

++ Letzter „Tatort“ mit Rick Okon: Die Entscheidung fiel schon vor über zwei Jahren ++

Ein etwas mulmiges Gefühl hat man auch beim „Tatort“. Er endet offen. Die Diamanten sind weg, es gibt keine Festnahme. Wie interpretieren Sie das Ende?

Wir wissen ja, eigentlich soll am Ende des „Tatort“ immer der Täter geschnappt werden, damit die Menschen beruhigt ins Bett gehen können. Aber ich interpretiere das als ‚To be continued‘. Dass es eben gar nicht so leicht ist, die Hintermänner dieses riesigen Diamantenschmuggel-Systems zu schnappen. Klar, die kleinen Fische kann man kriegen, aber es bedeutet noch mal einen anderen Aufwand, an die Großen zu gelangen.

Und die Staatsanwältin sagt ja auch am Ende: ‚Ich habe ein Auge auf dich und es ist noch nicht vorbei.‘ Ich würde das so interpretieren, dass sie es zwar in diesem konkreten Fall noch nicht geschafft haben, aber vielleicht in einem der nächsten Fälle. Who knows?

Was ich beim Schweizer „Tatort“ spannend finde, ist, dass Sie stets sehr kreativ mit den Thematiken umgehen. Es ist nie eine bloße Mörderjagd. Wohin soll die Reise noch gehen?

Für mich als Schauspielerin sind die beiden Kommissarinnen-Figuren besonders spannend. Sie haben eine enorme Entwicklung in ihrer Beziehung durchlebt. Als sie zusammenkamen, waren sie sich nicht grün, sie kommen eben aus unterschiedlichen Welten. Die Diskussionen über diesen „Klassenkampf“ gibt es ja nach wie vor.

Aber wohin geht die Reise? Ich glaube, sie werden sich noch mehr annähern. Vielleicht bekommt Tessa auch irgendwann noch das ‚Du‘ von Isabelle angeboten und sie werden so etwas wie Freunde. Thematisch gibt es in Zürich genug Krimi-Material. Ich würde mir wünschen dass wir uns zum Beispiel mal Konzerne wie die Fifa oder Google angucken, welche ihren Sitz in Zürich haben. Die Banken schneiden wir im nächsten Fall an. Oft geht es um die Schere zwischen Reich und Arm. Es wird immer schwieriger, hier zu leben, wenn man nicht zu den Großverdienern gehört. Bezahlbarer Wohnraum ist knapp. Das sind alles Themen die Zürich interessant machen.

Der „Tatort“ musste in den vergangenen Monaten einige Abgänge verzeichnen. Zuletzt erst Rick Okon in Dortmund. Verliert die Reihe an Attraktivität?

Es kommt drauf an, wie lange hat Rick Okon das gemacht?

13 Filme.

Aus Schauspielersicht ist der „Tatort“ ein tolles Geschenk. Man hat die Möglichkeit, eine Figur über längere Zeit weiterzuentwickeln. Man hat ein Standing, ist am Sonntagabend bei den Menschen im Wohnzimmer. Der „Tatort“ ist immer noch ein kulturelles deutsches Heiligtum. Ich kann aber auch verstehen, dass man nach 13 Filmen denkt: Das habe ich jetzt ausgeschöpft, da weiß ich nicht, was ich schauspielerisch hinzufügen soll. Und dann kann ich nachvollziehen, wenn man sich eine neue Herausforderung sucht. Das kann bei mir auch passieren. Ich weiß noch nicht wann. Es hängt immer damit zusammen, wie gut die Bücher sind, mit wem wir zusammenarbeiten. Das ist ja auch immer ein Glücksspiel. Manchmal funktioniert es sehr gut, wie beispielsweise bei „Von Menschen und Affen“. Manchmal ist es aber auch ein bisschen schwieriger, da muss man mehr diskutieren.

Mein Wunsch wäre es, dass wir noch ein paar starke, besondere Tatorte aus der Schweiz machen können, aber ich sage jetzt nicht, dass ich das noch zehn Jahre machen werde. Ich bin auch eher eine unstete Person und wenn ich merke, dass es keine Herausforderung mehr gibt, dann brauche ich etwas Neues. Das kann schon passieren. Aber nicht morgen.



Sie kommen gebürtig aus der Schweiz, leben in Berlin und zeitweise in Zürich. Hat der „Tatort“ dort denselben Stellenwert wie in Deutschland?

Jein. In Deutschland ist es schon noch mehr. Dort wird der „Tatort“ durch verschiedenste Gesellschaftsschichten hindurch geschaut. Ich erinnere mich, ich habe in Berlin mit Anfang 20 in einer 8er-WG gewohnt und wir haben immer zusammen am Sonntag „Tatort“ geguckt. In Deutschland ist es wirklich ein Heiligtum. Hier ist der Schweizer „Tatort“ natürlich unser Ding, aber ich glaube, dieses regelmäßige Schauen ist eher ein deutsches Phänomen.