„Markus Lanz“ (ZDF): Cem Özdemir überrascht bei dieser Debatte – „Sorry, ich bin einfach ehrlich“

Das ist Markus Lanz

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Ehrliche Worte von Cem Özdemir (Grüne) bei „Markus Lanz“ am Donnerstagabend im ZDF. Als es um das Image der Grünen als Verbotspartei geht, wird der Politiker aus Baden-Württemberg auf einmal sehr direkt.

Bis dahin waren die Grünen ohnehin das dominierende Thema bei „Markus Lanz“ (ZDF): Es ging um den frisierten Lebenslauf von Annalena Baerbock, die Benzinpreiserhöhung und das Tempolimit. In der Diskussion um die Benzinpreiserhöhung setzte sich eine Linken-Politikerin dabei ziemlich in die Nesseln, nachdem sie zuvor im Netz noch große Töne gespuckt hatte.

„Markus Lanz“ (ZDF): Özdemir verteidigt Baerbock gegen Lebenslauf-Kritik

An einer Diskussion um den Lebenslauf seiner Parteichefin und Kanzlerkandidatin kam Cem Özdemir auch an diesem Abend bei „Markus Lanz“ nicht vorbei. Seit Tagen ist es eines der dominierenden Themen in den Talkshows, Baerbock selbst hatte sich erst wenige Stunden zuvor in der ARD bei „Farbe bekennen“ ausführlich geäußert.

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Die Gäste bei Markus Lanz:

  • Cem Özdemir, Politiker der Grünen
  • Amira Mohamed Ali, Co-Vorsitzende der Linksfraktion
  • Anja Maier, Journalistin
  • Michel Friedman, Publizist

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Özdemir hat dabei gleich eine Reihe an möglichen Erklärungen zur Hand, wie es zu dem Fehler gekommen sein könnte. Mitarbeiter seien mit Prüfungsanträgen für den Parteitag beschäftigt gewesen, hätten vielleicht Unterschiede bei den verschiedenen Rollen und Positionen nicht gekannt, es sei schwierig bei den vielen Einladungen und Mitgliedschaften den Überblick zu behalten. Aber am Ende trage Baerbock als Chefin „immer die Verantwortung“.

Ein Rückzug Baerbocks, wie er am Donnerstag im „Spiegel“ vorgeschlagen wurde, sei allerdings „Quatsch“. Auch Publizist Michel Friedman und Journalistin Anja Maier konnten dem Vorschlag wenig abgewinnen. Dir Grünen könnten in diesem Fall die Hoffnung auf 20 Prozent bei der Bundestagswahl beerdigen, ist sich Friedman sicher.

Meldung von Nebeneinkünften: Überlastung ist „keine Entschuldigung“

Neben dem Lebenslauf gab es auch bei der Meldung von Nebeneinkünften bei Annalena Baerbock Ungereimtheiten. Sie hatte 37.000 Euro Weihnachtsgeld der Partei zwar versteuert, aber nicht dem Bundestag als Einkünfte gemeldet. Ob solch ein Versäumnis an der Überlastung liegen würde, will Lanz wissen. „Das ist keine Entschuldigung. Wir machen den Job und wir wissen, dass das kein Acht-Stunden-Tag ist“, entgegnet Özdemir.

Mit Blick auf den am Freitag beginnenden Parteitag kann sich Özdemir einen Schuss gegen die AfD nicht verkneifen. Nach dem Parteitag „geht der Wahlkampf los. Ich würde meiner Partei raten, und so werden wir es auch machen, dass wir fair sind mit den Kollegen und Kolleginnen der anderen Parteien. Bei allen Unterschieden, die wir haben. Der Hauptgegner sitzt heute Abend nicht hier, sondern das ist die Partei, die unser Land kaputt machen möchte, die AfD, die Fanatiker.“

Linken-Politikerin blamiert sich bei Benzinpreis-Diskussion

In der folgenden Diskussion um die Benzinpreiserhöhung setzt sich Linken-Vertreterin Amira Mohamed Ali ziemlich in die Nesseln, als sie behauptet, die Grünen wollten erst am Jahresende den Menschen eine Pauschale auszahlen, um gestiegene Energie- und Benzinkosten auszugleichen. Überraschenderweise grätscht Journalistin Meier und nicht Özdemir hier dazwischen. „Das stimmt ja nicht.“

Das Geld solle am Jahresanfang ausgezahlt werden. Auch Lanz fragt jetzt sehr verdutzt: „Das wussten sie nicht?“ Unangenehm für Mohamed Ali: Im Netz hatte sie noch auf Twitter von einer unerträglichen Arroganz der Grünen beim Thema Spritpreise gesprochen. Lanz setzte noch einmal nach: „Aber wenn man so einen Tweet raushaut und von unerträglicher Arroganz spricht, sollte man dann nicht vorher wissen, wie das läuft?“ Mohamed Ali gerät reichlich ins Schwimmen. Sie sei allgemein gegen Verbrauchsbesteuerung, sagt sie auf einmal ziemlich kleinlaut.

Özdemir gnadenlos ehrlich: „Hauptsache ist, dass wir es kriegen“

Dann wird es noch einmal beinah kurios. Als es um das Verbot des Baus neuer Verbrenner-Autos geht, welche die Linken im Wahlprogramm verankert haben, die Grünen lediglich fordern, fällt Lanz auf: „Sie sind da sehr vorsichtig. Sie trauen sich ja nicht mehr Tempolimit zu sagen. Frau Mohamed Ali hat ja wenigstens ein echtes Tempolimit im Programm. Die traut sich zu sagen: ‚130 und dann war’s das.‘“

Özdemir wirft ein, dass die Grünen auch eine entsprechende Forderung hätten – „Nein, nein, nein“, geht Lanz sofort dazwischen: „Sie haben ein neues schönes Wort gefunden, das fand ich großartig, bin ich drüber gestolpert, ein Sicherheitstempo. Sie trauen sich nicht mehr Limit zu sagen, weil Sie Angst davor haben, dass Sie dann eine Verbotspartei sind.“

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Ein Tempolimit habe auch mit Sicherheit zu tun, verteidigt Özdemir, muss dabei aber auch selbst ein wenig schmunzeln. „Wie lange denkt man auf so einem Wort rum?“, will Lanz vom Grünen-Politiker wissen und schiebt hinterher: „Nennen Sie es Tempolimit?“ „Meine Sprache ist eine schlichte, einfache Sprache. Ich nenn es meistens Tempolimit, weil ehrlicherweise fällt mir das andere Wort immer nicht ein. Aber sagen Sie es bitte nicht weiter.“ Dabei hält er seinen Finger vor den Mund, lacht und macht „Pssst“. „Sorry ich bin einfach ehrlich.“ Wie man es nenne, sei ihm auch „ehrlich gesagt egal, Hauptsache ist, dass wir es kriegen“.

Die gesamte Folge von „Markus Lanz“ kannst du hier in der ZDF-Mediathek schauen.