Gabriele Krone-Schmalz - eine fröhliche Melancholikerin

Foto: NRZ

Lindlar. In ihrem neuen Buch „Privatsache” berichtet Journalistin Gabriele Krone-Schmalz, die Moskau-Expertin, über Persönliches, ohne Intimes zu verraten.

„Na, dann viel Spaß bei der Mephista“, sagte ein Freund, als ich mich zum Gespräch mit Gabriele Krone-Schmalz verabschiede. Das war keine böse Anspielung auf teuflische Attitüden. Der Mann meinte den eigenwilligen Haarschnitt der fast 60-Jährigen, die jetzt, kurz vor der Buchmesse und ihrem Geburtstag am 8. November, in dem Buch „Privatsache” Einblicke in Persönliches jenseits der Kamera gibt, ohne jedoch Intimes zu verraten.

Offen, lächelnd, herzlich. Das ist der erste Eindruck, als sie eine Stunde später die Terrasse eines kleinen Cafés in ihrer Wahlheimat im bergischen Lindlar betritt. Als „fröhliche Melancholiker und idealistischer Realist”, wie sie sich selbst beschreibt, spart sie nicht mit Lebenserkenntnissen. „Nein, 20 möchte ich heute nicht mehr sein”, sagt sie. Das heiße aber nicht, dass früher alles besser war. Als Ältere dürfe man junge Leute nicht unterschätzen. „Ich mache mir Sorgen, wenn junge Menschen mitkriegen, dass man am schnellsten weiterkommt, wenn man einfach nachplappert.” Vielleicht muss man sie 2009 mehr ermutigen.

Sprachen gesammelt wie Briefmarken

Denn heute gelte wie früher: „Wenn du etwas erreichen willst, kannst du es schaffen”, ist sie überzeugt. „Wenn man ein Ziel vor Augen hat, wenn man flexibel ist, wenn man sich nicht verbiegen lässt, dann gibt das Kraft.” Bei ihr selbst hat diese Haltung wunderbar funktioniert.

Schon früh hat Gabriele Krone-Schmalz die Weichen für ihr späteres Berufsleben gestellt. „Ich sammel' Sprachen“, erzählt sie. Nach Englisch, Latein und Französisch im Gymnasium lernte die Schülerin zunächst Italienisch, um dann, in Ermangelung einer Alternative an einer benachbarten Privatschule Russisch zu lernen. „Das hatte etwas von Briefmarken-Sammeln“, sagt sie heute lapidar. Aber sie erklärt auch: „Ich wurde im Kalten Krieg erzogen, ich war neugierig, wollte herausfinden, was hinter dem Eisernen Vorhang passiert.”

Faszination und Distanz

Vier Jahrzehnte später erscheint diese jugendliche Entscheidung wie ein früher Wink des Schicksals. Gabriele Krone-Schmalz, von 1987 bis 1991 die erste Moskau-Korrespondentin der ARD, ist als Russland-Expertin gefragter als mancher Leiter eines Osteuropainstituts in der Bundesrepublik. Sie engagiert sich im Deutsch-Russischen Forum, arbeitet beim Petersburger Dialog mit, war als Gastprofessorin tätig.

Russland lässt sie nicht mehr los. Sie wird nicht müde, Mittlerin zu sein. Sie diskutiert, streitet notfalls, überzeugt allerdings viel lieber, wenn sie erklären möchte, dass man „an Russland einfach glauben muss“. Das heißt nicht, dass sie neben der Faszination keine kritische Distanz beziehen kann, dass sie Missstände nicht sieht.

Der lästige Wirbel

Allerdings erkennt sie ein fundamentales Problem, dass sich seit ihrem Studium nur in Nuancen verändert hat. In ihrer Dissertation 1977 sucht sie nach „vorurteilsbeladenen Bildern” von Russen und Russland im Schulfunk nach 1945. Und findet Ungeahntes. In der Regieanweisung eines Hörspiels heißt es: „Sobald ein Russe einen Schluck trinkt, ganz gleich, ob Tee oder Wodka, steht da ,glucksende Geräusche'. Bei allen anderen heißt es neutral ,Trinkgeräusche'”. In dieser Wahrnehmung habe sich wenig geändert. „Putin hat viele Beispiele für die neue Offenheit geliefert. Doch die Reaktion im Westen war immer die gleiche. Legte er Untersuchungsergebnisse vor, wurden diese angezweifelt. Verweigerte er diese, wurde ihm unterstellt, er wolle etwas vertuschen.”

Apropos Wahrnehmung: Ihrem Markenzeichen, dem faustischen Haarschnitt à la Gustaf Gründgens, wird Gabriele Krone-Schmalz treu bleiben. Nach mehreren fehlgeschlagenen Friseurbesuchen hat ihr Mann Lothar zur Schere gegriffen. „Er hat die Frisur kreiiert”, sagt sie. In dem Zacken bändigt der ehemalige Bauingenieur einen lästigen Wirbel. Und weil sich alle Welt – einschließlich Gabriele Krone-Schmalz – daran gewöhnt hat, bringt Lothar Schmalz einmal wöchentlich die Haarpracht wieder in Form.

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