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Gelsenkirchen: Nach Riesen-Aufregung – „Frei.Wild“-Sänger doch ausgeladen

Antisemitismus-Skandal: Documenta-Chefin Schormann legt Amt nieder

Wegen Antisemitismus-Vorwürfen sorgt die Kasseler Kunstausstellung Documenta seit Monaten für negative Schlagzeilen. Nun legt die Generaldirektorin Sabine Schormann ihr Amt nieder. IMAGES AND SOUNDBITES

Riesen Wirbel in Gelsenkirchen um einen Termin am 22. September in der Jüdischen Gemeinde. Es geht um die Einladung von Philipp Burger, Frontmann der umstrittenen Deutschrock-Band „Frei.Wild“.

Am Freitag überschlugen sich die Ereignisse. Der Musiker Philipp Burger ist nun ausgeladen worden! Alle Hintergründe erfährst du hier.

Gelsenkirchen: Empörung über Einladung von „Frei.Wild“-Sänger Philipp Burger

Unter dem Motto „Nie schweigen!“ werden in Gelsenkirchen mehrere Prominente im September über Antisemitismus und rechte Gewalt diskutieren. Dass hierfür bis Freitagvormittag auch Philipp Burger von „Frei.Wild“ eingeplant war, sorgte bei Kritikern für Entsetzen.

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Bei der Veranstaltung wird zuerst aus dem letzten Interview-Buch der Auschwitz-Überlebenden Esther Bejarano vorgelesen. Die 2021 verstorbene Jüdin kämpfte jahrzehntelang gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit.

Zu der Lesung mit Diskussion in Gelsenkirchen kommen zahlreiche bedeutsame Persönlichkeiten wie der BKA-Präsident Holger Münch, die NRW-Antisemitismusbeauftragte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) und Autor Ahmad Mansour. Auch „Frei.Wild“-Star Burger war für einen Platz auf der Bühne vorgesehen. Doch nun die Wende!

„Frei.Wild“-Star in Gelsenkirchen: „Was für eine Schande!“

Der Band „Frei.Wild“ wird vorgeworfen, mit ihren Songs politisch rechte Motive zu bedienen und besonders ein Fan-Milieu ansprechen zu wollen, das rechtspopulistische bis hin zu rechtsradikalen Parteien wählt, wie die AfD in Deutschland oder die FPÖ in Österreich. Zudem hat Burger eine rechtsextreme Vergangenheit. Er spielte in seiner Jugend in der Skinhead-Band „Kaiserjäger“.

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Vielen Kritikern passte es daher gar nicht, dass der Südtiroler Burger nun nach Gelsenkirchen eingeladen wurde. „Mit so jemanden diskutiert ihr?“, fragte ein Twitter-Nutzer entsetzt. „Was für eine Schande!“, befand ein anderer. „Ihr spuckt auf ihr Grab. Schämt euch“, beschwerte sich ein weiterer im Netz massiv.

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Mehr über „Frei.Wild“

  • Deutschrock-Band aus Südtirol
  • gegründet 2001
  • Bandmitglieder: Philipp Burger (Gesang, E-Gitarre), Christian „Föhre“ Forer (Schlagzeug), Jochen „Zegga“ Gargitter (E-Bass), Jonas Notdurfter (E-Gitarre)
  • Erfolgreichste Alben: „Gegengift“ (2010), „Feinde deiner Feinde“ (2012), „Opposition“ (2015), „Rivalen und Rebellen“ (2018)

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Forderung wurden laut: Burger „schnellstens wieder ausladen“

Zahlreiche empörte Reaktionen fanden sich binnen Stunden im Netz. Darunter auch ein Statement der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-BdA: „Gegen diese plumpe Vereinnahmung des Andenkens an Esther Bejarano sprechen wir uns als VVN-BdA in aller Deutlichkeit aus.“ Es sei „an Dreistigkeit kaum zu übertrumpfen“, dass dieser Abend mit Burger im Namen von Bejarano stattfinde. „Wir fordern die Veranstalter auf, Philipp Burger schnellstens wieder auszuladen.“

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Co-Autor verteidigte Einladung des „Frei.Wild“-Sängers: „Esther Bejarano ist keiner Diskussion aus dem Weg gegangen“

Zuerst sah es nicht nach einer Ausladung des Sängers aus. Journalist Sascha Hellen, als Interview-Partner Co-Autor des Buches „Nie schweigen“, antwortete darauf deutlich auf Twitter: „Esther Bejarano war eine Frau, die keiner Diskussion aus dem Weg gegangen ist. Entsprechend freuen wir uns auf das Gespräch, dass durchaus kritisch wird. Keine Sorge.“

Veranstalter reagiert auf hitzige Debatte: „Frei.Wild“-Sänger ist raus

Doch nun kam es doch anders! Aufgrund der hitzigen Debatte reagierte die Agentur Lamalo und erklärte laut „WAZ“ am Freitag, dass Burger nun doch nicht mehr mitdiskutieren wird.

„Nach reiflicher Überlegung und mit Blick auf die öffentliche Kritik, haben wir uns entschlossen, auf die Teilnahme von Philipp Burger an der Diskussion im Nachgang zur Lesung ,Nie schweigen’ in Gelsenkirchen zu verzichten“, so die Veranstalter von Lamalo.

Ob nun als zweite Welle eine Debatte über eine vermeintliche Cancel Culture losgehen wird?