Gelsenkirchen

Gelsenkirchen ist das Letzte – Warum der Mann hinter der Kampagne #401GE das geil findet

Eine Schrottimmobilie in Gelsenkirchen-Buer: Kann das als Sinnbild der Stadt herhalten? (Archivbild)
Eine Schrottimmobilie in Gelsenkirchen-Buer: Kann das als Sinnbild der Stadt herhalten? (Archivbild)
Foto: Heinrich Jung / FUNKE Fotoservices
  • In Gelsenkirchen lebt es sich von allen Städten Deutschlands am schlechtesten
  • Das ist das Ergebnis einer ZDF-Studie
  • Der Gelsenkirchener Olivier Kruschinski findet das geil
  • Er steckt hinter der Kampagne #401GE

Gelsenkirchen. Es gibt einen Witz, der sich derzeit bei Facebook und Co. großer Beliebtheit erfreut:

Die neun hässlichsten Städte Deutschlands:

9. Man

8. Kann

7. Städte

6. Doch

5. Nicht

4. Nach

3. Dem

2. Aussehen

1. Gelsenkirchen

Es dürfte genau Olivier Kruschinskis (43) Humor sein. Der Gelsenkirchener ist das Gesicht hinter einer neuen selbstironischen Kampagne mit dem Namen #401GE.

Die Zahl 401 steht für den Rang, den Gelsenkirchen bei einer vom ZDF in Auftrag gegebenen Studie zur Lebensqualität in Deutschland eingenommen hat. Untersucht wurden 401 Kreise und Städte der Bundesrepublik. „Wir sind also das Allerletzte“, sagt Kruschinski und freut sich: „Das ist doch geil!“

#401GE - „Jetzt haben wir einen Platz zu verteidigen“

Der Gelsenkirchener nimmt die Studie sportlich: „Jetzt haben wir einen Platz zu verteidigen“, sagt er begeistert und weiter: „Wenn wir schon nichts haben, dann sollten wir uns zumindest das nicht auch noch nehmen lassen.“

Tatsächlich kokettiert der bekennende Lokalpatriot und Schalke-Fan lediglich mit Gelsenkirchens schlechtem Image. In der Fanszene des FC Schalke 04 ist diese Herangehensweise bereits seit Jahren etabliert. In den Stadien singen die Schalke-Fans etwa: „Wir sind Schalker, asoziale Schalker, schlafen unter Brücken oder in der Bahnhofsmission.“

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„Bleibt doch alle weg, hier ist alles dreckig und jeder kriminell!“

Die Schalker sind stolz auf die Bergarbeiter-Tradition ihres Vereins. „Geboren auf Kohle und Stahl“ – das bedeutet etwas in der Nordkurve. Und es schweißt zusammen. Auf Schalke hat sich über Jahrzehnte eine der größten Fan-Szenen Deutschlands herausgebildet.

Olivier Kruschinski liebt nicht nur den Verein, sondern fühlt sich auch mit seiner Stadt verbunden. Er will die Gelsenkirchener aufrütteln. Er schreit mit der Kampagne #401GE in die Welt hinaus: „Bleibt doch alle weg, hier ist alles dreckig und jeder kriminell!“ Von seiner Botschaft verspricht er sich genau das Gegenteil.

„Das Ruhrgebiet hat Deutschland am Kacken gehalten“

Berlin habe es mit seinem Claim „Arm aber sexy“ vorgemacht. Die Schönheit im Hässlichen entdecken. Das könne der Pottler auch. „Den Leuten zu erklären, dass wir einen tollen Zoo haben oder alles so schön grün ist – das zieht nicht“, ist Kruschinskis Beobachtung. Der 43-Jährige will für Gelsenkirchen deshalb folgendes Motto etablieren: „Wir sind das Letzte. GErne!“

Hat er die Aufmerksamkeit der Leute erreicht, will er das Selbstbewusstsein der Gelsenkirchener und der ganzen Region stärken. „Das Ruhrgebiet hat Deutschland jahrzehntelang am Kacken gehalten“, sagt er. Damit meint er etwa die Kumpel aus den Bergwerken. Oder die Arbeiter in der Stahlindustrie, ohne deren Maloche Deutschlands Wohlstand nicht möglich gewesen wäre.

„Das Beste kommt schließlich immer zum Schluss“

Der 43-Jährige wünscht sich, dass die Menschen in Gelsenkirchen sich kritisch mit Studien-Ergebnissen auseinandersetzen. Zwar gebe es in Gelsenkirchen strukturelle Probleme, aber jeder solle sich fragen: „Ist denn wirklich alles so schlimm?“

Als Beispiel nennt er das durchschnittliche Grundeinkommen, das nirgendwo in Deutschland niedriger ist als in Gelsenkirchen. „Aber was heißt das schon? Von 1.500 Euro kann ich in Gelsenkirchen besser leben als von 3.000 Euro in München“, meint Kruschinski.

Wenn man schon Schlusslicht ist, könne man es doch wenigstens mit Humor nehmen: „Das Beste kommt schließlich immer zum Schluss!“

 
 

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