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Gruppenvergewaltigungen in Essen: Der Jüngste (15) war der „Big Boss“ – so waren die Hierarchien in der perfiden Bande

Gruppenvergewaltigungs-Prozess: Jüngester Beschuldigter bezeichnete sich als Big Boss
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  • Am Freitag startete der Prozess um die Gruppenvergewaltigungen in Essen und Gelsenkirchen
  • Fünf junge Männer sind angeklagt, sieben Mädchen brutal vergewaltigt zu haben
  • Anklageschrift und die Aussage eines Verdächtigen lassen erahnen, wie die Hierarchien in der Vergewaltiger-Bande waren

Essen. Der erste Prozesstag um die Gruppenvergewaltigungen in Essen und Gelsenkirchen gab den Anwesenden bereits ein erschreckend detailliertes Bild über die fünf Angeklagten und die ihnen vorgeworfenen Taten.

Siebenmal sollen die fünf Verdächtigen in wechselnder Zusammensetzung ihnen bekannte Mädchen unter einem Vorwand ins Auto gelockt haben. Anschließend nahmen sie ihren Opfern laut Anklage das Handy ab und fuhren sie an einen abgelegenen Ort, wo sie die Mädchen teils unter Androhung oder sogar Ausübung von Gewalt zu Geschlechtsverkehr zwangen.

Gruppenvergewaltigungen in Essen: Joshua E. mit umfangreichem Geständnis

Dafür stehen Gianni H. (19), Joshua E. (20), Dean Martin L. (18), Enrico F. (24) und der minderjährige A. H. seit Freitag vor dem Essener Landgericht. Nach der Verlesung der Anklage (hier alle Infos), die allen Zuhörern einen Schauer nach dem anderen über den Rücken jagte, kündigten alle Verdächtigen an, sich zu den schwerwiegenden Vorwürfen äußern zu wollen.

Joshua E. tat dies bereits am ersten Prozesstag. Zunächst ließ der 20-Jährige über seinen Verteidiger Uwe Krechtel verlauten, dass er die Beteiligung an allen ihm vorgeworfenen Taten gestehe, seine Schuld anerkenne, sich dafür schäme und die Opfer um Verzeihung bitte. Anschließend sagte er umfangreich aus (hier mehr zum Geständnis von Joshua E.).

Joshua E.: Brüder H. waren die Strippenzieher, A. H. der „Big Boss“

Anhand der Anklage und der Einlassung von E. zeichnete sich bereits ein Bild ab, welche Hierarchien und Dynamiken in der Gruppe der mutmaßlichen Gruppenvergewaltiger herrschten. Kaum zu glauben: Ausgerechnet der jüngste Angeklagte soll angeblich Kopf, Strippenzieher und Wortführer der Bande gewesen zu sein - jedenfalls wenn man der Aussage von Joshua E. glaubt.

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A. H., zum Zeitpunkt der ersten Tat gerade einmal 15 Jahre alt, war laut Anklage an sechs der sieben Taten beteiligt. Sowohl in der Anklage als auch in der Aussage von Joshua E. hatte er dabei eine führende Rolle in der Gruppe inne.

Gruppenvergewaltigungs-Prozess am Essener Landgericht
Gruppenvergewaltigungs-Prozess am Essener Landgericht

„Big Boss“ soll A. H. sich laut E. selbst gegenüber den anderen Bandenmitgliedern und auch den Opfern genannt haben. Er soll die Gruppenvergewaltigungen maßgeblich ausgeheckt haben, machte den Mädchen nach der Ankunft am späteren Tatort ihre aussichtslose Lage klar und wirkte mehrfach massiv und aggressiv auf die Mädchen ein, um sie zum Sex mit allen Beteiligten zu zwingen. Dabei nahm er sich das Recht heraus, die Mädchen als erster vergewaltigen zu dürfen.

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Gianni H., älterer Bruder von A. H., hatte demnach zuvor die WhatsApp-Gruppen „Spinnen GE“ und „Scorpions MC 1%“ gegründet, in denen die Bande ihre Opfer aussuchte und die Vorgehensweise besprach. Der heute 19-Jährige soll an fünf Taten beteiligt gewesen sein, wurde vor Gericht von Joshua E. ebenfalls als einer der Haupttäter belastet.

Dean Martin L. und Enrico F. waren laut Anklage und Einlassung von E. tendenziell eher Mit- als Haupttäter. Sie blieben demnach eher im Hintergrund, während die Brüder H. die Initiative ergriffen. Doch auch sie nahmen sie an mehreren Vergewaltigungen teil. L. war es auch, der in fünf der sieben Taten Lockvogel für die späteren Opfer gewesen sein soll, die Mädchen auswählte und sie in die Falle lockte.

Anwalt von Dean Martin L. : "Müssen differenzieren zwischen Tathandlungen und freiwilligen Situationen"
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Die Auswahl der ersten beiden Opfer kam durch die Bekanntschaft zu Joshua E. zustande, wie der 20-Jährige selbst in seiner Aussage gestand. Mit beiden habe er bereits vor den Taten Sex gehabt. A. H. sei über ihn an die Telefonnummern der Mädchen gekommen und habe mit ihnen Treffen ausgemacht, bei denen sie schließlich verschleppt und vergewaltigt wurden.

Nach der Sommerpause wird der Prozess gegen die mutmaßlichen Gruppenvergewaltiger am 6. August fortgesetzt. Insgesamt wurden 21 Prozesstage angesetzt, an denen unter anderem auch die anderen vier Angeklagten sowie die Opfer der Bande aussagen sollen.

 
 

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