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Essen: Alleinerziehende Mutter ist plötzlich gefragte Fachkraft – dank eines einmaligen Projekts der Stadt

Essen: Zhamak Shadkam (37) hat Anfang April ihren Job im Alfried Krupp Krankenhaus begonnen.
Essen: Zhamak Shadkam (37) hat Anfang April ihren Job im Alfried Krupp Krankenhaus begonnen.
Foto: privat

Essen. Anfang April ging es los für Zhamak Shadkam (37). Die zweifache Mutter aus Essen hat ihren Job als Gesundheits- und Krankenpflegerin im Alfried Krupp Krankenhaus begonnen.

Die 37-Jährige ist alleinerziehende Mutter. Zwei Jungs und Schichtarbeit im Krankenhaus – eigentlich unvorstellbar. Doch ein deutschlandweit einmaliges Projekt der Stadt hat es möglich gemacht.

Essen: Alleinerziehende Mutter startet dank einmaligem Projekt Job im Krankenhaus

Vor acht Jahren starb Zhamaks Mann. Die zweifache Mutter, als junge Frau aus dem Iran nach Deutschland gekommen, hatte bislang die beiden kleinen Kinder großgezogen. Mit dem unerwarteten Tod ihres Mannes stand sie plötzlich vor dem Nichts.

Ihr naturwissenschaftliches Studium wurde in Deutschland nicht anerkannt. Sie möchte eine Ausbildung beginnen. Doch Schichtdienste als alleinerziehende Mutter mit zwei kleinen Kindern (heute 9 und 14 Jahre)? Undenkbar. „Ich konnte sie unmöglich alleine zuhause lassen“, sagt Zhamak.

Doch sie hat Glück: die Essenerin erhält 2017 einen begehrten Platz bei „Sonne, Mond und Sterne“, einer ergänzenden Kinderbetreuung, den der Verband allein erziehender Mütter und Väter seit 2014 in Essen anbietet.

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Das Projekt ist eine kleine Erfolgsgeschichte. Auch dank der Unterstützung der Stadt werden inzwischen dauerhaft 20 Familien betreut. 16 Teilnehmer der ergänzenden Kinderbetreuung konnten ihre Ausbildungen erfolgreich beenden, 14 von ihnen im Gesundheitswesen.

Kinderfee und Kobold passen auf Kids auf

Während Zhamak also in der Nachtschicht arbeitet oder für Prüfungen paukte, passten sogenannte Kinderfeen oder Kobolde auf ihre beiden Jungs auf. Oft sind das Studenten oder Senioren. Zhamaks Kinderfee ist Rita. „Ohne sie hätte ich meine Ausbildung nicht geschafft“, ist Zhamak überzeugt. „Sie ist eine große Unterstützung, unternimmt viel mit den Kindern und fördert sie.“ Wenn Rita mal keine Zeit hat, springt ihr Ehemann als Tagesvater ein.

„Es war eine harte Zeit“

Vier Jahre dauerte ihre Ausbildung im Elisabeth-Krankenhaus. „Es war eine harte Zeit“, sagt Zhamak rückblickend. „Es ist schwierig zwei Jungs groß zu ziehen, Schicht zu arbeiten und noch für Prüfungen zu lernen.“

Auch für ihre Kinder sei es eine Herausforderung gewesen, erzählt sie im Gespräch mit DER WESTEN.

„Wir haben manchmal kleine Wettbewerbe zwischen Mama und Kids gemacht, wer die beste Note in den Prüfungen hat“, schildert sie. Am Ende beendet Mama Zhamak ihre Ausbildung mit Bestnoten. „Meine Jungs waren sehr stolz auf mich.“

Essener Erfolgsgeschichte in anderen Kommunen nicht denkbar

In anderen Städten wäre eine solche Erfolgsgeschichte nicht denkbar, gibt Antje Beierling, Vorstand beim VAMV NRW, zu bedenken. „Hätten wir wie in Essen endlich in allen Kommunen eine bedarfsgerechte Kinderbetreuung auch in Randzeiten, könnten wir mehrere Probleme angehen: das hohe Armutsrisiko bei Alleinerziehenden und den Personalmangel in der Pflege“.

Mehr als ein Drittel der alleinerziehenden Mütter, die aktuell Transferleistungen erhalten, wollten arbeiten, zeigt auch der aktuelle Familienreport des Bundesfamilienministeriums.

Zhamak ist eine von vier betreuten alleinerziehenden Müttern, die in diesem Jahr nach ihrer Ausbildung eine Festanstellung bekommen haben. „Sie sind jetzt nicht mehr abhängig von Transferleistungen, sondern gesuchte Fachkräfte“, freut sich Beierling. Das sollte doch Vorbild für andere Städte sein.