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Essen: Ein Jahr nach dem schlimmen Großbrand – so geht es den Betroffenen heute

Ein Jahr ist es nun her, dass das Feuer in Essen über 100 Menschen ihr Zuhause genommen hat. Mit einem von ihnen haben wir jetzt gesprochen.

Essen

Essen: Feuer-Inferno in der Nacht – am Morgen werden die dramatischen Folgen sichtbar

Der 21. Februar 2022 – ein Tag, den viele in Essen nicht so schnell vergessen werden. 128 Menschen verloren in der Nacht ihr Zuhause, als ein großes Wohngebäude in der Grünen Mitte innerhalb von wenigen Minuten komplett niederbrannte (mehr dazu in unserem Newsblog). Peter Borgs ist einer von ihnen.

Der 63-jährige Essener und seine Frau mussten in besagter Nacht alles stehen und liegen lassen und ihre Wohnung für immer verlassen (wir berichteten). Jetzt – ein Jahr nach dem Großbrand – hat der Bewohner gegenüber DER WESTEN erzählt, was ihm seit dem tragischen Vorfall alles passiert ist.

Essen: Nach Großbrand – Paar zieht wieder zurück

Wie geht es den Betroffenen ein Jahr nach der großen Tragödie? „Gut“, sagt Peter Borgs – und meint es auch so. Für ihn und seine Frau war es ein ungewollter Neuanfang. Als sie in besagter Nacht plötzlich ihre Wohnung verlassen mussten, konnten sie nichts mitnehmen, denn dazu war keine Zeit. „Als ich die Tür hinter uns zuzog, stand das Wohnzimmer schon in Flammen“, erinnert sich der 63-Jährige noch lebhaft. Einen Tag später hatte DER WESTEN mit ihm über die Geschehnisse der Nacht gesprochen (hier mehr dazu).

+++ Essen: Anwohner hörten lauten Knall ++ Nachbar schockiert nach Brand: „Ich wäre nicht rechtzeitig rausgekommen“ +++

Das Paar kam kurzfristig im Funke-Gebäude nebenan und danach im Auditorium der Universität Duisburg-Essen unter. „Einfach so über Nacht standen wir da und hatten nichts mehr“, blickt Borgs zurück. Für ihn gab es nur zwei Optionen: „Entweder im Selbstmitleid versinken oder wir bauen uns etwas Neues woanders auf“.

Essen: Peter Borgs hat durch den Brand seine gesamte Wohnung verloren., Essen: Das sind die Überreste der Wohnung von Peter Borgs.
Essen: Peter Borgs hat durch den Brand seine gesamte Wohnung verloren. Foto: Foto: Metin Gülmen/DER WESTEN

Freunde nahmen das Paar für ein paar Nächte auf, dann fand sich eine Mietwohnung in Mülheim. Heute wohnt es nur etwa 100 Meter weg von der früheren Wohnung – und die Jetzige sieht dieser zum Verwechseln ähnlich. „Wir haben es gut erwischt“, sagt Borgs. Er sei dort bereits angekommen – seine Frau etwas weniger. „Sie hängt schon noch sehr an der alten Wohnung.“

Ein Neuanfang

Beim Umzug im Juni hatte das Paar erst einmal nichts. Möbel mussten her und alle Papiere neu beantragt werden. „Jedes Möbelhaus duzt uns“, scherzt der 63-Jährige. Tatsächlich sei der Backofen erst vor zwei Monaten angekommen – den aktuellen Liefer- und Produktionskrisen sei Dank. Das Paar lebte Monate im Provisorium. „Das war wirklich eine Challenge.“

An dieser Stelle möchte sich der Essener noch einmal herzlich bei dem Wohnungsanbieter Vivawest bedanken. „Die haben sich toll für uns eingesetzt und uns sehr unterstützt.“ Beim Einwohnermeldeamt konnten sie sofort ihre Papiere erneuern. „So konnten wir wieder schnell auf den eigenen Beinen stehen.“

Zwischenzeitlich konnten sie dann doch wieder in ihre alte Wohnung und sogar noch etwas retten. In einem Schließfach im Abstellraum lagen noch brauchbare Dokumente: Versicherungsunterlagen und der Bootsführerschein. „Das konnten wir noch retten.“ Doch der Rest wurde vom Feuer, dem Löschwasser und dem Ruß zerstört. Vor allem die Familienalben zu verlieren, sei sehr schmerzhaft für Borgs gewesen. „Da bin ich schon traurig. Das ein oder andere Foto von den Eltern hätte ich gerne wieder.“

Was sich für den Essener geändert hat

 „Sie können nicht mehr nach Hause. Da ist nichts.“ Genau diese Erkenntnis hatte Borgs die ersten Monate nach dem Verlust der Wohnung sehr belastet. Seine Beziehung gab ihm dabei Halt. „Wir halten jetzt noch fester zusammen als vorher.“ Dass beide überall mit offenen Armen aufgenommen wurden, half sehr. Doch noch jetzt bekommt Borgs ein komisches Gefühl, wenn er Rauch riecht. „Wenn ihnen so etwas passiert, sind sie danach ein bisschen sensibilisiert.“


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Bei der Einrichtung der jetzigen Wohnung sind er und seine Frau etwas minimalistischer geworden. „Wir haben jetzt eine andere Sichtweise auf die Dinge, die wir brauchen. Wirklich wichtig ist nur, dass wir überlebt haben – und das war schon knapp.“ Regelmäßig läuft er an der Baustelle vorbei, die bis vor einem Jahr noch sein Zuhause war. Gerne würde er hier auch wieder einziehen, wenn Vivawest das Gebäude renoviert. Angst vor einem erneuten Feuerinferno hat er keine. „Das wird sicherlich nicht noch einmal passieren.“