Essen

Ein Jahr nach dem Urteil im Essener Libanesen-Prozess: So bewertet Ratsherr Ahmad Omeirat die Entwicklung in der Community

Florian Ring
Der gebürtige Libanese Ahmad Omereit ist Mitglied im Rat der Stadt Essen.
Der gebürtige Libanese Ahmad Omereit ist Mitglied im Rat der Stadt Essen.
Foto: Dirk Bauer / FUNKE Fotoservices
  • Im Dezember 2016 wurde das Urteil im Essener Libanesen-Prozess gesprochen
  • Ratsherr Ahmad Omeirat erklärt, was sich seitdem in der Community verändert hat

Essen. Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass das Urteil im Essener Libanesen-Prozess gesprochen wurde. Der Angeklagte Mahmoud M. wurde wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Er hatte sechsmal auf den 21-jährigen Mohammed E. geschossen, der zwei Monate später im Krankenhaus an seinen Verletzungen starb. Seine Mittäter Mohammad M. (36) und Khalid M. (21) müssen für sieben beziehungsweise sechs Jahre einsitzen.

Doch hat sich durch die Tat und das Urteil in der Community etwas geändert?

„Instinktiv würde ich sagen: Ja“, sagt Ahmad Omeirat, der für die Grünen im Essener Stadtrat sitzt und sich bestens in der Szene auskennt. Seine Eltern kamen 1985 selbst als libanesische Flüchtlinge nach Essen. Ahmad war damals zwei Jahre alt.

„Nach der Tat herrschte in der Community zunächst eine Schockstarre. Allen war klar, dass da ein absoluter Tabubruch passiert war.“ Vor allem die Jugendlichen hätten danach versucht ihre Gefühle mit emotionalen Facebook-Posts auszudrücken.

„Alltag ist von Trauer geprägt“

Auch bei der Beerdigung von Mohammed E. war die Anteilnahme groß. Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen war persönlich gekommen, um der Familie seine Hilfe und Unterstützung anzubieten.

Viel passiert ist seitdem allerdings nicht. „Das letzte Jahr war für die Angehörigen sehr schwer, ihr Alltag ist von Trauer geprägt. Jeden Tag besuchen sie das Grab ihres Sohnes“, sagt Omeirat, der in regelmäßigem Kontakt mit den Eltern steht.

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Den Berliner Platz meiden sie, seit dem verhängnisvollen Tag im April 2016. Längst wollten Bahjat El-Kadi und seine Frau die Stadt verlassen haben, in der ihr Sohn umgebracht wurde. Doch sie dürfen es nicht.

Eltern wollen nur noch weg aus Essen

Von der Unterstützung, die ihnen vor knapp eineinhalb Jahren versprochen wurde, spüren sie nichts. „Das einzige, was ich will ist, dass die Stadt Essen mich und meine Familie wegziehen lässt. Das ist meine einzige Bitte“, sagt El-Kadi.

Auch Ahmad Omeirat kann nicht verstehen, warum die Ausländerbehörde bislang jegliche Anträge abgelehnt hat. Er hofft, dass die Stadtverwaltung ihre Möglichkeiten noch ausschöpft und will die Familie dabei weiter unterstützen.

Omeirat will jungen Libanesen helfen

So wie er auch viele junge Libanesen unterstützt. „Die meisten sind hier in Essen geboren, lieben ihre Stadt. Sie sind bereit, sich demokratisch anzupassen.“

Akzeptiert werden sie dennoch häufig nicht. „Die Befürworter werden durch solche schweren Straftaten natürlich abgeschreckt. Der Ruf in der Bevölkerung ist nicht besonders gut“, so Omeirat.

Daran will er arbeiten und weiter für mehr Chancengleichheit und Respekt kämpfen, damit die Integration gelingt. So wie sie ihm einst gelang, nachdem er 1985 als kleiner Junge nach Essen kam.