Essen

„Die Libanesen werden in Essen seit Jahren verurteilt“ - Ahmad Omeirat ist vom pauschalen Hass genervt

Der gebürtige Libanese Ahmad Omereit ist Mitglied im Rat der Stadt Essen.
Der gebürtige Libanese Ahmad Omereit ist Mitglied im Rat der Stadt Essen.
Foto: Dirk Bauer / FUNKE Fotoservices
  • Nach den Schüssen auf ein libanesisches Paar in Essen-Huttrop:
  • Grünen-Politiker Ahmad Omereit veurteilt gesellschaftliche Stereotype
  • Viele Probleme seien hausgemacht

Essen. Nach den Schüssen auf ein libanesisches Paar am Montag in Essen-Huttrop ist Grünen-Politiker Ahmad Omeirat bestürzt.

Als ordnungspolitischer Sprecher der Ratsfraktion verurteilt Ahmad Omereit die Schüsse auf offener Straße scharf: „Sobald die Täter identifiziert sind, sollen sie ihre gerechte Strafe erhalten.“ Die Polizei könne und werde die Essener Bürger vor den Tätern schützen.

Keine Spekulationen

Jedoch warnt der Essener Ratspolitiker davor, die libanesisch-kurdische Community an den Pranger zu stellen, bevor der Fall geklärt ist.

„Bis die polizeilichen und staatsanwaltlichen Ermittlungen abgeschlossen sind, möchte ich mich nicht an Spekulationen über die Täter beteiligen.“

Vorurteile

Genau das geschieht nach Ansicht Omeirats auf der Straße und vor allem in den sozialen Netzwerken. Hier gelte für die Mehrheit der User als sicher, dass es sich bei den Tätern um Libanesen handelt.

Doch der gebürtige Libanese kritisiert die vorschnellen Urteile: „Die libanesische Community muss in Essen in jeder Integrationsfrage den Kopf herhalten.“

Gewalt hat keine Nationalität

Selbst wenn es sich um einen Rache-Akt eines Libanesen halten sollte, wäre es fahrlässig, die Tat auf die Nationalität zurückzuführen.

„Man muss sich nur die Kommentare auf Facebook anschauen: So wie die Polen immer herhalten müssen, wenn irgendwas geklaut wurde, gelten die Libanesen als Mörder.“

In diesem Zusammenhang sieht Omeirat die Gefahr einer selbsterfüllenden Prophezeihung.

Teufelskreis

Wenn Kinder in eine Familie ohne Chance auf Einbürgerung geboren würden, bestehe die Möglichkeit, dass sie sich nicht als Teil der Gesellschaft betrachten.

Besonders Jugendliche sind auf der Suche nach einer Identität. Der Grünen-Politiker sieht die Gefahr, dass sich dadurch einige Jugendliche vom Stereotyp des „libanesischen Gangsters“ angezogen fühlen könnten. Auf diese Weise würden sie endlich zu den Starken der Gesellschaft gehören.

Integration

Genau deshalb fordert Omeirat, auch Mitglied des Integrationsrats, die Behörden der Stadt Essen auf, in Deutschland geborene Kinder mit Duldungs-Status besser zu integrieren.

Dies würde seiner Auffassung nach mit anderen Minderheiten in Essen deutlich besser funktionieren.

Mehr zum Thema:

Angriff auf libanesisches Paar: Opfer hat Essen aus Angst verlassen

Warum die Integration von jungen Libanesen in Essen so schwierig ist

Warum die „Libanesen“ in Essen eigentlich Kurden sind

 
 

EURE FAVORITEN