Essen

Ehrenmord-Prozess in Essen: Dieser skurrile Fehler hat erhebliche Folgen

Personenbeschützer begleiteten zu Prozessbeginn einen der Angeklagten in den Gerichtssaal.
Personenbeschützer begleiteten zu Prozessbeginn einen der Angeklagten in den Gerichtssaal.
Foto: DER WESTEN/ Peter Sieben

Essen. Der Teufel steckt im Detail: Mal ist es ein Buchstabendreher, mal ist ein Datum falsch angegeben. Es sind wohl Dutzende kleine und weniger kleine Übersetzungsfehler, die den Prozess um einen versuchten Ehrenmord am Landgericht Essen erheblich verzögern.

Eigentlich hätten sich am zweiten Verhandlungstag am Montag die Angeklagten einlassen sollen: Elf Männer und zwei Frauen sitzen auf der Anklagebank. Der syrische Familien-Clan soll den Tod von Mohammad A. geplant haben.

Ehrenmord-Prozess in Essen verzögert sich

Acht von ihnen sollen dem 19 Jahre alten Mohammad A. am 31. Mai 2018 vor dessen Wohnung in Essen aufgelauert haben, um ihn brutal zu töten.

Mit Knüppeln schlugen sie auf ihr Opfer ein, stachen ihn mit Messern. Besonders oft zielten die Männer dabei auf seinen Kopf, stachen ihm auch in den Unterbauch, verletzten innere Organe und skalpierten ihn teilweise - und filmten die Tat. Fünf weitere Personen sollen in die Planung involviert gewesen sein.

Mohammad A. sollte sterben, weil er ein außereheliches Verhältnis mit einer Verwandten des Clans hatte: Sina M. Nur knapp überlebt Mohammad A. die Tortur - er muss notoperiert werden, schwebt zeitweise in Lebensgefahr.

Heute geht es dem 19-jährigen Mohammad A. „erstaunlicherweise“ gut, sagt Rechtsanwalt Aykan Akyildiz, der A. vertritt: Der 19-Jährige ist Nebenkläger im Prozess. „Die seelischen Wunden und die Angst vor Racheaktionen ist natürlich noch präsent“, so Akyildiz.

Sina M. „offensichtlich einer Gehirnwäsche unterzogen“

Kontakt zu Sina M. hat Mohammad nicht mehr. „Sie wurde offensichtlich einer Art “Gehirnwäsche“ seitens der Familie unterzogen und hat sich von ihm komplett losgesagt“, so sein Anwalt.

Mutter und Tante treibende Kräfte

Als treibende Kräfte bei der Planung des Mordkomplotts gelten die Mutter und die Tante von Sina: Gulistan M. und Muzgin M.

Einige der Angeklagten hatten bereits angekündigt, sich heute vor Gericht einlassen zu wollen. Doch bis es dazu kommt, dürfte noch einige Zeit vergehen.

------------------------------------

• Mehr Themen:

Versuchter Ehrenmord in Essen: Angeklagter von Personenschützer begleitet – das ist der Grund

Clan skalpiert und foltert Opfer (19) in Essen: Ehrenmord-Prozess bringt erschütternde Details ans Tageslicht

• Top-News des Tages:

Ex-Bandit und Clan-Insider mit provokanter These: „Essen ist verloren - verloren an die Araber!“

A3 Richtung Oberhausen voll gesperrt: Lkw stellt sich quer – Umleitungen überlastet

-------------------------------------

Die Verteidiger von Houssein M. hatten beantragt, dass das Verfahren ausgesetzt wird - es gebe erhebliche Fehler in der Übersetzung der Anklageschrift.

+++ Versuchter Ehrenmord in Essen – Killer-Kommando sollte Mohammad A. (19) foltern und töten +++

Übersetzungen sorgen für Verwirrung

Das Gericht ging am Montag jeden einzelnen Fehler mit dem Übersetzer durch. Dabei kam es immer wieder zu Verwirrungen. „Ja, hier haben wir uns vertippt“, räumte der Übersetzer ein. „Sie sprechen von ‚wir‘. Heißt das, es haben noch andere die Übersetzung angefertigt?“, fragte einer der Verteidiger. „Nein, wenn wir Orientalen ‚wir‘ sagen, meinen wir oft ‚ich‘. Das ist eine Floskel.“

+++ Versuchter Ehrenmord - Opfer: "Ich habe gedacht, das ist mein letzter Tag" +++

Später gab er dann an, dass ein Kollege die Übersetzung gemacht habe - er habe sie überarbeitet. Kein ungewöhnliches Vorgehen - im aktuellen Verfahren sorgte das aber für noch mehr Verwirrung.

Der Übersetzer der Anklageschrift ist gleichzeitig auch einer der Dolmetscher, die die Vorgänge simultan im Gerichtssaal ins Kurdische beziehungsweise Arabische übertragen. Ein Problem, wie die Verteidigung des Angeklagten Ali A. findet: „Ich habe Bedenken, dass die Live-Übersetzungen fehlerfrei sind“, so A.s Anwalt.

Einlassungen verzögern sich

Zu den Einlassungen der Angeklagten des Familien-Clans im Prozess um den versuchten Ehrenmord kam es denn auch nicht mehr am Montag.

Die Übersetzungsfehler seien nicht so schwerwiegend, dass eine Aussetzung des Verfahrens angebracht sei - jedenfalls vorerst, so der Vorsitzende Richter Jörg Schmitt. Aber: Die Übersetzung soll nun noch einmal genau geprüft werden. „Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit“, so Jörg Schmitt.

Das bedeutet: Es wir sehr viel länger dauern, bis es ein Urteil gibt. Ursprunglich waren Termine bis Juli vorgesehen, jetzt wird sich das Verfahren bis in den September ziehen.

 
 

EURE FAVORITEN