Duisburg

Duisburger rechnet mit seiner Heimat ab: „Das ist Marxloh, wenn kein Politiker hier rumrennt“

Warum heißt Duisburgs Stadtteil Marxloh eigentlich Marxloh?
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Duisburg. Seit seiner Geburt lebt Thorge Fischer (40) in Duisburg-Marxloh. Hier ist er aufgewachsen und bis auf eine kurze Unterbrechung hat er sein ganzes Leben hier verbracht.

Der Marxloher wohnt in der Elisabethenstraße, direkt an der A59. Ob er noch lange hier bleibt, weiß er nicht. Denn der 40-Jährige sagt: „So schlimm wie in den letzten drei, vier Jahren war es in Duisburg-Marxloh noch nie.“

Marxloher kritisiert Zustände im Stadtteil: „So sieht es aus, wenn keine Politiker rumrennen!“

Die Zustände im Stadtteil im Duisburger Norden machen ihn wütend. Auf Facebook postete er Bilder von wilden Müllkippen mit dem Hinweis: „Das ist Marxloh, wenn kein Politiker rum rennt...Schade, dass man den Pipi-Geruch nicht auf den Bildern riechen kann...“

Seit Jahren ist Marxloh in den Schlagzeilen - als „No-Go-Area“ und „Problemviertel“. Zuletzt sorgten Aussagen von Oberbürgermeister Sören Link für Aufregung. Er hatte von einer verstärkten Migration aus Rumänien und Bugarien gesprochen. Menschen, die gerade nach Duisburg-Marxloh kommen würden, um Kindergeld abzukassieren (mehr zum Thema hier).

Vor drei Jahren hatte die Bundeskanzlerin Marxloh besucht. Im März diesen Jahres war Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu Gast in Marxloh. Gebracht habe es laut Fischer nichts. „Damals waren alle Straßen abgesperrt. Die Straßen, die Herr Steinmeier entlang gegangen ist, waren wie leergefegt.“

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Beinahe täglich rufe er die Polizei wegen seiner Nachbarn. Mal fuhren Jugendliche unter 18 mit Autos rum, mal würden Männer zum Pinkeln raus an einen Brückenpfeiler gehen, mal seien es Ruhestörungen wegen Partys auf der Straße. Auch wilde Müllkippen seien ein großes Problem. Die Verursacher vor allem Bulgaren und Rumänen, behauptet er.

19.000 Menschen aus Rumänien und Bulgarien leben in Duisburg, hatte Oberbürgermeister Link kürzlich in einem Interview erklärt. 2012 sollen es laut dem OB 6.000 gewesen sein.

E-Mail an den Oberbürgermeister

Die Polizei kapituliere häufig, so Fischers Eindruck. Er hat Oberbürgermeister Sören Link eine E-Mail geschrieben und die katastrophalen Zustände dargelegt, erzählt er. „Geantwortet hat er nicht. Aber vielleicht hat er sie gelesen.“ Denn Link hatte kürzlich angesichts der Kindergeld-Debatte gesagt: „Ich muss mich hier mit Menschen beschäftigen, die ganze Straßenzüge vermüllen und das Rattenproblem verschärfen. Das regt die Bürger auf.“

Thorge Fischer findet sich in dieser Aussage wieder. Viele seiner Nachbarn seien deshalb aus Marxloh weggezogen, sagt er. Warum nicht auch weggehen? „Ich bin hier aufgewachsen. Meine Eltern leben hier, ich pflege sie und arbeite außerdem in der Nähe bei Thyssen.“ Aber ausschließen will er es nicht mehr. (ms)

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