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Dortmund: Erste muslimische Kita nimmt Formen an – Experte schlägt Alarm

In Dortmund soll bald die erste muslimische Kita eröffnen. Ein Träger ist gefunden. Warum es Kritik gibt, erfährst du hier.

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Das Projekt zur Gründung der ersten muslimischen Kita Dortmunds auf dem Gelände des ehemaligen türkischen Bildungszentrums an der Westhoffstraße nimmt weiter Fahrt auf. Gegenüber DER WESTEN bestätigte die Stadt Dortmund im September 2022 das Vorhaben. Eine Kita an dem Standort sei „sehr wünschenswert“, hieß es (mehr dazu hier).

Damals war allerdings unklar, wer der Träger der muslimischen Kita werden könne. Die DITIB (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion), der das Gelände gehört, kam dafür nicht infrage, weil dafür die notwendige Erfahrung im Bereich der frühkindlichen Bildungsarbeit fehlt. Jetzt soll ein Träger gefunden sein. Kritik wegen der Verstrickung mit der DITIB bleibt dennoch.

Dortmund: Winkt die Stadt die erste muslimische Kita durch?

Nach Angaben der „Ruhrnachrichten“ soll Lalezar (Tulpengarten) aus Mannheim der neue Träger werden. Der Verein betreibt schon seit zehn Jahren einen Kindergarten in Mannheim und gilt nach Angaben der Stadt Dortmund als anerkannter Träger der freien Jugendhilfe. Noch sei kein formaler Antrag auf die Erteilung der Betriebserlaubnis gestellt worden, berichtet die Zeitung. Daher habe das Jugendamt noch keine Entscheidung treffen müssen.


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Faruk Sahin, Verantwortlicher des Betreiber-Vorstands, teilte mit, dass es genau wie in christlichen Kitas auch in der muslimischen Kita religiöse Rituale gebe, wie etwa Tischgebete. Es gehe aber weniger darum, muslimischen Familien ein Angebot zu schaffen, sondern als Muslim Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen. Kritik an der muslimischen Kita gibt es trotzdem. Vor allem, weil die DITIB als Investor hinter dem Projekt steht.


  • DITIB steht für Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion
  • Gründung: 1984 in Köln
  • Größte sunnitisch-islamische Organisation in Deutschland
  • Der Verein untersteht der Leitung, Kontrolle und Aufsicht des staatlichen Präsidiums für religiöse Angelegenheiten der Türkei
  • Seit 2018 prüft der Verfassungsschutz eine Einstufung der DITIB-Zentrale als Verdachts- und Beobachtungsobjekt
  • Kritik gibt es unter anderem wegen der Verstrickung mit dem türkischen Staat

Kritik an muslimischer Kita

„DITIB ist der verlängerte Arm des türkischen Staates“, sagt etwa der in der Türkei aufgewachsene Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Ahmet Toprak von der Fachhochschule Dortmund gegenüber den „Ruhrnachrichten“. Zwar verstehe er den Wunsch zur Errichtung muslimischer Kitas, da es auch katholische und evangelische Kitas gibt. Er sei aber kein Freund davon, religiöse Einrichtungen zu implementieren.

Der Wissenschaftler geht davon aus, dass nicht-muslimische Familien ihre Kinder eher nicht in der neuen Kita anmelden würden und Muslime somit unter sich blieben. Toprak sieht die Gefahr von Segregation in der Gesellschaft. „Ich bin für die Durchmischung der Kinder.“


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Experten fürchten eine indirekte Einflussnahme des autokratischen türkischen Staates über die DITIB auf die Bildungsarbeit in der Kita. Faruk Sahin entgegnet im Gespräch mit den „Ruhrnachrichten“, dass auch muslimische Kitas von deutschen Aufsichtsbehörden kontrolliert würden. „Einen Einfluss des türkischen Staats zu unterstellen, würde bedeuten, den eigenen Behörden nicht zu trauen“, so der Lalezar-Verantwortliche. Man solle deshalb auf die zehnjährige Arbeit in Mannheim schauen. Dort teilte man mit, dass politische Parteien und ihre Interessenvertretungen keinen Platz in Kitas hätten. Die muslimische Kita genieße dort keine Sonderbehandlung.