Bochum

Heße-Opfer Christopher W. kochte seinem Freund Marcel noch Curry-Geschnetzeltes - Seine Hilfsbereitschaft brachte ihm den Tod

Christophers Mutter Michaela W. trägt am zweiten Prozesstag vor dem Bochumer Landgericht einen Anhänger mit dem Bild ihres toten Sohnes.
Christophers Mutter Michaela W. trägt am zweiten Prozesstag vor dem Bochumer Landgericht einen Anhänger mit dem Bild ihres toten Sohnes.
Foto: dpa

Bochum. Als Marcel Heße am Abend des 6. März an Christopher W.s (22) Tür klopft, freut sich Christopher. Gerade hatte er Streit mit einem anderen Freund. Besuch ist ihm sehr willkommen.

Heße (damals 19 Jahre alt) sagt, er brauche einen Platz zum Schlafen, seine Eltern seien in ein anderes Bundesland gezogen.

Christopher W. will Heße helfen

Christopher weiß nicht, dass das eine Lüge ist. Er kennt Heße aus dem Berufskolleg und hat früher mit ihm das Kartenspiel „Yu-Gi-Oh!“ gespielt. Doch die beiden jungen Männer haben sich länger nicht gesehen. Christopher will helfen.

Was er auch nicht weiß: Kurz zuvor hat Heße seinen Nachbarsjungen Jaden (9) mit 52 Messerstichen brutal ermordet. Jetzt sucht der 19-Jährige Zuflucht vor der Polizei.

Freudig lädt Christopher seinen Mörder in seine Wohnung ein.

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Er kocht ihm Geschnetzeltes mit Currysauce, die Freunde reden bis zwei Uhr nachts. Zwischendurch behebt Heße noch die Computerprobleme seines Obdachgebers. Dann gehen sie schlafen. Auf zwei Matratzen, nebeneinander.

Details stammen aus dem Vernehmungsprotokoll

Am zweiten Prozesstag am Landgericht Bochum werden diese Details aus dem Vernehmungsprotokoll verlesen, das in der Nacht von Marcel Heßes Festnahme entstand.

Heße selbst hat diese Dinge so angegeben. Ruhig, kontrolliert und überlegt hat er sie dem Polizeibeamten Markus N. in den Block diktiert.

Heße: „Hierbleiben ist keine Option“

Auch das: Um acht Uhr am nächsten Morgen weckt Christopher ihn und hält ihm das Handy hin. Schockiert fragt er seinen Gast: „Stimmt das?!“ Er wiederholt die Frage immer wieder und zeigt auf einen Facebook-Post mit Heßes Fahnungs-Bild.

Da war Heße klar: „Hierbleiben ist keine Option.“ Sich zu stellen aber auch nicht. Noch ist der 19-Jährige nicht bereit, festgenommen zu werden.

Christopher bietet auch schwer verletzt noch Hilfe an

Also tut er so, als wolle er selber nachsehen, was Christopher meint. Statt seines Handys zückt er aber das Klappmesser, mit dem er am Abend zuvor schon Jaden ermordet hat - und sticht zu.

Noch nach längerem Kampf, als Christopher schon nicht mehr aufstehen kann, zeigt sich die gutmütige Seite des 22-Jährigen: „Warum?“, fragt er Heße mehr als einmal. „Ich helfe dir, wir können darüber reden!“

Erst Handy-PIN erpresst, dann die Schlinge zugezogen

Heße nutzt Freundlichkeit und Todesangst des Freundes aus, presst noch die Handy-und EC-Karten-PIN aus ihm heraus. Hilfe holt er mit Christophers Handy allerdings keine, obwohl er das verspricht.

Als Heße merkt, dass die Messerstiche allein nicht reichen werden, den größeren und schwereren Christopher zu töten, greift er nach einem Bademantel-Gürtel und zieht die Schlinge zu. Zwei Minuten lang steht er auf dem Oberkörper seines Opfers und zerrt am Gürtel. Dann ist Christopher tot.

Christophers Mutter weint im Gerichtssaal

Christophers Mutter Michaela W. sitzt dem Mörder ihres Sohnes im Gerichtssaal gegenüber. Sie weint, als sie die grausamen Details von Christophers Tod mitanhört.

Die Hilfsbereitschaft ihres freundlichen Kindes hat ihm das Leben gekostet.

 
 

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