Dieser Schalker führte Lok Moskau zum Titel in Russland

Früher auf Schalke: Erik Stoffelshaus (links) war Teammanager, als Mirko Slomka (rechts) und Andreas Müller (Mitte) als Trainer und Manager auf Schalke waren.
Früher auf Schalke: Erik Stoffelshaus (links) war Teammanager, als Mirko Slomka (rechts) und Andreas Müller (Mitte) als Trainer und Manager auf Schalke waren.
Foto: firo

Moskau.  Die Fußball-Welt blickt in diesen Tagen nach Russland, ein früherer Schalker ist schon längst da: Erik Stoffelshaus (47), einst Teammanager bei den Königsblauen, ist seit Januar 2017 Sportdirektor bei Lokomotive Moskau.

Das allein ist schon spannend, aber in diesem Sommer wurde Lok auch noch russischer Meister – mit dem Ex-Schalker Jefferson Farfan als Torjäger. Stoffelshaus hat im Interview viel zu erzählen.

Herr Stoffelshaus, wie wird man als ehemaliger Schalker der Sportdirektor von Lokomotive Moskau?

Erik Stoffelshaus (schmunzelt): Das ist eigentlich eine längere Geschichte, in der auch einige Zufälle eine Rolle gespielt haben.

Im Jahr 2016 haben Sie für den kanadischen Fußballverband gearbeitet, dann kam der berühmte Anruf aus Moskau?

Stoffelshaus: Genau. Eigentlich war meine Vertragsverlängerung in Kanada schon klar, als plötzlich eine Anfrage von Lok Moskau kam. Ilya Gerkus, der Präsident von Lok, war vorher der Finanzchef von Zenit St. Petersburg. Durch die Kooperation von Zenit und Schalke war mein Name dort bekannt.

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Und der Präsident wollte Sie sofort als Sportdirektor engagieren?

Stoffelshaus: Zunächst ging es darum, ob ich mir vorstellen könnte, die Nachwuchs-Akademie von Lok zu leiten. Dabei habe ich auch meine Ansichten über den Profifußball aufgezeigt: Ich habe Konzepte präsentiert, wie man die Nachwuchsspieler in den Profikader integrieren kann, so dass man keine teuren Transfers machen muss. Das hat Ilya Gerkus gefallen, und eine Woche später bekam ich die Message: Kannst du dir auch vorstellen, Sportdirektor zu werden? Ich weiß noch genau, wie das war: Ich stand in unserer Wohnung in Toronto in der Küche neben meiner Frau, als die Nachricht kam.

Sie haben auf der Stelle zugesagt?

Stoffelshaus: Natürlich habe ich überlegt und bin nach Moskau geflogen zum letzten Spiel vor der Winterpause gegen Terek Grozny – das war nicht lustig (lacht). Es war kalt und der Klub war auf Platz zehn der Liga. Aber Lok war noch im Pokalwettbewerb dabei: Da habe ich eine Chance gesehen, dass es einen Weg in den Europapokal gibt. Ich habe dann im Januar 2017 angefangen, im Mai 2017 sind wir Pokalsieger geworden und hatten damit die Eintrittskarte nach Europa, was es mir leichter gemacht hat, Spieler zu verpflichten.

Und jetzt, gut ein Jahr später, haben Sie gezeigt: Als Schalker kann man sogar Meister werden…

Stoffelshaus: Ein unbeschreibliches Gefühl. Und dabei wirkte tatsächlich einiges sehr, sehr vertraut aus den Zeiten auf Schalke. Den 19. Mai 2001 habe ich ja damals noch in der Knappenschmiede erlebt, und 2006 bin ich als Team-Manager zu Andreas Müller in den Lizenzspielerbereich aufgerückt. Dieses Trauma aus der Saison 2006/2007, als wir auf Schalke so einen großen Vorsprung verspielt hatten, hing mir immer noch im Nacken.

Erzählen Sie bitte.

Stoffelshaus: In Moskau sind wir mit neun Punkten Vorsprung aus der Winterpause gekommen. Da werden schon Partys geplant, aber ich habe immer gesagt: Freunde, hört auf damit. Zwei Spiele vor Schluss hatten wir dann plötzlich nur noch vier Punkte Vorsprung, da wurden alle wackelig. Ich bin dann zum Präsidenten gegangen und habe die Stimmung gedreht: Ilya, wenn dir vor der Saison jemand gesagt hätte, dass wir zwei Spiele vor Schluss vier Punkte Vorsprung haben und das Ding im nächsten Spiel gegen Zenit einfahren können – hättest du das unterschrieben? Sofort! Alle hatten Angst, weil die letzte Meisterschaft für Lok schon 14 Jahre her war.

Und dann haben Sie durch ein Tor in der 88. Minute mit 1:0 gegen Zenit St. Petersburg gewonnen und wurden Meister.

Stoffelshaus: Als das Tor gefallen war, habe ich gedacht: Jetzt brechen alle Dämme, aber es war nicht so. Mein Gedanke war nur: Wahnsinn – das passiert ja jetzt wirklich. Und dann gab’s eine Duplizität der Ereignisse zu 2001: Alle haben nach einem Pfiff des Schiedsrichters schon gefeiert, dabei war noch gar nicht Schluss. Ich habe nur gerufen: Wartet, Jungs! Das sind Erfahrungswerte, wenn man zweimal eine Meisterschaft eben nur fast gewinnt.

Was passierte dann?

Stoffelshaus: Es wurde erst noch weiter gespielt, aber beim Abpfiff war es wirklich unglaublich. Unser Stürmer Jefferson Farfan kam mir auf dem Platz entgegen, wir haben uns in den Arm genommen, und ich habe gedacht: Jetzt kannst du unter die ganze Geschichte einen Haken machen. Es war jetzt nicht die Deutsche Meisterschaft, aber es war eine Meisterschaft. Der ganze Ballast war weg.

Jefferson Farfan, den Sie aus Schalke kennen, hatte bei der Meisterschaft eine Schlüsselrolle?

Stoffelshaus: Absolut. Er hat in 22 Spielen zehn Tore gemacht, dabei waren viele wichtige Tore. Auch das Tor zum Titel gegen Zenit hat er eingeleitet: Wir sind mit drei gegen vier auf das Tor zugelaufen, Jeff hat den Ball, treibt ihn mit Geschwindigkeit nach vorne und spielt raus auf Ignatiev. In der Mitte läuft Eder genau im richtigen Moment los und macht das Tor.

Mit Verlaub: Wie war es möglich, einen Spieler wie Farfan nach Moskau zu holen?

Stoffelshaus: Jeff war mein erster Transfer. Er hatte seinen Vertrag bei Al-Jazira, wohin er von Schalke aus gewechselt war, aufgelöst und war ablösefrei – das war wichtig für uns, weil wir nicht viel Geld hatten. Er war damals 32 und im Fußball nicht mehr eine so glühend heiße Aktie, aber ich wusste: Wenn er fit wird, kann er uns helfen. Für mich war Jeff keine Wundertüte, denn ich kenne den Jungen. Jeff wollte sich bei uns nochmal beweisen, und das hat er geschafft.

Ist Farfan, der ja auch bei der WM dabei ist, der Paradiesvogel in einer russischen Mannschaft?

Stoffelshaus: Wir haben viele internationale Spieler, aber auch viele aus Russland. Im Endeffekt sind sechs unserer Jungs bei der WM dabei. Neben Jefferson Farfan, der für Peru spielt, noch der Pole Maciej Rybus, der Kroate Vedran Corluka, der Portugiese Manu Fernandes und unsere Eigengewächse Aleksey und Anton Miranchuk. Dazu standen unser Torwart Guiherme und Rechtsverteidiger Vladislav Ignatiev im russischen Kader auf Abruf und unser Kapitän Igor Denisov, der beste Sechser der russischen Liga, wurde aus persönlichen Gründen leider nicht zur WM mitgenommen. Und auch der Portugiese Eder wurde aus dem Aufgebot seiner Nationalmannschaft gestrichen. Eigentlich ein Mann für die entscheidenden Tore: Portugal hat er 2016 zum EM-Titel geschossen, unser Team jetzt zur russischen Meisterschaft. Wir haben eine gestandene Mannschaft, die auch internationale Erfahrung hat.

Dennoch gilt Lok als Überraschungs-Meister.

Stoffelshaus: Viele haben nicht darauf geachtet, welche Qualität wir in der Mannschaft haben. Jefferson Farfan hatte niemand auf der Rechnung, Rybus und Eder, die ich aus Frankreich geholt habe, waren auch gute und günstige Gelegenheiten. Erst im Nachhinein hat dann jeder gesagt: Mit so vielen Nationalspielern ist das eigentlich eine gute Truppe. Die Mannschaft ist gut und für russische Verhältnisse top.

In der Champions League ist der russische Meister in Topf eins gesetzt, Sie könnten damit in der Gruppenphase auf Schalke treffen - ein Traum?

Stoffelshaus: Das wäre natürlich schön, ich hatte ja nie ein Problem mit dem Klub - ganz im Gegenteil: Ich hatte elf super Jahre auf Schalke, da würde ich mich über ein Wiedersehen freuen. Aber ich habe mit meinen Wunschlosen eigentlich immer ziemlich daneben gelegen.

Weil Sie es in der vorherigen Europa League ausgerechnet mit dem späteren Sieger Atletico Madrid zu tun bekommen haben?

Stoffelshaus: Wir hätten in der K.o.-Phase theoretisch auf den BVB treffen können, deswegen habe ich vor der Auslosung zu Jeff gesagt: Hey, wollen wir uns Dortmund holen? Für zwei alte Schalker wäre das schon ein Traumlos gewesen. Aber am Ende sind wir dann gegen Atletico rausgeflogen.

 
 

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