Bottrop

Anschlag von Bottrop und Essen – Experte: „Die Polizei hätte es nicht verhindern können“

DER WESTEN-Reporter Daniel Sobolewski berichtet aus Bottrop

Ein Essener (50) lenkt sein Auto in der Silvesternacht mehrfach in Menschengruppen. Ermittler gehen von einer fremdenfeindlichen Tat aus.

Ein Essener (50) lenkt sein Auto in der Silvesternacht mehrfach in Menschengruppen. Ermittler gehen von einer fremdenfeindlichen Tat aus.

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Bottrop. Der erschütternde Anschlag in der Silvesternacht, bei dem Amokfahrer Andreas N. ( 50) aus Essen erst in Bottrop in eine Menschenmenge fuhr und später in Essen mindestens eine Frau attackierte, kommt für Terrorexperte Rolf Tophoven nicht überraschend.

„Die Polizei kann solche Anschläge unmöglich verhindern“, sagt der Direktor des „Instituts für Krisenprävention“ in Essen. Jeder, in dem Hass brodele, könne Alltagsgegenstände wie ein Messer oder eben ein Auto benutzen, um Menschen zu verletzten. Diese Vorgehensweise sei bei Terroristen mittlerweile Standard.

Zwar gebe es oft Gemeinsamkeiten, die Terroristen verbinden würden. Kleinkriminalität zum Beispiel, psychische Störungen, Herkunft aus Problemzonen oder Radikalisierung. Doch klar sei auch: Nicht jeder, der im Supermarkt ein Glas Gurken klaue oder einen Psychiater besucht, werde überwacht.

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Nach Amokfahrt in Bottrop und Essen: Das sagt ein Terrorexperte

„Gewalttäter lernen vom Vorgehen der Terroristen“, sagt Tophoven. Das Internet verschärfe die Gefahr: Erstens sei es über das Netz sehr leicht, an Informationen und Utensilien zu kommen, um etwa Bomben zu bauen. Und zweitens sei das Internet ein Raum, in dem in der Gemeinschaft Gleichgesinnter sehr schnell ein Feindbild aufgebaut werden könne.

Anschlag in Bottrop und Essen: Amokfahrer hat psychische Probleme

Wie vermutlich auch im Fall von Andreas N. in Bottrop und Essen: Der 50-Jährige, der seit Jahrzehnten unter einer schizophrenen Erkrankung leidet, habe möglichen Anschlägen von Flüchtlingen zuvorkommen wollen, sagte er laut einem Bericht des Kölner Stadtanzeigers.

>> Hier geht es zum News-Blog, in dem du alles über den Anschlag von Bottrop nachlesen kannst

Bei seiner Amokfahrt wurde eine Syrerin (46) von dem Wagen erfasst. Sie schwebte zwischenzeitlich in Lebensgefahr. Auch ihr Ehemann (48) und die beiden Töchter (16, 27) wurden verletzt. Unter den Opfern sind auch zwei Kinder: Ein zehnjähriges Mädchen aus Syrien sowie ein vierjähriger Junge und dessen Mutter (29) sind verletzt. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen von einem „gezielten Anschlag“ gegen Ausländer aus.

Die Staatsanwaltschaft beantragte Haftbefehl wegen mehrfachen versuchten Mordes. Andreas N. sitzt nun in U-Haft.

Amokfahrt in Bottrop

Experte: Angst vor Anschlägen ist überzogen und gefährlich

Die Angst vor islamistischen Terroranschlägen und ganz allgemein vor Straftaten ausländischer Menschen in Deutschland ist laut Rolf Tophoven in den Köpfen der Menschen größer als die Realität verlangt.

„Mord und Totschlag haben wir immer schon gehabt. Aber in dem Moment, in dem etwa ein ausländischer Mann die Tat begeht, richtet sich die Angst gegen das Fremde.“ Das mache sie so gefährlich.

Hass auf Ausländer dient zur Selbstbestätigung

Denn wer sich sagt, dass diejenigen, gegen die sich die eigene Angst richtet, auch wirklich die Bösen sind (und das auch von Gleichgesinnten gespiegelt bekommt), wird schneller zum Täter. Tophoven: „Die Angst wird dann zur eigenen Bestätigung für seine Tat benutzt.“

 
 

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