Veröffentlicht inRegion

Anschlag in Ratingen: Tatverdächtiger hüllt sich in Schweigen – DIESE Frage wird wohl für immer ungeklärt bleiben

Zum Start des Ratingen-Prozesses wurden auch neue Details zur Frauenleiche in der Wohnung des Angeklagten enthüllt. Doch eines ist bis heute unklar.

Anschlag Ratingen
© AFP/dpa

Video zeigt mutmaßlichen Täter von Ratingen auf seinem Balkon

In Ratingen kam es am Donnerstag zu einer Explosion in einem Wohnhaus. Ein Amateur-Video soll den mutmaßlichen Brandstifter auf seinem Balkon zeigen.

Wer ist Frank P.? Viel weiß man auch knapp sechs Monate nach dem Anschlag noch nicht über den 57-Jährigen. Gemeinsam mit seiner Mutter lebte er in der Wohnung in einem Hochhaus an der Berliner Straße in Ratingen bei Düsseldorf. Nur kurz nach dem Anschlag wurden erschütternde Details über den Ratinger publik.

+++ Ratingen: Expertin mit grausamen Details zum Anschlag – plötzlich stürmt ein Polizist aus dem Saal +++

Viele dürften darauf hoffen, dass er im Prozess, der ihm aktuell am Landgericht Düsseldorf gemacht wird, endlich sein Schweigen bricht und bei vielen ungeklärten Fragen Licht ins Dunkel bringt. Doch wie eine Expertin am Freitag (24. November) zum Prozessauftakt enthüllte, wird ein wichtiger Aspekt ohne die Aussage des Angeklagten wohl nie vollständig aufgeklärt werden können (hier mehr zum ersten Prozesstag).

Anschlag in Ratingen: DAS wissen wir über Frank P.

Wie Staatsanwältin Laura Neumann vom Landgericht Düsseldorf am Freitag nochmals bestätigte, soll es sich bei dem Angeklagten, der wegen neunfachen versuchten Mordes nun vor Gericht steht, um einen arbeitslosen Corona-Leugner handeln, der „verschiedenen Verschwörungstheorien zuzuordnen“ ist. Gegen ihn lag bis zum schicksalhaften Tag im Mai ein Haftbefehl wegen dreifacher Körperverletzung vor. Am 12. Mai hätte dieser vollzogen werden sollen.


In diesem Zusammenhang auch interessant: Ratingen: Wie gefährlich sind „Corona-Leugner“? Verfassungsschutz wird nach Anschlag deutlich


Wie ein Polizeibeamter am Freitag aussagte, hätte man am Tag des Anschlags, bevor sich die Einsatzkräfte Zutritt zur Wohnung von Frank P. verschafften, auch mit seinen Nachbarn gesprochen. Besonders eine Aussage blieb dem 30-jährigen Nebenkläger dabei in Erinnerung. Demnach hätte der Nachbar den 57-Jährigen als „irre“ beschrieben, und hätte offenbart, dass er Angst vor ihm hätte. Tatsächlich soll P. auch einen Bewohner des Mehrfamilienhauses in der Vergangenheit attackiert haben, was unter anderem den Haftbefehl nach sich zog.

Gemeinsam mit seiner 91-jährigen Mutter Christa P. soll der Ratinger in der Hochhaus-Wohnung gelebt haben, wie auch der Hausverwaltung bekannt war. Diese hatte am Morgen des 11. Mai die Polizei alarmiert, nachdem man den Verdacht hatte, dass beide Mieter tot in ihrer Wohnung liegen würden. Auch die Beamten gingen zunächst davon aus, als ihnen beim Betreten der Wohnung ein starker Verwesungsgeruch in die Nase stieg. Zu diesem Zeitpunkt nahmen sie noch an, dass sich auch Frank P. das Leben genommen hatte, denn nichts deutete vor Ort zunächst auf eine noch lebende Person hin. Schnell sollte sie der Angeklagte vom Gegenteil überzeugen, als er laut Anklageschrift plötzlich wie aus dem Nichts heraus eine 25-jährige Beamtin mit Benzin übergoss und ihr einen brennenden Stofffetzen entgegen warf.

Staatsanwältin Laura Neumann hat sich am Freitag (24. November) zum Anschlag in Ratingen geäußert. Foto: Oliver Berg/dpa Foto: dpa

Ärztin enthüllt Details aus Obduktionsbericht

Neben dem Motiv des Tatverdächtigen bleibt bis heute aber auch eine weitere Frage ungeklärt: Wie kam Christa P. ums Leben? Auch der Obduktionsbericht konnte auf diese Frage keine eindeutige Antwort bringen. Denn die massive Hitzeeinwirkung durch die Explosion in der Wohnung soll auch die Leiche der 91-Jährigen stark in Mitleidenschaft gezogen haben. Zum Teil soll sie schon mumifiziert gewesen sein. Mehrere Wochen bis Monate könnte sie in der Wohnung gelegen haben, bis die Einsatzkräfte diese am 11. Mai stürmten. Frank P. soll in dieser Zeit die Wohnung nicht verlassen haben und mit der verwesenden Leiche auf engstem Raum zusammengelebt haben.


Weitere News:


Einige Details an der Leiche hätten die Experten laut Aussage einer Ärztin aber stutzig gemacht: Demnach hätten die Rechtsmediziner eine Verletzung an der rechten Schläfe der toten Frau festgestellt, die auf scharfe Gewalt hindeute. Außerdem sei nur einer ihrer Oberarme fast vollständig skelettiert gewesen. Ob diese Verletzungen zu ihrem Tod führten oder der 91-Jährigen erst nachträglich zugefügt wurden, könne nicht mehr rekonstruiert werden.

Frank P. (57) soll für den Anschlag in Ratingen verantwortlich sein. Foto: dpa Foto: dpa

Diese Worte hallten am Freitag noch lange in den Ohren der Zuschauerschaft nach. Die Miene des angeklagten Frank P. allerdings blieb auch bei diesen Offenbarungen zu seiner toten Mutter wie versteinert. Nur er wird der Staatsanwaltschaft mit Gewissheit sagen können, was sich vor dem Anschlag in der Hochhauswohnung in Ratingen abspielte und wie Christa P. ums Leben kam. Es sind noch zehn weitere Prozesstage zum Fall am Düsseldorfer Landgericht angesetzt. Das Urteil wird voraussichtlich im Januar fallen.