Alleinerziehende aus NRW am Ende: „Ich weiß nicht, wie ich das alles schaffen soll“

Verschwörungstheorien - warum sie in Krisen so viele Menschen anziehen

Verschwörungstheorien - warum sie in Krisen so viele Menschen anziehen

5G-Netze, Bill Gates, ein Laborunfall in Wuhan: Um den Ursprung von Covid-19 ranken sich zahlreiche Verschwörungstheorien. Für Experten ist das keine Überraschung. In Krisen geben sie einigen Menschen demnach zumindest ein Gefühl von Kontrolle zurück.

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Köln. Die Angst davor, sich anzustecken, immer neue Regeln, noch eine Impfung. Viele Menschen in NRW hat der Corona-Winter eine Menge Kraft gekostet.

Doch besonders hart getroffen hat es Alleinerziehende wie Verena (51) aus Köln (NRW). Sie sagt: „Mein Horrorwinter hat vor Weihnachten angefangen. Und er ist noch nicht vorbei.“

Alleinerziehende aus NRW schuftet „bis zum Umfallen“

In ihrem Leben muss es schnell gehen, ein Termin jagt den nächsten. „Ich arbeite im Homeoffice und bin daher flexibler, aber der Druck bleibt. Um 7 Uhr sitze ich im Pyjama vor dem PC, bringe dann mein Kind zur Schule, arbeite weiter, hole das Kind wieder ab.“

Essen kochen, dem Kind plaudern „dann arbeite ich weiter – bis zum Umfallen.“ Selbst am Telefon spricht Verena, die eigentlich anders heißt, eilig wie eine Gejagte. Schildert mehr Sorgen, als es in einem Telefoninterview Raum dafür geben kann.

Alleinerziehende aus NRW: Falsch-positive Corona-Tests verunsichern Sohn

Für ihre Kinder, elf und 20 Jahre alt, gibt sie alles. Und doch fehlt ihr die Zeit und das Geld, um ein Leben zu leben, in dem sie dem allen gerecht werden kann. Auch vor Corona sei ihr Leben stressig gewesen, doch seit der Pandemie habe sich die Lage zugespitzt.

Zuletzt im Dezember 2021. „Fünf falsch-positive Schnelltests bei mir und meiner Tochter haben dazu geführt, dass meinem Sohn vor lauter Angst die Haare ausgefallen sind. Seine schulische Leistungen nehmen ab. Erste Mobbingerfahrungen hat er schon eingesteckt“, sagt sie.

Alleinerziehende aus NRW: „Alles bleibt an mir hängen“

Auch ihre Tochter (20) leide unter der Situation. Wegen einer Depression befinde sie sie derzeit in Behandlung einer Klinik. „Wie das weiterläuft mit ihrem Studium, dem Kindergeld und den Streitereien um den Unterhalt mit ihrem Vater weiß ich nicht. Alles bleibt an mir hängen.“

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Diesen Eindruck hat auch Laura Bohnert, Beraterin beim Verband allein erziehender Mütter und Väter NRW (VAMV NRW). „Die Unsicherheit ist noch immer hoch“, sagt sie. Kind krank, Quarantäne und deswegen die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. „Aufgaben, die andere Eltern sich aufteilen können, müssen Alleinerziehende oft ganz ohne Hilfe meistern.“

Das sei nicht nur finanziell und zeitlich schwierig, sondern auch für die Psyche. „Die mentale Belastung ist extrem hoch. Wer den ganzen Tag ackert, hat abends keinen Kopf mehr dafür, sich auch noch mit den neuen Corona-Bestimmungen auseinanderzusetzen.“ Der Ausnahmezustand, er sei längst Normalität geworden.

NRW: Alleinerziehende lebt in ständiger Angst

Auch Verena hat den Überblick verloren. Sie selbst gehört wegen einer Asthma-Erkrankung zur Risikogruppe. Seit Beginn der Pandemie lebe ihre Familie in ständiger Angst vor dem Virus. Auszeiten gebe es für sie kaum, hinzu komme der alltägliche Wahnsinn. Hausaufgabenhilfe, Haushalt, Geldprobleme trotz Vollzeitjob. Der Kindsvater zahle unregelmäßig, übe Druck aus. Sobald eine E-Mail von ihm im Postfach seiner Tochter aufploppe, steige der Blutdruck. „Alle bombardieren mich. Es ist viel zu viel auf einmal. Ich habe keine Energie mehr“, sagt Verena. „Ich weiß nicht, wie ich das alles schaffen soll.“

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Helfen könnte laut Bohnert vom VAMV Unterstützung von außen. Der Koalitionsvertrag der neuen Regierung mache in dieser Hinsicht Hoffnung. Er sieht vor, haushaltsnahe Dienstleistungen zu fördern. Denkbar wäre zum Beispiel, dass Mitarbeiter ähnlich wie bei einem Pflegedienst für Senioren regelmäßig bei Menschen wie Verena aushelfen, wenn es brenzlig werde.

Ob und wie die Regierung das konkret umsetzt, stehe allerdings noch in den Sternen. „Fest steht: Alleinerziehende brauchen Unterstützung. Nicht nur in Form von mehr Geld, sondern auch Zeit. Nur so kann die mentale Belastung abgefedert werden.“

Alleinerziehende in NRW: Kein Urlaub seit sieben Jahren

Die wünscht sich auch Verena. Der Horrorwinter sei für sie noch nicht vorüber. Ob der Frühling besser wird? Die 51-Jährige hofft es. Für sie und ihren Sohn geht es zuvor noch auf Mutter-Kind-Kur. Seit sieben Jahren wird es der erste Urlaub für sie sein.

Doch auch diese Pause vom Alltag bringt die dauergestresste Alleinerziehende nicht zur Ruhe. „Gerade wenn wir losfahren soll meine Tochter aus der Klinik zurückkommen“, sagt sie. Gedanklich abschalten? Unter diesen Bedingungen kaum möglich. Denn natürlich wolle sie dann als Mutter für ihre 20-Jährige da sein – trotz Kur. „Ich hoffe, dass ich sie zumindest an den Wochenenden besuchen kann.“

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Du bist alleinerziehend und benötigst Unterstützung? Beratungsmöglichkeiten bietet der Verband allein erziehender Mütter und Väter (VAMV NRW). Infos gibt's auf www.vamv-nrw.de, die Nummer der Beratungshotline findest du hier.